zur Navigation springen

Selbsthilfe : Restless-Legs-Syndrom: Wenn die Beine zucken

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Jürgen Schmidt aus Elmshorn gründet eine Gruppe für Betroffene

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2017 | 17:30 Uhr

Elmshorn | „Stellen Sie sich vor, Sie würden in eine Zelle gesperrt und alle paar Minuten aufgeweckt. Genauso fühlt sich diese Krankheit an.“ Jürgen Schmidt (Foto) spricht vom Restless-Legs-Syndrom, einer neurologischen Erkrankung, unter der zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung leiden – insbesondere Frauen ab 40 Jahren. Bei diesem Syndrom der ruhelosen Beine – so die Übersetzung aus dem Englischen – halten Zuckungen in Beinen und Armen im Ruhezustand die Betroffenen vom Schlafen ab.

„Das schlimmste ist, dass es eine sehr einsame Krankheit ist“, erklärt Schmidt, der seit zehn Jahren selbst vom Restless-Legs-Syndrom (RLS) betroffen ist. „Man wacht alle paar Minuten durch die Zuckungen auf, steht auf und läuft alleine und verzweifelt durch die Wohnung – und das Nacht für Nacht. Außenstehende können gar nicht nachvollziehen, wie schrecklich das ist.“ Die Krankheit kann vererbt werden, tritt aber auch als Folge organischer Störungen auf. RLS ist chronisch, die Symptome können jedoch mit Hilfe von Medikamenten gelindert werden. Die richtige Medikation ist allerdings nicht immer ganz einfach.

Jürgen Schmidt will Betroffenen des RLS jetzt auch den persönlichen Austausch ermöglichen. Er hat eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich am Mittwoch, 29. November, zum ersten Mal zwischen 15 und 18 Uhr in der fünften Etage des Flora Zentrums, Schulstraße 50 in Elmshorn, trifft. Anmeldungen nimmt er unter (0 41 21) 26 97 60 oder Juka.Schmidt@online.de entgegen.

Genau aus diesem Grund ist Schmidt seit einigen Jahren für die Betroffenen da. Der 75-jährige Elmshorner berät im Auftrag der Deutschen Restless Legs Vereinigung am Telefon Menschen, die an der Krankheit leiden. Schmidt ist kein Arzt, der Rentner berichtet Betroffenen aus den Kreisen Steinburg, Pinneberg und Segeberg von seinen eigenen Erfahrungen und welche Ärzte sich mit der Materie gut auskennen.

Jürgen Schmidt (75) will Betroffenen helfen.

Jürgen Schmidt (75) will Betroffenen helfen.

Foto: EN

„Ich habe das Gefühl, dass viele Ärzte nicht mit den Auswirkungen vertraut sind, die diese Krankheit auf die Psyche hat, unter welcher Folter die Betroffenen stehen“, sagt Schmidt. Reichten zu Beginn noch relativ schwache Medikamente aus, um die Symtome zu bekämpfen, seien die Betroffenen mit der Zeit auf immer stärkere Mittel angewiesen.

 „Als bei mir irgendwann gar nichts mehr ging bin ich in eine Schlafklinik gegangen“, erzählt Schmidt. „Dort wurden mir am Ende starke Opiate verschrieben. Seitdem kann ich wieder durchschlafen. Probleme mit Abhängigkeiten habe ich nicht.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen