zur Navigation springen

Dittchenbühne : Punktlandung mit russischer „Möwe“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Premieren-Publikum in der Elmshorner Dittchenbühne war begeistert: Vilija Neufeldt hat Anton Tschechows Stück als ihr Regie-Debüt inszeniert.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Mit lang anhaltendem Beifall haben die Premieren-Gäste die Darsteller der Dittchenbühne für ihre fantastische schauspielerische Leistung belohnt. Sie zeigten am Freitagabend Anton Tschechows „Möwe“ in einer Neuinszenierung von Vilija Neufeldt. Die Komödie, hinter der sich in Wirklichkeit nicht nur eine, sondern viele Tragödien verstecken, und die es Schauspielern wie Zuschauern nicht immer leicht macht, wurde so zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte der Dittchenbühne – und damit auch des Theaterlebens in Elmshorn.

„Wer bin ich – und was bin ich?“ Diese Frage, die sich eine der handelnden Personen in einem der vielen selbstquälerischen Gespräche stellt, aus denen sich das Stück zusammensetzt, ist eine der zentralen Problemstellungen der Tragikomödie Tschechows. Alle Figuren erstreben ihr ganz persönliches Glück – ob als Dichter oder als Schauspielerin, ob als Sohn oder als Mutter, ob im Beruf oder in der Liebe. Und alle Figuren scheitern letztlich und erreichen ihre Ziele nicht wirklich. Hauptprotagonist Treplew etwa wird zwar als Schriftsteller berühmt, muss sich aber sein Scheitern als Mensch eingestehen und erschießt sich. Der Knall der Schusswaffe – das letzte, was auf der Bühne zu hören ist – wird zum Fanal lauter gescheiterter Biografien.

In Tschechows Stück drehen sich die Gespräche immer wieder um das Theater, um seine Erneuerung, um Formen und Inhalte. Das hat durchaus einen biografischen Bezug zu dem Dichter: Die „Möwe“ wurde zu einem Manifest des neuen russischen Theaters. Das kundige Premieren-Publikum der Dittchenbühne ging auch bei den nicht einfachen Passagen dieses Schauspiels mit. Insgesamt stellt diese anspruchsvolle Inszenierung eine Möglichkeit da, dass die Dittchenbühne neue Zuschauerkreise gewinnen kann.

Einer der Hauptideen der Inszenierung: Die Bühne spiegelt in ihrem Aufbau den Zuschauerraum – so dass sich die Zuschauer durchaus selbst als Agierende fühlen können und sich mit der Frage konfrontiert sehen: Handle nicht auch ich so wie die da auf der Bühne? Geschickt eingesetzte Modernismen – wie ein Kofferradio, die vielen Schreibmaschinen auf der Bühne und auch die Kostüme – verstärken diesen Eindruck.

Die Leistung der Darsteller riss die Zuschauer mit. Wahagn Ajdinjan als Kosta und Femke Marsch als Nina bekamen einen besonders großen Applaus, aber auch alle anderen wurden gefeiert. Ebenso gab es Beifall für die vielen Helfer hinter und vor der Bühne – und natürlich für Vilija Neufeldt, die für die grandiose Inszenierung verantwortlich ist.

Zahlreiche Ehrengäste waren zu der Premiere gekommen, die verbunden war mit der Feier des 70. Geburtstags von Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt. So waren unter anderem Arturas Schulzas, Vizebürgermeister von Memel, Kreispräsident Burkhard E. Tiemann, Schriftsteller Arno Surminski und der Landtagsabgeordneter Peter Lehnert in Elmshorn.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen