Schinkel zieht die Reißleine

Als Kind hatte Michael Schinkel Poster von der SPD in seinem Zimmer hängen: „Zieh mit, wähl’ Schmidt!“ Heute ist er von der Partei enttäuscht.
Als Kind hatte Michael Schinkel Poster von der SPD in seinem Zimmer hängen: „Zieh mit, wähl’ Schmidt!“ Heute ist er von der Partei enttäuscht.

Wegen des Maaßen-Fiaskos: 30 Jahre engagierte sich Michael Schinkel in der SPD – jetzt ist er ausgetreten

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26. September 2018, 17:35 Uhr

Daniela Lottmann „Das ganze Zimmer war gepflastert mit SPD-Plakaten. Zieh mit, wähl’ Schmidt! Für Brandt und gegen Franz Josef Strauss – das waren die Parolen. Da war ich vielleicht zehn Jahre alt und stand schon hinter der SPD.“ Wenn Michael Schinkel von seiner SPD erzählt, berichtet er mit Leidenschaft für die Werte der Partei – und gerät alsbald ins Stocken. Denn Schinkel hat sich entschlossen – er tritt aus.


Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht

Schon lange haderte er mit der Entscheidung. Den Entschluss dazu fasste Schinkel aber nach dem Hin und Her um die Versetzung des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen (wir berichteten). „Für mich ist das ein verkappter AfDler, der richtig Mist gebaut hat. Und ich kann nicht verstehen, wie meine SPD da nicht einfach auf den Tisch haut, sondern dem Seehofer-Freund noch zu einer neuen Stelle verhilft.“

Schon Schinkels Vater war SPD-Mitglied; sein Onkel engagierte sich für die Partei als Bürgermeister in Seestermühe. Als Jugendlicher liest Schinkel Bücher und Berichte über die sozialdemokratische Idee. Als junger Erwachsener trat er in die Partei ein, wurde Gemeindevertreter in Seestermühe, 2008 dann Stadtverordneter in Elmshorn. Das Mandat verlor er im Mai 2018. „Ich stand hinter den Grundfesten der Partei und war stolz auf mein Parteibuch“. Er engagiert sich im SPD-Ortsvorstand, in SPD-Arbeitsgemeinschaften im Kreis Pinneberg und auf Landesebene. Zehn Jahre arbeitete Schinkel aktiv und erzählt von einer guten Zeit. „Die Zusammenarbeit mit Ernst Dieter Rossmann oder Beate Raudies klappte immer sehr gut. Auch der Vorstand in Elmshorn leistet eine gute Arbeit. Mein Austritt hat deshalb weniger damit zu tun, dass ich mit der Elmshorner SPD nicht zufrieden bin, sondern mit der Bundes-SPD.“ Beate Raudies, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Elmshorner Ortsverbands, zeigt sich von Schinkels Entschluss betroffen: „Ich bedaure diese Entscheidung, und bin traurig, dass Michael Schinkel seine langjährige Arbeit in unserer Partei nicht weiterführen möchte.“

Schinkels Unzufriedenheit manifestierte sich schon im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017. Als Martin Schulz als Spitzenkandidat auftrat, empfand er zunächst Hochachtung vor dem Mann aus Würselen. Aber im Laufe des Wahlkampfs sei Schulz immer zahmer geworden. Schulz hätte seine Richtung verloren – sein Handeln ein einziges Wischiwaschi. „Manchmal dachte ich, der weiß gar nicht was er sagt.“ Schinkels Vorwürfe klingen hart, aber es sind die Vorwürfe eines einstigen Mitstreiters: „Da begannen die Lügen.“

Damals habe er zum ersten Mal einen Austritt aus der SPD in Erwägung gezogen, „aber nach so vielen Jahren fiel der Entschluss dazu nicht leicht.“

Alleine sei er mit seiner Unzufriedenheit aber nicht, berichtet Schinkel und erzählt von wachsendem Unmut innerhalb des Elmshorner SPD-Ortsverbandes. „Ich habe von vielen gehört, dass sie die Bundespolitik nicht mehr mittragen.“


Neue Zukunft – vielleicht bei den Linken

Bis zum Ende des Jahres will Schinkel sich Zeit nehmen und die Geschichte sacken lassen. Vielleicht wird er dann aber wieder in eine Partei eintreten – diesmal bei den Linken. „Ich habe mir das Parteibuch angesehen und finde dort Forderungen, die ich früher bei der SPD gesehen habe.“ Soziale Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheitsversorgung – das seien die Themen, die ihm wichtig seien und bei denen sich seiner Meinung nach mehr bewegen müsse. Mit seiner einstigen Stammpartei hat er abgeschlossen. „Meines Erachtens hat die derzeitige Spitze der SPD nur eines im Kopf: Mit allen Mitteln an der Macht bleiben – selbst wenn sie damit ihre Grundsätze verkaufen.“
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