Aussteiger : „Schiffbrüchiger“ strandet in Elmshorn

Jörn Schäfer wollte bis nach Seester paddeln. Der Schiffsunfall durchkreuzte seine Pläne.
Foto:
1 von 2
Jörn Schäfer wollte bis nach Seester paddeln. Der Schiffsunfall durchkreuzte seine Pläne.

Mit selbst gebautem Paddelboot auf der Elbe gesunken / Jörn Schäfer braucht Hilfe und Unterstützung

shz.de von
05. Januar 2018, 12:00 Uhr

2018 fängt für Jörn Schäfer wirklich nicht gut an. Auf der Elbe sinkt sein selbst gebautes Paddelboot – als ihn die Wasserschutzpolizei in Sicherheit bringen will. In Seester erfährt er wenig später, dass sein Traum vom restaurierten Boot zu platzten droht. Der 45-Jährige strandet am Morgen des 3. Januar in Elmshorn. Als Schiffbrüchiger. Als Obdachloser. Als Mensch, der in dieser Stadt jetzt Hilfe benötigt. „Ich brauche einen Stellplatz, an dem ich an meinem Boot werkeln kann. Ich nehme auch einen Job an, im Bootsbau oder als Imker“, sagt Schäfer.

Der Rauschebart, die Kleidung, dieser Riesenrucksack auf seinen Schultern, aus dem die beiden Paddel steil nach oben ragen, in dem irgendwie sein ganzes – altes – Leben steckt. Schäfer fällt auf im Stadtbild. Dieser Mann versteckt sich nicht, schämt sich nicht. Warum auch? Er weiß, dass er gut eine heiße Dusche gebrauchen kann. Die müffelnden Klamotten wechseln muss. Mehr als zehn Wochen hat Schäfer am Rande der Zivilisation gelebt. In Elmshorn sprechen ihn die Leute an, sind eher neugierig als pikiert. Schäfers Geschichte fasziniert. „Ich habe schon viele freundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt“, sagt er.

Der Leverkusener hat sich ganz bewusst auf den Weg gemacht – auf dem Wasser, in ein neues Leben. „Im September 2017 ist meine Mutter an Krebs gestorben“, beginnt er zu erzählen. Er, der Imker, mit seinem Job und seiner Wohnung in Leverkusen und seinem geregelten Alltag wollte „nach dieser härtesten Erfahrung in meinem Leben“ nicht einfach so weitermachen, nicht in den Alltag zurückkehren. Schäfer steigt aus. Er baut sich sein eigenes Paddelboot kündigt die Wohnung und fährt los. Über den Rhein, den Rhein-Herne-Kanal, den Dortmund-Ems-Kanal und den Mittellandkanal geht es weiter Richtung Elbe, immer in Richtung Norden. „Das war mein Ziel. Ich liebe die Küste“, sagt Schäfer. An Bord hat er Lebensmittel, seine Überlebensausrüstung, ein bisschen Geld – und das alte I-Phone 4s, das ihm einer seiner zwei Brüder zugesteckt hat, damit Jörn den Kontakt zur Familie hält. „Ich werde bald Onkel“, verrät Schäfer. Das Handy nutzt er um auf Ebay in Seester ein 7,50 Meter langes Segelboot zu ersteigern. „Aus dem Jahr 1954. Für 60 Euro.“ Schäfer grinst. Seine trotz der Müdigkeit wachen Augen strahlen. Ein Traum nimmt Gestalt an. Er will das alte Schiff wieder flott machen, auf ihm leben und weiter nach Skandinavien.

Doch seine Paddeltour Richtung Seester endet am 2.  Januar abrupt im Hamburger Hafen. Mehrfach hat ihm die Wasserschutzpolizei schon geholfen, ein Stückcken geschleppt, mit wichtigen Wetterinfos versorgt. Doch an diesem Morgen, als das Funkstreifenboot Elbe 35 das kleine Boot aus der großen Fahrrinne zieht, weil die Strömung viel zu stark ist, bricht die Eigenkonstruktion plötzlich auseinander. „Das Boot ist in drei Teile zerbrochen“, bestätigt ein Sprecher der Hamburger Polizei. Mit Hilfe eines Feuerwehrbootes werden die Wrackteile geborgen.

Jörn ist plötzlich ein „Schiffbrüchiger“. „Das war ein Schock“, sagt der Paddler. Der nächste folgt am Abend in Seester. Ein Polizist aus Hamburg setzt ihn nach Dienstschluss in seinem Privatauto in der Gemeinde ab. Das Boot auf dem Trailer kann Schäfer kaufen. Doch die Halle – wie er hoffte – kann er nicht nutzen.

Nun steht er da, gestrandet in Elmshorn. „Die erste richtige Stadt, die ich seit Leverkusen sehe.“ Die Einsamkeit hat in den zehn Wochen an ihm gezehrt, ihn belastet. Nun ist er zurück in der Zivilisation. Seinen Lebensmut, seinen Optimismus hat er trotz der Rückschläge nicht verloren. Er geht ins Rathaus. Er geht zur Bahnhofsmission. Er sucht eine Übernachtungsmöglichkeit – und er sucht Unterstützung, um diesen Traum vom eigenem Boot, von Skandinavien doch noch zu leben.


>Wer Jörn Schäfer helfen möchte, wendet sich unter der Telefonnummer (0 41 21) 2 97 18 06 oder per Mail an brh@a-beig.de

an die EN-Redaktion. Wir leiten alle Infos an ihn weiter.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen