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Der smarte Weltumarmer : Schleswig-Holstein Musik Festival in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Großer Konzertabend mit Avi Avital und Ensemble in der Elmshorner Reithalle.

Elmshorn | Was wollen wir eigentlich? Frieden natürlich – und Glück –, am besten auch noch grenzenlose Freundschaft. Ganz schön schwierig. Besonders in Zeiten, in denen dauerbeleidigte Sandkastenzampanos das Weltgeschehen bestimmen. Doch man wird ja wohl noch hoffen dürfen. So wie Avi Avital, israelischer Mandolinenvirtuose und smarter Weltumarmer. Unverwüstlich glaubt er an die verbindende Kraft der Klänge. Und der Mann hat recht. Sein zutiefst inspirierendes Spiel ist der Beweis dafür, dass Musik Kulturen zusammenbringt – und seien sie noch so verzwickt unterschiedlich.

 „Between Worlds“ haben Avi Avital, sein Landsmann Itamar Doari (Percussion) und die lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova das Programm genannt, das sie am Freitag den 1000 Besucher in der ausverkauften Elmshorner Reithalle präsentierten. Die Initiative Elmshorn hatte den Festival-Abend ermöglicht. In den vergangenen Jahren war das Trio mit „Between Worlds“ auf dem ganzen Globus unterwegs. Das Elmshorner Konzert war eines der letzten auf der langen Reise.

Der Trick bei der Sache ist, dass Avital mit seinen Freunden nicht einfach Musik verschiedener Ethnien zusammenschustert. Hinter dem, was im Ergebnis als allgemeingültiger musikalischer Ausdruck fasziniert, steckt vor allem das Bewusstsein, dass Grenzen uninteressant sind. Avi Avital wuselt nicht zwischen den Welten umher, er will sie alle gleichzeitig festhalten.

Und das gelingt sogar. Avital, dem das Musik Festival sein diesjähriges Solistenporträt gewidmet hat (20 Konzerte), ist ein echter Typ. Doch Vorsicht: So eloquent er durch das Programm führt, so unerbittlich ist er als Verführer. Seine Kunst glüht. Avital kümmert sich nicht darum, wie eine Mandoline vermeintlich zu klingen hat. Mit dem kleinen Ding kann er – so scheint es – alles spielen. Béla Bartóks Folkstänze, Traditionelles aus der Türkei, Bach selbstverständlich und dann Musik aus Kasachstan und Georgien.

Im Hof der Reit- und Fahrschule verbrachten die Besucher die Pause.
Im Hof der Reit- und Fahrschule verbrachten die Besucher die Pause. Foto: Knuth Peñaranda
 

Avi Avital ist ein Gesamtkunstwerk. Er sitzt auf der Bühne und produziert pure Emotionen – und hin und wieder kommt er der Welt einfach abhanden. Dann ist die Mandoline nur noch Mittel der Kommunikation, und der Interpret wird zum idealen Vermittler der Bachianas Brasileiras von Heitor Villa-Lobos und der Musik von Fritz Kreisler (Praeludium und Allegro).

Bei alldem hatte Avi Avital in Elmshorn Hilfe. Die fabelhafte lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova baute mal behutsam, mal virtuos Brücken für den Star des Abends, um dann selbst solistisch zu glänzen. Was Itamar Doari auf Rahmentrommel und Congas ablieferte, war atemberaubend. Das Publikum – anfangs etwas verhalten und dann umso stärker vom Avital-Virus infizeirt – war hin und weg. Selbstverständlich bekamen die Besucher zwei Zugaben. Darunter ein Bravourstück, das den Abend locker beendete: den Csárdás von Vittorio Monti – ganz großes Kino.

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erstellt am 24.Jul.2017 | 12:10 Uhr

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