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Willkommensteam : Schrauber geben Rädern zweite Chance

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Fahrrad-AG sucht Unterstützung.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 16:33 Uhr

Elmshorn | Ron Mohr zieht und ruckelt an dem Fahrradsattel, aber freiwillig will der sich von dem roten Kinderfahrrad nicht trennen. Erst als Mohr Unterstützung von Kollegen bekommt und ein Rostlösungsmittel zur Hilfe nimmt, löst sich der Sattel.

„Solche Fälle sind der Grund, warum es bei uns oft so lange dauert“, sagt Ron Mohr. Seit eineinhalb Jahren engagiert er sich ehrenamtlich mit vier Mitstreitern bei der Fahrrad-AG des Willkommensteams. Die „Schrauber“, wie sie sich selbst nennen, treffen sich mittwochs für drei bis vier Stunden im Keller des Mühlencafés und reparieren Fahrräder, die Elmshorner ihnen gespendet haben. Anschließend stellen sie die Drahtesel gegen eine Schutzgebühr von zehn bis 30 Euro Flüchtlingen und anderen Bedürftigen zur Verfügung.

Seit Oktober 2015 hat das Team rund 400 Räder wieder fahrtüchtig gemacht. Manchmal, wie bei dem Fahrrad, an dem Ron Mohr gerade arbeitet, muss nur die Schaltung gereinigt, ein neues Rücklicht angebracht und der Sattel neu ausgerichtet werden. „Dieses Rad ist in einem ganz guten Zustand, damit sind wir in einer Dreiviertelstunde fertig“, sagt Mohr. Es gibt aber auch andere Fälle, Fahrräder, bei denen ganze Räder, Ketten und Gangschaltungen ersetzt werden müssen.

Am Ende lohnt sich die Arbeit: „Die Flüchtlinge sind unglaublich happy, wenn sie ihr Fahrrad bekommen, weil sie sich viel freier in Elmshorn bewegen können“, sagt Mohr. Durch die Schutzgebühr kann sich die Fahrrad-AG mittlerweile selbst finanzieren. Am Anfang hatten sie die Räder kostenlos abgegeben und die Ersatzteile über Spenden des Old Tables finanziert. Und natürlich ist es eine große Hilfe, dass die Gruppe die Räder inzwischen nicht mehr nach Neuendorf transportieren muss, wo das Fahrrad-Bau-Unternehmen Norwid ihnen zwischenzeitlich eine Werkstatt zur Verfügung gestellt hatte. Jetzt hat die AG im Mühlencafé ihre eigene Werkstatt.

AG-Koordinator Donald Fazedin führt eine Liste, in der er akribisch festhält, wer donnerstags ins Mühlencafé gekommen ist, um ein Fahrrad zu beantragen, welche Rahmengröße dieses Rad haben muss – und später auch, welches Rad an wen ausgegeben worden ist. „Jeder bekommt nur ein Fahrrad“, sagt Fazedin, da ist er streng. Immer wieder kämen die Leute nur wenige Wochen nach der Ausgabe wieder zu ihm, weil ihnen ihr Fahrrad gestohlen worden ist. „Viele sehen nicht ein, mehr für ein gutes Schloss als für das Fahrrad zu bezahlen“, erklärt Fazedin. Und die Warteliste sei viel zu lang.

Derzeit stehen 90 Personen auf dieser Liste, davon sind 60 Frauen. Denn: Die meisten Frauen aus Syrien oder aus dem Iran sind zu klein für die gespendeten Räder. „Wir brauchen dringend Räder mit einer Rahmenhöhe von 42 bis 48 Zoll, aber da haben wir Elmshorn wohl schon abgegrast“, sagt Fazedin.

In Zukunft möchte die Fahrrad-AG auch Reparaturen für die ausgegebenen Fahrräder anbieten. „Die Nachfrage ist groß, aber ich kann meine Freiwilligen nicht an zwei Terminen in der Woche beschäftigen“, sagt Fazedin. Deshalb sucht er neue „Schrauber“, zum Beispiel Senioren, die Spaß daran haben, Fahrräder wieder in Schuss zu bringen. Das Handwerkszeug würde das Team der Fahrrad-AG ihnen beibringen.

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