Schlittschuhlaufen mit Folgen

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Neue Serie: Boje Maassen ist in Elmshorn aufgewachsen – jetzt ist er 78 Jahre alt und erzählt humorvolle Anekdoten aus seiner Jugend

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09. Februar 2018, 17:00 Uhr

Schlittschuhlaufen konnten wir als Kinder bereits sehr früh. Allerdings gab es noch keine Schlittschuhe, bei denen Schuh und Schlittschuh eine untrennbare Einheit bildeten, sondern die Kufen wurden an Stiefeln mehr oder weniger fest angeschraubt. Übrigens meistens zum großen Schaden der Stiefel.

Für uns war nicht so sehr die Überwindung von langen Strecken auf den vielen Gräben Richtung Neuendorf oder Kiebitzreihe angesagt – das taten wir zwar auch. Hauptsächlich wollten wir aber Eishockey spielen. Offenbar war die Anzahl bespielbarer Flächen aber nicht sehr groß und auch nicht attraktiv, denn nur so kann man sich erklären, dass wir mit Vorliebe eine bestimmte Fläche an der Krückau frequentierten.

Die Sache hatte allerdings einen Haken. Besagte Fläche gehörte nämlich zu den Berieselungsflächen der damaligen Kläranlage. Je verbissener wir um jeden Puck kämpften, desto häufiger rutschten wir über die Fläche – und je häufiger wir rutschten, desto mehr gefrorenes Eis blieb in unseren Sachen hängen, was wir aber nicht bemerkten. Erst am Abend in der kuschelig warmen Küche wurde der hohe Preis für diese wunderbare Eisfläche offenbar: Ein merkwürdiger Gestank, denen öffentlicher Toiletten nicht unähnlich, breitete sich erst in der Küche und von dort bis ins Wohnzimmer aus.

Meine Mutter stand vor einem Rätsel. Aber für sie waren Rätsel keine Rätsel, sondern Aufgaben, die es galt zu enträtseln. Nach einigen Riechproben und Nachfragen fand sie die unansehnliche Ursache heraus: Das, was mit viel Aufwand aus dem Haus und in die Kläranlage geschafft worden war, war wieder ins Haus gelangt. Ich musste alle Eide schwören, diese Eisflächen nie wieder zu betreten. Das fiel mir natürlich verdammt schwer, aber ich habe den Schwur ein Leben lang gehalten.

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