Demonstration in Elmshorn : Reichtum als Normalität gut getarnt

Zogen einmal quer durch die Elmshorner Innenstadt: Mitglieder der Gewerkschaft.
Zogen einmal quer durch die Elmshorner Innenstadt: Mitglieder der Gewerkschaft.

IGM Unterelbe macht mit einer Rallye in Elmshorn auf die Armutssituation in Deutschland aufmerksam.

shz.de von
08. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Elmshorn | Mit einer etwa zweistündigen Rallye unter dem Motto „Armut und Reichtum in Elmshorn“ versuchten gestern mehrere Mitglieder der IG Metall Unterelbe innerhalb der Krückaustadt das Interesse der Bürger auf den Straßen, die sie durchquerten – der Kurs führte vom Wedenkamp aus über mehrere Stationen bis zum Rathaus –, zu wecken. An der ersten Station der Rallye, beim Aldi-Markt am Wedenkamp, formulierte ein Sprecher: „Als wir, der Seniorenausschuss IGM Unterelbe, dieses Aktion planten, waren die Haltestetellen der Armut schnell gefunden. Beim Reichtum war es schon schwieriger. Der existiert gut getarnt als Normalität in der Gesellschaft.“

Hintergrund der Aktion und dieser deutlichen Aussage bot die gegenwärtige Armutssituation in Deutschland, die sich laut einer Presseinformation der IG Metall Unterelbe wie folgt darstellt: „13 Millionen Menschen in Deutschland sind arm, 2.435 Kinder haben in 2016 staatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt benötigt, das sind 27,2 Prozent aller in Elmshorn lebenden Kinder.“

Klare Aussagen vor dem Aldi-Markt am Wedenkamp.
Ulf Marek
Klare Aussagen vor dem Aldi-Markt am Wedenkamp.
 

Deutschland gehöre zu den reichsten Ländern der Welt und habe ein sehr ausgeprägtes Sozialsystem und sei die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, doch die Armut in Deutschland habe einen neuen Höchststand erreicht. „Die Armutsquote lag im Jahr 2015 bei 15,7 Prozent, rein rechnerisch lebten damit rund 12,9 Millionen Menschen unterhalb der Einkommensarmutsgrenze. In Schleswig-Holstein sieht es keineswegs besser aus.

Etwa 420.000 Menschen im Norden lebten im Jahr 2015 unterhalb der Einkommensarmutsgrenze“, erläuterte Hans-Jürgen Nestmann vom AK Senioren der IG Metall Unterelbe. Ein Jobwunder gäbe es auch in Schleswig-Holstein nicht.

„Um die alarmierenden Zahlen der Erwerbslosen zu schönen, wurde in Schleswig-Holstein etwa 3.000 Erwerbslose aus den Statistiken rausgerechnet, welch ein Skandal. Dies ist eine skandalöse und menschenunwürdige Situation, nicht nur in Schleswig-Holstein, nein auch in der gesamten Republik“, so Nestmann.

69 Millionäre im Kreis Pinneberg

Im Wahljahr 2017 brauchte man eben keine negativen Schlagzeilen, „aber wie stehen die Parteien nun zur Armut – insbesondere zur Kinderarmut und Altersamt?“, fragte er. „Im Kreis Pinneberg leben auf 10 000 Einwohner 2,8 Millionäre, also insgesamt 69. Das Durchschnittseinkommen der abhängig Beschäftigten ist seit 2007 in Schleswig-Holstein um 3,7 Prozent gestiegen, auf 32.248 Euro, die Hälfte der Steuerpflichtigen konnte nicht profitieren, ihr Einkommen lag bei höchstens 23.173 Euro.“ Über diese Entwicklung und über die Möglichkeiten der Veränderung zu informieren, sei er Zweck der Rallye gewesen.

„Ich bin der Überzeugung, dass die Armutsbekämpfung in Deutschland allen Schichten helfen würde. Klassengesellschaften und die Spaltung zwischen Arm und Reich führen dazu, dass es zu einer Trennung im deutschen Volk kommt. Um dies zu verhindern, muss die Politik die Armut stärker bekämpfen“, so Nestmann.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen