Ruf nach der Meisterin für Bürgerinnen

Gleichstellung musikalisch: Maria Livaschnikova am Klavier und Kabarettistin Katharina Fast umrahmten den Festakt mit einem vielseitigen Programm.  Foto: OLZ (2)
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Gleichstellung musikalisch: Maria Livaschnikova am Klavier und Kabarettistin Katharina Fast umrahmten den Festakt mit einem vielseitigen Programm. Foto: OLZ (2)

25 Jahre Gleichstellung im Kreis Pinneberg

shz.de von
11. September 2012, 06:41 Uhr

Kreis Pinneberg | Es gab "Quotenmänner". Insgesamt acht. Und damit immerhin etwa 20 Prozent. Gemeinsam mit mehr als 30 Frauen feierten sie in der Drostei das 25-jährige Bestehen des Gleichstellungsbüros bei der Kreisverwaltung.

Der mit Humor gewürzte Charakter des Jubiläums war vielleicht das überzeugendste Zeichen für die Erfolge. Gleichstellung, wenn auch noch nicht in allen Lebensbereichen perfekt, ist ein akzeptiertes Gesellschaftsmodell geworden, an dem weitere Arbeit nötig ist, aber für dessen Anerkennung nicht mehr gekämpft werden muss. Was erreicht worden ist und was auf der Aufgabenliste steht, arbeitete Uta Fölster amüsant und kenntnisreich heraus. Ihren ersten humoristischen Volltreffer landete die Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts mit Sprachkritik: In den meisten Rathäusern im Kreis regiere zwar eine Frau, aber keine sei Bürgerinnenmeisterin. Vor dem Gesetz sei Rechtsgleichheit weitgehend hergestellt, notierte die Rednerin auf der Habenseite. Mängel deckte sie im Alltag auf. Das gelte für die Besetzung unternehmerischer Führungsetagen, aber auch für die Normalbürgerin. Alleinschuld der Männer, die an ererbten Privilegien kleben? Die Richterin urteilte anders. Männern bescheinigte sie, "Meister in Kompetenzsimulation" zu sein und damit bestens befähigt, Karriereleitern zu erklimmen. Frauen neigen ihrer Meinung nach dagegen viel eher dazu, an sich selbst zu zweifeln. Diese weibliche Eigenschaft sei es vor allem, die berufliches Fortkommen hemme. "Strippenziehen" müssten sie üben, empfahl sie.

Petra Thies-Klapp, seit acht Jahren vierte Chefin im 25-jährigen Gleichstellungsbüro des Kreises, gab einen detaillierten Rückblick auf diese erste Einrichtung ihrer Art in Schleswig-Holstein. Kreispräsident Burkhard E. Tiemann überraschte mit der Offenbarung, er sei selbst zeitweilig als Frontfrau bespöttelt worden, als er als CDU-Politiker einziger Mann im Gleichstellungsausschuss war.

Maria Livaschnikova am Klavier und Kabarettistin Katharina Fast umrahmten das Fest mit einem vielseitigen Programm. Für den Beifall bedankte sich die Pianistin ganz altmodisch mit einem Knicks, ehe Fast gemeinsam mit Dr. Theo Klapp eine nicht ganz ernst gemeinte Zukunftsvision aus dem 24. Jahrhundert in die Drostei holte, nämlich die öffentliche Versteigerung des idealen Mannes, der perfekt kocht und putzt und seiner Herrin aus der Hand frisst.

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