Wundversorgung für die Seele : Projekt aus Elmshorn begleitet Kinder und Jugendliche bei der Trauerbewältigung

Sandra Köster (l.) und Karina Brandenburg sind an verschiedenen Standorten des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf für Themen rund um Kindertrauer ansprechbar.
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Sandra Köster (l.) und Karina Brandenburg sind an verschiedenen Standorten des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf für Themen rund um Kindertrauer ansprechbar.

Monjala hilft. Die Gruppe trifft sich regelmäßig in der Diakonie.

shz.de von
02. Juni 2015, 16:30 Uhr

Elmshorn | „Trauer ist wie eine Wunde, und wir vergleichen sie mit einem Fahrradsturz auf Asphalt. Der ganze Oberschenkel ist aufgeschürft, die Hosenreste kleben an der Wunde und es ist Rollsplitt in ihr. Das Reinigen tut erstmal weh, ermöglicht aber die Heilung“, erklären Sandra Köster und Karina Brandenburg. Die beiden Diplom-Sozialpädagoginnen kümmern sich als Diakonie-Mitarbeiterinnen um die „Wundversorgung“ von Kindern und Jugendlichen, die nahe Angehörige durch Tod verloren haben.

„Sie brauchen Mutmacher und Unterstützung bei der Trauerbegleitung“, führt Sandra Köster weiter aus.

In der Trauergruppe begegnen Kinder und Jugendliche Gleichaltrigen, die ähnliche Erfahrungen zu bewältigen haben, die lernen müssen, wie sich Familie anfühlt, ohne den Papa oder die Oma? Was sollte sich verändern, damit das Leben wieder besser wird?

In der Trauergruppe spricht man über den Tod und den Verstorbenen, lernt im geschützten Rahmen der Gruppe, seinen Empfindungen Ausdruck zu verleihen und mit gutem Gefühl über den Verlust des geliebten Menschen zu sprechen. „Zu Beginn unserer Treffen zündet jeder eine Kerze für sich als Lebendem und für den Verstorbenen an“, erklärt Trauerbegleiterin Sandra Köster, die auch als Diakonin und systemische Familienberaterin ausgebildet ist. Je nach Alter, werden verschiedene Medien und Hilfsmittel unterstützend bei der Arbeit herangezogen. „Wie fühlt ihr Euch heute?“ heißt es, und dann können sich vor allem Kleinere eine Gefühlsmonsterkarte ziehen, die Frust, Trauer, Zorn oder Angst in amüsanter Form abbilden. Man rede, singe, bastele „Erinnerungskästchen“ oder spiele – beispielsweise das „Trauerlandspiel“, ergänzt Karina Brandenburg, die seit vielen Jahren schwerpunktmäßig mit Kindern und Jugendlichen in der Erziehungsberatung arbeitet.

Doch nicht nur in der Diakonie sind die Frauen Ansprechpartner für trauernde Kinder. Sie besuchen auch Schulen und Kindergärten, referieren über ihre Arbeit und unterstützen bei Anfragen.

„Die Trauer wird stets bleiben – ebenso wie die Verstorbenen Teil des Lebens bleiben“, meinen beide. Es sei aber wichtig, eigene Kraftquellen und Ressourcen zu nutzen, um mit der Trauer umgehen zu lernen.

Die nächste Monjala-Kindertrauergruppe startet Donnerstag, 4. Juni, 4. Stock der Diakonie, Alter Markt 16. In zweiwöchigem Rhythmus wird donnerstags, 15 bis 16.30 Uhr, der Trauer Raum gegeben, damit Erinnerung bleibt. Einstieg ist jederzeit möglich. Monjala bietet Fortbildungen für Hauptamtliche im sozialen Bereich an und begegnet Fragen aus der Öffentlichkeit mit Infoveranstaltungen zum Thema Trauer. Kontakt: 04821-4030249, monjala@die-diakonie.org sowie www.die-diakonie.org. Monjala wird gefördert von der Aktion Mensch.
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