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Luther ist aktueller denn je : Probst Thomas Bergemann im Interview

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Thomas Bergemann spricht über die Bedeutung der Reformation und welche Lehren für heute daraus zu ziehen sind.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Elmshorn | In diesem Jahr steht der Reformationstag ganz im Zeichen des Jubiläums. Vor 500 Jahren schlug Reformator Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Welche Bedeutung hat die Reformation heute? Darüber spricht im Interview Thomas Bergemann, Propst des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf.

Der Reformationstag ist ja erstmals auch ein Feiertag. Wie bewerten Sie diese politische Entscheidung?
Propst Bergemann: Ich finde das sehr schön, dem Anlass angemessen. Es wird zunächst ja einmalig sein, aber es zeigt doch, dass die Reformation bundesweit von Interesse und Relevanz ist. Überraschenderweise wird staatlicherseits in vielen Bundesländern diskutiert, den Reformationstag als christlichen Feiertag aufzunehmen. Das zeigt, dass der Reformationstag zunehmend wahrgenommen wird.

Inzwischen ja auch von Katholiken. Wie empfinden sie das?
Ich freue mich, dass die Reformation heute auch von Katholiken mitgefeiert wird. So wie die christlichen Kirchen generell näher zusammenrücken. An der Basis passiert schon ganz viel Ökumene. Und auch nach – sagen wir mal – oben hin wird es immer besser. Das empfinde ich als wohltuend und ermutigend. Auch vor dem Hintergrund wäre es schön, wenn der Reformationstag dauerhaft ein Feiertag werden würde.

Wie ist das Jubiläumsjahr für den Kirchenkreis bislang gelaufen?
Es gab ganz viele gelungene Veranstaltungen. So wie beispielsweise das Nordkirchenschiff, das für uns in Glückstadt angelegt hatte. Die Rückmeldungen waren super, das Kirchenschiff war sehr gut besucht. Eine richtig schöne Aktion. Und dann die vielen Musik-Veranstaltungen. Musik ist schließlich ein ganz zentraler Bestandteil der Reformation. Johann Sebastian Bach war Protestant. Aus ursprünglich protestantischem Liedgut ist längst Ökumene geworden. Und bei Luther stand auch das Lied im Mittelpunkt. Ein besonderer Höhepunkt bei uns im Jubiläumsjahr war aber die Bibelübergabe auf Schloss Breitenburg, einem für die Reformation relevanten Ort, denn die Rantzaus zählten von Anfang an zum inneren Kreis um Luther. Deshalb hatte auch die Übergabe der Altarbibeln im Schloss eine besondere Bedeutung. Die Neuausgabe der Lutherbibel ist jetzt in jedem sakralen Raum des Kirchenkreises zu finden. Die Bibel hat einen besonderen Stellenwert, die Übersetzung ist wortgerecht, wurde in der Formulierung angepasst.

Welche Relevanz hat die Reformation heute?
Sie ist zum einen zentraler Bestandteil unserer gemeinsamen Geschichte. Ohne die Reformation hätten sich Deutschland und Europa anders entwickelt. Und zum anderen hat sie für den christlichen Glauben und die christliche Kirche bis heute wirksame Impulse gesetzt. Das Reformationsjubiläum ist ein guter Anlass, nachzufragen, woher wir kommen und welche Lehren wir daraus ziehen können.

Welche Lehren wären das?
Erstens das Wissen um das, was Luther „Gnade“ nannte. Mit anderen Worten: Es kommt im letzten nicht auf die eigene Leistung an, weder vor Gott noch unter uns Menschen. Das Entscheidende wird uns in oftmals leere Hände gelegt, ohne unser Zutun. Denken Sie nur an die Liebe. Zweitens der Wert der Freiheit und der Vernunft. Luther berief sich vor dem Reichstag in Worms neben der Bibel auf sein Gewissen und die Vernunft. Diese Kategorien sind heute aktueller denn je, um sich zu schützen vor jeder Form von Bevormundung. Frei in meinem Gewissen, frei durch die Vernunft, und beides als gute Gaben Gottes verstanden. Und drittens der direkte Draht zu Gott. Will sagen: Zwischen mir und Gott brauche ich keine Heiligen und auch keine Kirche. Ich darf mit ihm „auf Du und Du“ sein.

Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft?
Ich würde mir wünschen, dass der Reformationstag und das Erbe der Reformation weiterhin von allen Kirchen in Deutschland wahrgenommen werden. Als ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Und als ein wichtiger Impuls für ein gelebtes Miteinander der Konfessionen – das wäre ein schönes Ergebnis auch für das Reformationsjubiläum.

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