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Elmshorn / Itzehoe : Projekt soll helfen mit Trauer umzugehen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Projekt „Monjala“ der Diakonie Rantzau-Münsterdorf wird von der „Aktion Mensch“ gefördert.

Elmshorn | „Monjala“ ist ein Kunstwort und eine eigene Wortkreation. Monjala steht für den individuellen Weg eines trauernden Menschen, der versucht, dem Schmerz zu begegnen und sein Leben mit dem Verlust einer geliebten Person neu zu gestalten. Dieses Bemühen behutsam mit realer Hilfestellung umzusetzen, ist das Bestreben von Sandra Köster und Karina Brandenburg. Ausgebildet in der Trauerbegleitung sowie als systemische Familienberaterinnen, betreuen die beiden Mitarbeiterinnen der Diakonie Rantzau-Münsterdorf seit Anfang des Jahres das von der „Aktion Mensch“ geförderte Projekt.

Sandra Köster (32) ist vielen Elmshornern durch ihre langjährige Mitarbeit in der Thomaskirche bekannt, wo sie als Jugendwartin unter anderem Konfirmanden-Freizeiten begleitete. Sie ließ sich zur Sozialpädagogin und Diakonin ausbilden und schrieb ihre Abschlussarbeit zum Thema „Kinder und Jugendliche begegnen Tod und Trauer“. „Während meines Studiums habe ich in einem Hamburger Hospiz gearbeitet“, erzählt die Elmshornerin, zusätzlich engagierte sie sich in einem Verbund „verwaister Eltern und Geschwister Hamburg e.V.“ und sammelte Erfahrungen im Problemfeld um suizidgefährdete Kinder. „Ich wollte so eine Arbeit schon immer gern machen“, erklärt Köster. Und so war sie maßgeblich an der Entstehung des Projektes Monjala beteiligt. Sie erinnert sich noch genau an einen „Kreativtag im Garten“, bei dem sie mit Kollegen Ideen für ein „Trauerhaus“ entwickelte, überlegte, was für Angebote und welche Methoden sinnvoll sein könnten. „Wir entwarfen das inhaltliche Gerüst und ich habe ein Konzept für Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche geschrieben“, erklärt sie.

Um von der „Aktion Mensch“ gefördert zu werden, musste es zwar an deren Bedingungen angepasst werden, doch herausgekommen ist ein sehr weit gefächertes Angebot der Hilfe. „Monjala bietet Raum, um Trauer auszudrücken und zu lernen, mit ihr umzugehen. Eltern, nahe Angehörige oder Erzieher werden ganz bewusst mit einbezogen, da sie als Bezugspersonen Kindern eher Halt geben können als fremde Personen. Angebote wie Gespräche, Malen, Werken, Musizieren oder Entspannungsübungen sollen Jugendliche unterstützen, wieder Lebensmut zu bekommen. „Wir basteln Erinnerungskisten, in der kleine Andenken an den Verstorbenen aufbewahrt werden können, ermutigen sie, in einem Buch gemeinsame Erlebnisse aufzuschreiben oder die Lieblingskleidung des Verstorbenen zu neuen Dingen zu vernähen“, erklärt Karina Brandenburg. Sie weiß, dass wenn Trauer bei Jugendlichen nicht verarbeitet wird, kann es im Erwachsenenalter zu Depressionen führen.

Die verheiratete Sozialpädagogin arbeitete nach ihrem Studium in Kiel fünf Jahre in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, bevor sie sich bei der Diakonie des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf bewarb und mehrere Jahre in Barmstedt in der Erziehungsberatung mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarbeit tätig war. Über eine Schwangere, die eine Totgeburt betrauerte, kam sie mit Sandra Köster in Kontakt. Seit Anfang des Jahres arbeiten beide gemeinsam für das Projekt Monjala.

Ihr Standort ist Itzehoe, doch zuständig ist das Team für die Kreise Pinneberg und Steinburg. Zurzeit sind sie dabei, ihr Projekt bekannt zu machen und reisen viel. Sie stellen Monjala in Arbeitsgemeinschaften und Ausschüssen vor, bieten Erzieherfortbildungen und Infoveranstaltungen einschließlich eines Trauercafés an, bilden Multiplikatoren aus, begleiten Konfirmanden- und Schulprojekte und vernetzen sich mit Ämtern und Behörden. Hat die Arbeit mit Trauernden die beiden verändert? „Ich bin durch mein Leben zu dieser Arbeit gekommen“, erklärt Sandra Köster. Sie habe als 14-Jährige erlebt, dass das Sterben von wichtigen Bezugspersonen viele verstummen lässt und sich Einsamkeit breit macht. „Ich möchte trauernden Kinder und Jugendlichen andere Erfahrungen ermöglichen, denn es gibt heutzutage viele Wege der Trauerbewältigung.“ Karina Brandenburg meint: „Ich fühle mich durch meine Tätigkeit sicherer im Umgang mit Tod und Trauer.“ Die Beschäftigung mit Menschen, die den Tod eines geliebten Menschen verkraften müssen, hat beide Frauen geprägt und sensibilisiert. Sie empfinden es im positiven Sinne als Herausforderung sowohl die „emotionale Schiene“ als auch die fachliche Unterstützung bedienen zu können.

Diakonisches Werk , Monjala – Trauerbegleitung, Wilhelmstraße 4, 25524 Itzehoe, Tel.: 04821-4030249, monjala@die-diakonie.org, www.die-diakonie.org; Trauergruppe für Kinder (Anmeldung notwendig): Ab 2. 9. für Sechs bis Zehnjährige, 15 bis 16.30 Uhr, wöchentlich ab 5. 9. für Zehn-14-Jährige, 15 bis 16.30 Uhr, sowie ab 5.9. ,14 Jahre und älter, 18 bis 19.30 Uhr (alle zwei Wochen) Nähworkshop: 1.11. „Stücke  der Erinnerung: Aus Lieblingsshirts neue Dinge nähen“.
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erstellt am 01.Sep.2014 | 12:00 Uhr

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