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Elmshorn : Premiere an der Dittchenbühne: Eine Zeitreise zum Mauerfall

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Ich liebe Euch doch alle...“ feiert glanzvolle Premiere an der Dittchenbühne. Geschichtsstunde auf der Theaterbühne.

shz.de von
erstellt am 02.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Hans Helmut Birke, war gekommen und Burkhard Schallhorn von der Kreiswählergemeinschaft; Uli Lenk, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Elmshorner Stadtverordnetenkollegium, und sein CDU-Pendant Immo Neufeldt waren dabei; und auch der Stadtverordnete Andreas Hahn und Bürgermeister Wolfgang Mohr aus Bokholt-Hanredder sowie aus Kiel Jutta Kürtz, langjährige Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, fanden sich unter den mehr als 100 Gästen, als am Freitagabend die Tragikomödie „Ich liebe Euch doch alle...“ am „Forum Baltikum – Dittchenbühne“ uraufgeführt wurde: Eine Premiere an der Dittchenbühne ist nicht nur ein Theater-Event, sondern immer auch ein gesellschaftliches Ereignis in Elmshorn und weit über die Stadtgrenzen hinaus – ganz besonders, wenn es um ein Stück geht, das sich mit einem der wichtigsten Abschnitte der neueren deutschen Geschichte beschäftigt: dem Fall der Mauer vor gut 25 Jahren.

Das Stück von Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt wurde in Szene gesetzt von der bekannten Regisseurin Maria von Bismarck. Neufeldt: „Natürlich hat man als Autor seine eigenen Vorstellungen von der Inszenierung – Vorstellungen, die sich nicht unbedingt immer mit den Ansichten der Regisseurin decken. Das ist aber völlig normal. Da hat die Regie völlig freie Hand. Es gab für mich großartige Regieeinfälle und interessante Textbearbeitungen – etwa bei den Monologen zwischen Honecker und Mielke. Mit vielen Ideen hat Maria von Bismarck das Stück zum Leben erweckt und die Schauspieler motiviert.“ Und natürlich lockt so ein großer Name das Publikum besonders an.

Die zehn Bilder von „Ich liebe Euch doch alle...“ spielen vor einem sparsamen Bühnenbild, das die Zuschauer mit Projektionen auf der Rückwand an den jeweiligen Spielort versetzt. Insgesamt 16 Darsteller sind dabei – zum Teil in Doppel- und Dreifachrollen zu sehen. Wenn man am Premierenabend jemanden hervorheben will, dann vielleicht Ralf Skala, der Erich Mielke überzeugend verkörpert, oder Martin Mertens in der Rolle von Erich Honecker. Katrin Oder brillierte als Margot Honecker – sogar mit einer Gesangseinlage. Tolle Leistungen zeigten auch Petra Schwarz als Hannah sowie Klaus Schlicht als Armeegeneral Heinz Keßler und Wessi Meier. Beeindruckend die Gespräche der Grenzsoldaten (Olaf Zywietz und Kai Göhring), bedrückend der Dialog zwischen Honecker und Mielke über den „Verrat der sowjetischen Genossen“ und über die Zukunft des Sozialismus, an die beide weiter fest glauben. Nicht zu vergessen neben den Darstellerinnen und Darstellern: Insgesamt zehn weitere Mitglieder der Dittchenbühne wirkten im Hintergrund am Erfolg der Aufführung mit.

Durch das gesamte Stück zieht sich die ehemalige DDR-Hymne („Auferstanden aus Ruinen“), deren Text seit den 70er- und 80er-Jahren offiziell nicht gesungen werden durfte. Und so endet Neufeldts Tragikomödie um den Fall der Mauer denn auch nachdenklich-optimistisch mit den Textzeilen von Johannes R. Becher: „Wenn wir brüderlich uns einen, schlagen wir des Volkes Feind! Lasst das Licht des Friedens scheinen, dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint.“

Regisseurin Maria von Bismarck und Autor Raimar Neufeldt. (Foto: Völz)
Regisseurin Maria von Bismarck und Autor Raimar Neufeldt. (Foto: Völz)
 

Nachdem es für das Premierenpublikum schon zum Empfang ein Glas Original-DDR-Rotkäppchensekt gegeben hatte, feierten die Gäste die Aufführung noch lange in der Räumlichkeiten der Dittchenbühne – bei Schnittchen und Getränken unter einem Honecker-Bild und roten Fahnen.

„Ich liebe Euch doch alle...“ ist eine fantastische Gelegenheit, ein bedeutendes Stück Zeitgeschichte hautnah nachzuerleben, sich auf eine Zeitreise zum Mauerfall zu begeben – für Geschichtskurse von Schulen etwa, für Geschichtsinteressierte allgemein und natürlich auch für Zeitzeugen, die sich noch einmal in die Herbsttage 1989 versetzen möchten.

Es folgen weitere Vorstellungen im März, April und Mai: 6. März, 20 Uhr / 7. März, 16 Uhr / 8. März, 16 Uhr / 13. März, 20 Uhr / 15. März, 16 Uhr / 29. März, 16 Uhr; 17.April, 20 Uhr / 19. April, 16 Uhr / 26. April, 16 Uhr / 8.Mai, 20 Uhr / 10. Mai, 16 Uhr. Die Karten kosten 15 Euro. Tickets unter der Telefonnummer 04121-89710 oder per E-Mail unter buero@dittchenbuehne.de.
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