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Europa-Quiz mit Fernbedienung : Projekt: Europa-Wissen an Schulen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Verein „Bürger Europas“ vermittelt Europa-Wissen auf spielerische Weise in Bismarckschule und Haus Elbmarsch.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Wo hatte die Europäische Zentralbank ihren Sitz, bevor sie nach Frankfurt gezogen ist? War es London, Brüssel – oder etwa schon immer Frankfurt? Im Klassenraum im zweiten Stock der Bismarckschule zucken viele Schüler ahnungslos mit den Achseln oder wenden sich hilfesuchend an ihren Nachbarn. Nur wenige der Zehnt- und Elftklässler tippen souverän auf ihren Eingabegeräten die richtige Nummer ein.

Der Verein Bürger Europas ist in der europapolitischen Bildungsarbeit aktiv. In diesem Jahr richtet er 300 Veranstaltungen aus. Mit dem Quiz „Wer wird Europameister?“ besucht der Verein Schulen und Seniorengruppen in der ganzen Bundesrepublik. Gefördert wird das Projekt unter anderem vom Bund und vom Schleswig-Holsteinischen Ministerium für Justiz, Kultur und Europa.

Das Europaquiz des Vereins „Bürger Europas“ funktioniert ein bisschen so wie der Publikumsjoker in der Fernsehsendung „Wer wird Millionär“: Es werden sechs Fragen mit jeweils drei Auswahlmöglichkeiten zu einem Themengebiet gestellt. Ihre Wahl treffen die Quizteilnehmer dann am Ende mit Hilfe eines kleinen Auswahlgeräts. Nach zehn Sekunden ist die Zeit um: 43 Prozent der rund 40 Schüler haben sich für Frankfurt entschieden, 24 Prozent für London, 32 Prozent für Brüssel. „Frankfurt ist richtig“, löst Quizmaster und „Bürger Europas“-Geschäftsführer Peter Wolf auf und verteilt einen Preis an denjenigen, der am schnellsten die richtige Antwort eingetippt hat.

Mit dem Quiz versucht Wolf, das Thema Europa den Schülern auf eine interessante Art und Weise näherzubringen. Denn: „Die Europäische Union ist kein Thema, das die Leute von den Stühlen reißt“, weiß Wolf. „Andererseits bestimmt die Politik, die in Europa gemacht wird, unser aller Leben. Die Menschen müssen gut informiert sein, damit sie ihre Stimme bei der Europawahl bewusst abgeben können.“Das Niveau des Wissens über Europa sei sehr niedrig. „Das Interesse fehlt – und dann ist das alles natürlich auch sehr kompliziert“, sagt Wolf. Zehn Städte besucht er in dieser Woche in Schleswig-Holstein. In jeder besucht er jeweils eine Schule und eine Seniorengruppe. „Aber alles was wir tun, ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Wolf.

Für das Quiz hat er sich besonders spannende Themen herausgesucht. Da geht es um innovative Entwicklungen, um regionale Spezialitäten und spannende Fakten. Ganz einfach ist das allerdings nicht. Während die Schüler noch problemlos wissen, welche Schleswig-Holsteinische Spezialität das EU-Gütesiegel tragen darf (nämlich – unter anderem – das Lübecker Marzipan) tun sie sich schwer bei der Frage, wieviele europäische Länder weniger Einwohner haben als Schleswig-Holstein. Die richtige Antwort erscheint allen zu hoch: Es sind sechs Länder (Malta, Luxemburg, Zypern, Estland, Lettland und Slowenien).

Ortswechsel: Im Pflegeheim Haus Elbmarsch geben zwei Stunden später Senioren bei einer Tasse Kaffee und Gebäck Antworten auf die selben Fragen – und sind dabei sogar für Wolf überraschend treffsicher: „Ich habe langsam das Gefühl, Sie haben sich wochenlang auf diesen Termin vorbereitet“, sagt Wolf, als die Quizteilnehmer sogar die schwere Frage nach den EU-Ländern mit weniger Einwohnern als Schlesweig-Holstein mit klarer Mehrheit richtig beantworten: „Hier gab es schon seit Monaten keine richtige Antwort mehr.“

Für ältere Menschen ist Europa keine Selbstverständlichkeit. Sie kannten sich gut aus.
Für ältere Menschen ist Europa keine Selbstverständlichkeit. Sie kannten sich gut aus. Foto: Janina Schmidt
 

Zwischen den Fragen wird diskutiert. Die Senioren sind engagiert dabei. Als Wolf erklärt, dass die reichen europäischen Länder sich zwar über den Flüchtlingsstrom beschweren, aber nur 0,4 Prozent ihres Reichtums für Entwicklungshilfe ausgeben, sagt eine Teilnehmerin entrüstet: „Wenn das stimmt, ist es beschämend.“ Genia Dohnke, Prokuristin des Heims, hofft, dass Wolf wieder kommt mit seinem Quiz: „Der Grundsatz, Senioren einzuladen, ist ganz wichtig. Häufig wird vergessen, dass sie unsere heutige Gesellschaft erst geschaffen haben. Sie müssen einbezogen werden in den Dialog.“ Das findet auch Wolf: „Bildungsangebote gibt es laufend für die Jugend. Sie sind übersatt. Senioren haben das selbe Recht auf Bildung und nehmen es noch dankbarer an.“ Ein Beweis dafür ist Renate Bornholdt, Bewohnerin des Pflegeheims: „Es war eine tolle Atmosphäre, so aufgeschlossen in der Diskussion.“

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