Schäfer in Sorge: Wolf reißt Deichschaf

Landwirt sieht Weidehaltung gefährdet / Erster Angriff am Deich seit langem

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01. August 2018, 16:18 Uhr

Es ist ein erschreckender Anblick: Mitten auf der Deichkrone am Krückausperrwerk liegt ein totes Mutterschaf, die Kehle herausgerissen, die Wunde voller Blut. „Als ich das gesehen habe, habe ich sofort an einen Wolf gedacht. So gezielt greift kein Hund an“, sagt Simon Stajohann. Dem 30-jährigen Schäfer aus Neuendorf gehörte das tote Schaf.

Der Fall liegt jetzt vier Wochen zurück, inzwischen hat Stajohann Gewissheit: Das Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen, das eine Probe aus der Wunde im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein genetisch untersucht hat, bestätigt, dass sein Schaf von einem Wolf gerissen worden ist. Damit kann Stajohann eine finanzielle Entschädigung beim Land beantragen. Doch es ist nicht der wirtschaftliche Schaden, der ihm Sorgen macht: „Wenn mehr Wölfe kommen, ist die Weidehaltung gefährdet.“

Dass Schafe auf einem Landesschutzdeich gerissen werden, ist extrem selten, sagt Jens Matzen, Koordinator der Wolfsbetreuung in Schleswig-Holstein. „Der letzte Fall liegt ein oder zwei Jahre zurück.“ Normalerweise würden Wölfe die exponierte Lage meiden. Matzen glaubt deshalb nicht, dass Wolfsangriffe auf Schafe auf den Deichen zu einem Problem werden. Dort übernehmen die Schafe eine wichtige Aufgabe im Küstenschutz, indem sie den Deich stabilisieren. Im Gegenzug vermietet das Land die Flächen zu günstigen Konditionen – worauf wiederum die Schäfer angewiesen sind.

Matzen verzeichnet jedes Jahr mehr Wolfssichtungen. „Die Schäfer macht das nervös“, sagt Matzen. Der beste Schutz seien hohe Elektrozäune. Für Schäfer Stajohann keine Lösung: „Einen Deich kann man nicht elektrisch einzäunen.“ Seite 5

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