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Elmshorner Nachrichten

17. Oktober 2017 | 04:43 Uhr

Radverleih scheitert an Politik

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Abgeblitzt Konzept der Stadt überzeugt nicht

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2017 | 17:15 Uhr

„Bei einer Förderquote von 70 Prozent setzt bei einigen der Verstand aus. Das ist Steuergeld, das wir verbrennen.“ CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt fand deutliche Worte – und stand mit seiner Meinung in der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für kommunale Dienstleister und Stadtentwicklung wahrlich nicht allein. Das von der Verwaltung vorgeschlagene Fahrradverleihsystem fiel in der Politik – erstmal – mit Pauken und Trompeten durch. Beerdigt wurde es noch nicht. Auf Wunsch der SPD wird jetzt noch einmal in den Fraktionen beraten.

Im Zuge des Gesamtprojektes „Eselsbrücke“ ist der Fahrradverleih ein zentrales Teilprojekt. Die Stadt wollte für 96  000 Euro 45 Räder – darunter auch Pedelacs und Lastenräder – sowie Material wie Akkus und Chipleser anschaffen. Der Eigenanteil der Stadt liegt bei 28  800 Euro. Der Rest würde vom Bund finanziert werden. Der Plan der Stadt sieht vor, dass die Brücke Elmshorn als Dienstleister das Verleihgeschäft am Elmshorner Bahnhof organisiert. Von dort aus können die Kunden per Rad ins Gewerbegebiet Grauer Esel fahren. Betreiber sollen die Stadtwerke Elmshorn werden. Doch von dem Unternehmen gibt es laut Neufeldt überhaupt noch keine feste Zusage diese Aufgabe – und damit auch die Kosten für den Betrieb – zu übernehmen. Nicht die einzige Ungereimtheit in dem von der Verwaltung vorgelegten Konzept. FDP-Mann Jens Petersen äußerte grundsätzliche Zweifel daran, ob ein solcher Radverleih überhaupt Aufgabe der Stadt sei. „Ihren Arbeitsweg mit Rad können die Menschen auch in Eigenverantwortung organisieren.“

„Sinnfrei“, die Bewertung von Kai-Olaf Wolf (SPD) fiel deutlich aus. 45 Räder für fast 100  000 Euro: Selbst die Grünen hatten Zweifel, ob diese Relation stimmig ist. Die Grünen kritisierten, dass nur 45 Radler von diesem Angebot profitieren können. „Das gibt ganz viele lange Gesichter bei denen, die leer ausgehen“, sagte Jens Hermann von den Grünen.

Es kam sogar der Alternativvorschlag auf, für die 100  000 Euro so viel günstige Räder wie möglich zu kaufen und sie unter das Volk der Auto- und Bahnpendler zu bringen.

Fakt ist: Die Politik steht zu dem Großprojekt „Eselsbrücke“ – und es ist auch nicht gefährdet, wenn sich die Politik am Ende gegen das Fahrradverleihsystem entscheidet. In den kommenden drei Jahren werden in Elmshorn zirka 960  000 Euro in das Projekt investiert. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Vorhaben mit 670    000 Euro. Insgesamt sind 18 Vorhaben geplant. Ziel: den Radverkehr in der Stadt stärken und Kohlendioxid einsparen. Das wollen alle Parteien.

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