Neue Verordnung : Rechtsanwalt klärt auf: Das ist bei einem Umzug während der Corona-Krise noch erlaubt

Bin ich bei einem Umzug auf mich alleine gestellt? Während der Coronakrise gelten auch bei einem Wohnungswechsel verschärfte Bedingungen.
Bin ich bei einem Umzug auf mich alleine gestellt? Während der Coronakrise gelten auch bei einem Wohnungswechsel verschärfte Bedingungen.

Der Elmshorner Rechtsanwalt Niklas Neuendorf erklärt, was bei einem Wohnungswechsel zu bedenken ist und gibt Tipps.

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09. April 2020, 18:00 Uhr

Pinneberg | Ist die Wohnung erst einmal gekündigt, nehmen die Dinge ihren Lauf. Entrümpeln, ausmisten, Kartons packen, Einrichtung auseinander nehmen. Hat man die wochenlange Vorarbeit dann endlich hinter sich, geht der Spaß erst richtig los.

Will man seine alte Wohnung leer räumen und in die neuen vier Wände einziehen, kann man oft gar nicht genug helfende Hände gebrauchen. So ein Umzug ist schließlich ein echter Kraftakt.

Hilfe von einer fremden Person ist erlaubt

Doch darf ich mir in Zeiten von Kontaktverboten und Mindestabständen überhaupt noch Hilfe holen? Die Antwort ist klar geregelt, wie der Elmshorner Rechtsanwalt Niklas Neuendorf erklärt. „Bei einem Umzug kann eine fremde Person mitwirken oder alle weiteren Personen aus dem eigenen Haushalt. Beides zusammen ist aber nicht erlaubt“, so der Experte für Mietrecht, der sich auf die erst Anfang April verabschiedete neue Verordnung der Landesregierung in Schleswig-Holstein bezieht.

Beauftragt man ein Unternehmen, darf man beim Umzug nicht anwesend sein Niklas Neuendorf, Rechtsanwalt aus Elmshorn
 

Ist man in dieser Konstellation den Herausforderungen des Umzugs nicht gewachsen, so bliebe aber zumindest noch die Möglichkeit, sich externe Hilfe zu organisieren. Beauftragt man ein Umzugsunternehmen, muss man jedoch enorme Einschränkungen in Kauf nehmen.

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Der ganze Ablauf hat nämlich kontaktlos vonstatten zu gehen, die Schlüssel für die Wohnung müsse man dem Dienstleiter beispielsweise in dessen Briefkasten hinterlegen. „Im Klartext heißt das, man darf beim Umzug gar nicht anwesend sein. Da ist natürlich ein gewisser Vertrauensvorschuss nötig“, gibt Neuendorf zu bedenken.

Bei Zahlungsrückstand: Kündigung soll ausgesetzt werden

Die Corona-Krise hat für viele auch finanzielle Einbußen zur Folge. Ist man zum Beispiel aufgrund von Kurzarbeit nicht mehr in der Lage, seine Miete zu bezahlen, soll das für einen bestimmten Zeitraum kein Kündigungsgrund mehr sein. So will die Landesregierung in Schleswig-Holstein eine Gesetzesgrundlage schaffen, dass Mietern bei entstandenen Zahlungsrückständen von April bis Ende Juni nicht gekündigt werden darf. „Geplant ist, dass man diese Mietschulden über zwei Jahre abbauen kann“, erklärt der Elmshorner Rechtsanwalt Niklas Neuendorf. Erst ab Juli 2022 soll demnach wieder eine Kündigung wegen Zahlungsrückständen aus dem besagten Zeitraum möglich sein. Meldet der Vermieter jedoch Eigenbedarf aus triftigen Gründen an, so soll er auch in der Corona-Krise weiter kündigen dürfen. jal

 

Entstehen beim Transport Schäden an der Einrichtung oder der Wohnung, hat man grundsätzlich Anspruch auf Erstattung. Zum Problemfaktor könnte da aber schnell die Beweisbarkeit werden. Rechtsanwalt Neuendorf empfiehlt: „Wertvolle Gegenstände sollte man vorher fotografieren. Dann ist man auf der sicheren Seite.“

Klassische Besichtigungen sind „absolut ausgeschlossen“

Ein heikles Thema beim Stichwort Wohnungswechsel ist zudem die Frage der Nachvermietung. Klassische Besichtigungstermine mit mehreren Interessenten seien jedenfalls „absolut ausgeschlossen“, wie Neuendorf betont. Im Grunde könne nur eine Person zur Zeit die Wohnung betreten, Makler oder Hausmeister müssten draußen warten. „Man kann dem Mieter aber auch nicht zumuten, dass unendlich viele Leute in seine Wohnung reingelassen werden“, sagt Neuendorf.

Neuendorf wirbt für den virtuellen Wohnungsrundgang

Die Frage bei einer Neuvermietung sei zudem, ob eine Besichtigung vor Ort zwingend notwendig ist. Als Alternativmöglichkeit könne man zum Beispiel auch virtuelle Führungen durch die Wohnung anbieten – sofern sich der Mieter nicht in seiner Privatsphäre verletzt fühlt. „Ein Makler macht Fotos von der Wohnung und stellt dann eine 360-Grad-Besichtigung ins Internet. Das wäre wünschenswert“, so der Elmshorner Rechtsanwalt.

In Zeiten der Corona-Krise sind eben kreative Lösungen gefragt, um seine Interessen zu wahren.

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