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Repair-Café in Elmshorn : Reparieren statt wegschmeißen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

20 ehrenamtliche Helfer versuchen im Repair-Café kaputte Garten- und Haushaltsgeräte wieder in Gang zu bringen.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2015 | 16:09 Uhr

Elmshorn | „Ich habe die zu Hause nicht abgekriegt.“ Mit Öl hat Maike Schacht versucht, die alten Handgriffe von ihrem Fahrradlenker zu entfernen, aber es hat nicht funktioniert. Jetzt hat sie ihr gelbes Rad und die neuen Handgriffe mit ins Elmshorner Kranhaus genommen und steht dort vor Uwe Jakobsen. Der Elmshorner betrieb früher einen Fahrradverleih auf Sylt, jetzt bietet er seine Fachkenntnisse ehrenamtlich im Repair-Café an, wo gegen eine Spende kaputte Geräte wieder instand gesetzt werden. Jakobsen macht kurzen Prozess: Mit einem Cutter schneidet er die alten Griffe auf, zieht sie ab und schiebt die neuen auf die Lenkstange. „Das war super“, freut sich Maike Schacht. Sie stellt ihr Rad ab und hofft auf weitere Hilfe: „Jetzt mal gucken, ob meine Kaffeemaschine auch gerettet wird.“

Nach der Winterpause hat das Elmshorner Repair-Café jetzt wieder geöffnet. Aus einem Pool von rund 20 ehrenamtlichen Helfern stellt Organisatorin Yvette Karro alle zwei Monate ein Team zusammen, das sich um kaputte Staubsauger, Radios, Garten- oder Haushaltsgeräte kümmert. Die meisten Reparaturanfragen betreffen elektrische oder elektronische Geräte, erzählt Karro. Fürs elektrische steht ein großer Tisch bereit, an dem vier Ehrenamtler schrauben und messen: Ein Staubsaugermotor jault, ein Radio quäkt. In einer kleinen Schlange stehen Elmshorner davor mit Taschen, in denen sie ihre defekten Apparate mitgebracht haben. Christa Rehder aus Heede hat ihre Kaffeemaschine dabei, die gab kurz nach Ablauf der Garantie ihren Geist auf. Sie hat schon selbst versucht, sie zu reparieren: „Ich habe es nicht geschafft.“ Die Zeitung brachte sie auf die Idee, es im Repair-Café zu probieren.

„Das Interesse ist nach wie vor groß“, resümiert Karro. Zehn Minuten nach der Öffnung des Cafés hat sich auch bei der Anmeldung eine Schlange gebildet, der Durchschnitt von 40 Anfragen pro Termin wird heute wohl übertroffen. Das Reparieren kostet eine Spende, Ratschläge gibt es kostenlos obendrauf: „Die Leute sollen angeleitet werden“, erklärt Karro die Idee des Repair-Cafés: „Die Ehrenamtler tun es mit unterschiedlicher Intensität.“

Axel Jäger hat zwei Plüschfiguren mit Musikinstrumenten mitgebracht. Die eine musiziert, und eigentlich soll die andere auf die Töne reagieren und einfallen, aber das tut sie nicht. „Wir hatte vor einem Jahr schon mal so einen Vogel hier, da waren keine Batterien drin“, murmelt Albrecht von Reibnitz beim Blick unter den Fuß der Figur. Batterien sind eingelegt, weiter kommt der Seestermüher aber nicht: „Ich setze Hoffnungen auf den Nachbarn.“ Der Nachbar, das ist Puppendoktor Claus Lühmann aus Pinneberg. „Bin ich hier richtig mit meinem Dampfbügeleisen?'“, unterbricht eine Frau die Überlegungen. Axel Jäger zieht mit seinen Figuren weiter an den Nachbartisch, von Reibnitz widmet sich den hartnäckigen Schrauben in der Dampfstation des Bügeleisens, die keinen Dampf produziert. Seit einem Jahr ist das Gerät kaputt, in der Zeitung las seine Besitzerin Barbara aus Elmshorn vom Repair-Café: „Ich dachte, ich versuche das mal, bevor ich es wegschmeiße.“ Das Bügeleisen in eine Werkstatt zu geben, ist für sie keine Option: „Das lohnt sich heute gar nicht mehr.“

Fünf Termine im vergangenen Jahr

Fünf Repair-Café-Termine hat Yvette Karro im vergangenen Jahr organisiert. Die ursprünglich holländische Idee, gemeinsam zu reparieren statt wegzuschmeißen, hat sich seitdem weiter verbreitet: „Als wir anfingen, gab es in Hamburg nur ein Repair-Café“, inzwischen seien es fünf oder sechs in der Hansestadt und auch in Pinneberg wurde eins eröffnet. Im Juni soll es ein Netzwerktreffen der Repair-Cafés geben, ein gemeinsamer Flyer ist in Vorbereitung.

Axel Jäger muss heute ohne reparierte Musik-Puppe nach Hause gehen, auch Puppendoktor Lühmann konnte nicht helfen: Die Figur ist verklebt, an die Innereien kommt er nicht heran. „Das war schon fast klar“, meint Jäger. Auch Lühmann nimmt den Fehlschlag sportlich: „Zwei habe ich geschafft, einen nicht: Noch bin ich im Plus“, fasst er die erste Stunde seines heutigen Einsatzes zusammen.

Die nächsten Termine im Kranhaus, Schlossstraße 8: An jedem zweiten Sonnabend im geraden Monat von 10 bis 13 Uhr: 13. Juni, 8. August, 10. Oktober und 12. Dezember.
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