Putzende Partnerin aus Plastik

Eindeutiges Rollenverständnis:  1976 gehörten Handfeger , Eimer, Teppichklopfer, Fegeblech und Besen zur Playmobil-Frau.   en 
Eindeutiges Rollenverständnis: 1976 gehörten Handfeger , Eimer, Teppichklopfer, Fegeblech und Besen zur Playmobil-Frau. en 

objekt des Monats Hausfrau erste weibliche Playmobilfigur / Ausstellung „Alles rosa, alles blau?!“im Industriemuseum

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25. März 2017, 16:19 Uhr

Auf der Nürnberger Spielzeugmesse 1974 stellte die Firma geobra Brandstätter aus dem fränkischen Zirndorf erstmals ihre neueste Erfindung vor: 7,5 cm große, bunte Kunststofffiguren mit beweglichen Armen und Beinen, Greifhänden, austauschbarem Zubehör und lächelnden Gesichtern. Weil die Figuren zusammengesteckt beziehungsweise zusammengeklickt werden konnten, hießen sie Klicky. Als Aufstellfiguren, mit denen verschiedene Szenen nachgespielt werden konnten, standen sie in der Tradition der Zinn-, Holz- und Massefiguren. Neu waren jedoch ihre Beweglichkeit und das auswechselbare Zubehör.

Es war der Beginn einer weltweiten Erfolgsgeschichte. Gezielt als Systemspielzeug entwickelt, verhilft Playmobil seinem Hersteller bis heute zu millionenschweren Umsätzen. Die kleinen Figuren gibt es inzwischen in unzähligen Ausführungen mit kaum überschaubarem Zubehör.

Im Jahr 1974 startete Playmobil zunächst mit drei Themenserien. Der Ritter stand für die historischen Lebenswelten, der Indianer für andere Kulturen und der Bauarbeiter bildete die Gegenwart ab. In der Gestaltung noch sehr schlicht, unterschieden sich diese drei Playmobil-Männchen vor allem durch ihr Zubehör.

Die erste weibliche Figur kam 1976 auf den Markt, erkennbar an den halblangen Haaren und dem ausgestellten Kleid. Ein Busen als äußeres Merkmal folgte erst 1987. Vor allem aber verriet die weitere Ausstattung der Playmobil-Frau ihr Geschlecht: Sie trug ein Kopftuch, hielt in der einen Hand einen Staubsauger, in der anderen einen Handfeger und verfügte über Eimer, Teppichklopfer, Fegeblech und Besen als zusätzliches Zubehör. Ganz im Sinne des traditionellen Familienbildes erhielten die ritterlichen Kämpfer und zupackenden Bauarbeiter damit eine fleißige Hausfrau und Raumpflegerin zur Seite gestellt. Mit den ersten Kinderfiguren 1981 war die Playmobil-Kernfamilie komplett.

Während die 68er-Proteste und die neue Frauenbewegung das alte Familienbild grundsätzlich in Frage stellten und dessen Rollenmuster allmählich aufbrachen, spiegelte Playmobil bis in die 1980er Jahre überwiegend traditionelle Geschlechterrollen wider. Zwar richtete sich das Spielzeug an Jungen und Mädchen gleichermaßen, doch nahmen die weiblichen Figuren überwiegend klassische Rollen wie Mutter, Hausfrau und Hausangestellte ein.

Heute zeigt sich dieses Angebot erheblich erweitert. In der Playmobilwelt gibt es zum Beispiel auch Polizistinnen, Agentinnen, Handwerkerinnen oder Piratinnen. Dennoch dominieren zurzeit wieder klassische Rollenbilder. So richten sich aktuelle Playmobil-Angebote insbesondere mit Beautysalons, Einkaufscentern und Prinzessinnenschlössern an Mädchen. Vielfach ist dieses Spielzeug in Rosa und Lila gehalten. Und auch die Hausfrau – inzwischen mit modernisiertem Zubehör – ist weiterhin präsent.

Mehr zur Entwicklung von Spielzeug und Mädchen- und Jungenwelten zwischen 1900 und heute erfahren Besucher in der neuen Sonderausstellung „Alles rosa, alles blau?!“ Kinderwelten gestern und heute“ im Industriemuseum Elmshorn. Die Ausstellung wird am Sonntag, 2. April, um 11 Uhr eröffnet und ist bis zum 3. Dezember zu sehen. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.

industriemuseum-elmshorn.de


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