Vatertag in Kollmar : Prost: Party mit Bier und Bollerwagen

Kollmaraner Tradition: Feiern im Sand mit großen selbstgezimmerten Bollerwagen.
Kollmaraner Tradition: Feiern im Sand mit großen selbstgezimmerten Bollerwagen.

Tausende feiern feucht-fröhlich am Elbdeich.

shz.de von
15. Mai 2015, 16:00 Uhr

Kollmar | Schon die Anfahrt macht deutlich, dass an diesem Tag in Kollmar etwas Besonderes los ist: In den Dörfern der Umgebung haben Anwohner Schubkarren fürs Leergut an die Straße gestellt, die Straße von Gehlensiel zum Kreisel Haarsmühle ist in ganzer Breite von einem Geschwader mit Fahrrädern, Bollerwagen und zu Fuß eingenommen, vielleicht 60, 70 junge Leute ziehen biertrinkend gen Hafen.

Am Vatertag ist der Kollmaraner Hafen traditionelles Ausflugsziel. „Die Väter kamen schon immer her“, das hat Lia aus Seester von ihrem Vater erfahren. Die junge Frau ist mit drei Freundinnen per Fahrrad gekommen, seit sechs Jahren macht sie an Himmelfahrt diese Tour, mal über die Kronsnester Fähre, mal übers Sperrwerk. Alle wollen zum Hafen, und dafür müssen sie alle durch die enge Stöpe. Zwei Autos können sich dort nicht begegnen, wenn dann auch noch Motorräder, Bollerwagen und Fußgänger drängeln, wird es dort richtig eng. Zudem sind die Toiletten gleich hinter der Stöpe, vor denen hängt ständig eine Menschentraube; ein paar Schritte weiter ist der ohnehin schmale Bürgersteig noch mit Cafétischen belegt.

Zur Pflicht eines jeden Bollerwagen-Teams gehört es, den Einzug durch die Stöpe mit lauter Musik kund zu tun. Florian aus Neuendorf, Tim aus Elmshorn und Morten aus Kiebitzreihe sind mit einem relativ kleinen Gefährt unterwegs, Tim hat sich einen Gurt um den Bauch gebunden und zieht den kleinen Wagen. Darauf ist eine Musikanlage mit großen Lautsprechern befestigt, ein Grill mit ausgeglühter Kohle und die Getränkevorräte. Dreieinhalb Stunden haben die jungen Männer für den Fußmarsch von Neuendorf gebraucht: „Wir haben unterwegs gegrillt“, erklärt Tim. Zu dritt wuchten sie den Wagen den Deich hoch, dort soll der Grill neu entfacht werden: „Die Basis schaffen, um den Rückweg zu bewältigen“, sagt Tim: „Trinken mit Niveau“. „Hier trifft man Freunde und Bekannte, Leute, die man seit Jahren nicht gesehen hat“, das gefällt Florian in Kollmar. „Hier ist was los“, lobt Morten. „Schön ist es hier auch“, findet Tim.

Die Mole, der schmale Strand, der Spielplatz, das Gelände des Paddelvereins: Überall plärrt Musik, gehen, stehen, sitzen, liegen junge Leute, überall wird getrunken. Eine Feier findet auf einem Boot am Steg statt Die DLRG ist mit vielen Freiwilligen vor Ort, die Polizei zeigt Präsenz mit einem Streifenwagen am Deichfuß und einer sechsköpfigen Streife in martialischem Schwarz. Am frühen Nachmittag ist es noch ruhig.

Die Wiese vor dem Deich ist kostenpflichtiger Parkplatz, auf den Holzbänken vor der Fischbude sitzen viele Motorradfahrer in schwarz. Die Kollmaraner Biker vom MC 84 sind mit einem Prachtexemplar von Bollerwagen einmarschiert: Der Dachfirst ist gute zweieinhalb Meter über dem Boden, fünf Kornflaschen sind zum Zapfen aufgereiht, in den Tiefen des riesigen Gefährts schnurrt ein Generator, den die Musik allerdings mühelos übertönt.

Auf dem Spielplatz nutzen einige Väter Himmelfahrt tatsächlich als Familientag, sie spielen mit ihren Kindern. Ein paar Familien sind unterwegs, viele Schaulustige sind gekommen, um den jungen Männern beim Feiern zuzugucken. „Mal gucken, was hier noch so abgeht“, sagt Monique aus Itzehoe. Sie sitzt mit Christina aus Kollmar auf einer Bank auf dem Deich und hat den Überblick: „Wir haben frei, feiern wir mal mit.“

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