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So war das Rededuell : Schlagabtausch auf Augenhöhe

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Verwaltungsfachmann Hatje gegen Diplom-Ökonomin Wolframm: Beide Bürgermeisterkandidaten wollen mehr Firmen in Elmshorn ansiedeln und die Kinderbetreuung ausbauen.

Mittwochabend, kurz vor 18 Uhr: Der Kollegiumsaal des Rathauses ist gut gefüllt, besser als bei Sitzungen der Stadtvertreter. Kein Wunder, schließlich gibt es auf Einladung der Elmshorner Nachrichten das einzige Rededuell der beiden Bewerber um das Amt des Elmshorner Bürgermeisters, Katja Wolframm und Volker Hatje.

Stadtrat Hatje, der von SPD, CDU und FDP unterstützt wird, hat einen anthrazitfarbenen Anzug und eine hellblaue Krawatte gewählt, Wolframm, die von den Grünen vorgeschlagen wurde, einen hellgrauen Hosenanzug.

Jan Schönstedt, Redaktionsleiter der Elmshorner Nachrichten, der die Debatte leitet, bittet beide Kandidaten, sich kurz vorzustellen. „Ich bin etwas aufgeregt, ich habe so etwas noch nie gemacht“, räumt die 34-jährige Diplom-Ökonomin ein. Sie führt in Hamburg einen kleinen Handwerksbetrieb.

Zwei Schwerpunkte nennt sie: Vor allem möchte sie die Menschen sehr stark in alle Entscheidungen einbeziehen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Beiträge. „Die Bürger sind die Experten vor Ort. Es ist ganz entscheidend für eine lebendige Stadt, dass sie sich einbringen.“ Punkt zwei ist die Wirtschaft: „Ich gehe davon aus, dass die Menschen hier weiter gut leben und arbeiten wollen. Deshalb muss man mehr Unternehmen nach Elmshorn holen.“

Der 52-jährige Hatje ist in Elmshorn aufgewachsen und lebt hier. „Ich bin parteilos und werde es auch bleiben“, bekräftigt er. Seine Schwerpunkte sind die Bildung, „wir brauchen mehr Krippenplätze“ und die Stadtentwicklung.

Auch Hatje wirkt etwas angespannt. Beide Kandidaten reden bei der Vorstellung frei, schauen nur ganz selten auf ihre Zettel. Hatje steht auf, wenn er redet, Wolframm bleibt sitzen. Während der Stadtrat seine Worte mit sparsamen Gesten der linken Hand unterstreicht, gestikuliert Wolframm fast gar nicht.

Ob sie sich wirklich zutraue, eine Verwaltung mit 350 Mitarbeitern zu führen, will Schönstedt wissen. Wolframm bejaht und gerät ins Straucheln: „Es geht ja nicht um Verwaltung, sondern um Bürger und Unternehmen.“ Hatje korrigiert: „Der Bürgermeister ist in erster Linie Leiter der Verwaltung, er muss die Beschlüsse der Politik umsetzen.“ Und der Stadtrat der Elmshorner Verwaltung setzt nach: „Man muss Verwaltung können, sonst ist das schwierig.“ Punkt für Hatje. In Sachen Verwaltungskenntnisse kann Wolframm ihm logischerweise nicht das Wasser reichen.

Wer allerdings an der Ernsthaftigkeit von Wolframms Kandidatur gezweifelt hat, wird schnell eines Besseren belehrt. Sie hat sich in der Zeit seit ihrer Bewerbung viel Wissen über die Stadt angeeignet, mit etlichen Vertretern von Firmen, Vereinen und Institutionen Gespräche geführt.

Nächster Punkt: Ein Zuhörer fragt nach Visionen für Elmshorn. „Die Stadt soll für alle, die hier leben, lebens- und liebenswert sein“, sagt Hatje. Wolframm möchte, dass möglichst viele Menschen in der Stadt, in der sie leben, auch arbeiten können.

Schönstedt will wissen, welche Vorstellungen beide zur Haushaltspolitik haben. Wolframm will die Ansiedlung von Unternehmen weiter ausbauen und gemeinsam mit Politik und Bürgern eine Prioritätenliste erarbeiten, um festzulegen, was machbar ist. „Wir müssen vom Ziel aus denken.“

Hatje verweist darauf, dass sogar der laufende Haushalt wahrscheinlich noch ausgeglichen werden könne, der kommende ohnehin. Dennoch sei es schon schwer genug, „das zu erhalten, was wir haben“. Als zentralen Punkt nennt er das Ausweisen neuer Gewerbegebiete, um die Steuereinnahmen zu erhöhen.

„Ich bin ehemaliger Leistungsschwimmer, mein Herz hängt am Badepark“, sagt Hatje auf Schönstedts Frage, ob das Schließen des defizitären Bads eine Option für ihn sei. Dafür gibt’s Beifall. Doch dann gerät auch Hatje ins Schwimmen. Wo er denn sparen wolle, will ein Zuhörer hartnäckig wissen. Angesichts von rund 80 Millionen Schulden keine unberechtigte Frage. Hatje bleibt die Antwort schuldig: „Ich muss hier kein Szenario aufbauen, wie ich die Stadt kaputtspare.“

In Sachen Stadtentwicklung setzen beide Kandidaten auf des Gebiet um Vormstegen. „Wenn die Entscheidung über den Standort des Rathauses gefallen ist, können wir hoffentlich loslegen“, sagt Hatje. „Da muss was passieren, das ist sichtbar“, so Wolframm. Sie hält es zudem für sinnvoll, leerstehende Einzelhandelsflächen notfalls auch anderweitig zu nutzen, zum Beispiel für Wohnungen. Hatje setzt darauf, „auf der anderen Seite der Autobahn“ Firmen anzusiedeln, zum Beispiel im IT-Bereich.

Beide Kandidaten wollen die Bürger in wichtige Entscheidungen wie die Auswahl des Rathausstandortes, einbeziehen. Und beide halten die Arbeit der Familienbildungsstätte für sehr wichtig für die Stadt.

Auch darin, dass das Angebot mit Kindergartenplätzen weiter ausgebaut werden soll, sind sich Wolframm und Hatje einig. Der Stadtrat strebt zudem an, nach und nach alle Schulen in offene Ganztagsschulen umzuwandeln. „Wir brauchen Ganztagsschulen und ein gutes Betreuungsangebot“, sagt auch Wolframm. Das muss sie eventuell selbst in Anspruch nehmen. Denn im Falle ihrer Wahl, das sagt sie zu, werde sie mit ihrem Ehemann und den zwei Kindern nach Elmshorn ziehen.

Nach gut eineinhalb Stunden beendet Schönstedt eine informative und stets faire Debatte. Hatje spricht mit knapp 38 Minuten Redezeit zwei Minuten länger als Wolframm.

Fazit: Es war ein Duell auf Augenhöhe, mit leichten Vorteilen für Verwaltungsfachmann Hatje.

 

 

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erstellt am 06.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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