Polizei stark belastet: 68 000 Überstunden

Immer höhere Anforderungen / Kaum Zeit zum Abbummeln der Stunden

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20. Juli 2018, 15:13 Uhr

Gewalttätige Fußballfans, Ausschreitungen bei Demonstrationen, Gewaltexzesse von Politchaoten wie beim G-20-Gipfel und die ständige Angst vor Terror. Hinzu kommt die normale Kriminalität. Die Anforderungen an die Polizei haben ständig zugenommen. Und das schlägt sich nieder: Zum einen in der Belastung der Beamten. Zum anderen in der enormen Anzahl der Überstunden, die sich angehäuft haben: Rund 68 000 sind es derzeit im Bereich der auch für den Kreis Pinneberg zuständigen Polizeidirektion Bad Segeberg. Insgesamt sind in der Polizeidirektion 1000 Mitarbeiter tätig, allerdings nicht alle in den Bereichen, in denen die vielen Überstunden anfallen.

Schon beim G-20-Gipfel, bei dem zahlreiche Polizisten aus dem Kreis Pinneberg im Einsatz waren, war die Belastung zeitweilig extrem, weiß Reimer Kahlke, Beisitzer im geschäftsführenden Landesvorstand und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GDP) Segeberg/Pinneberg. Auch damals habe es Berge von Überstunden gegeben. Die seien mittlerweile aber kaum noch ein Thema, sie seien überwiegend ausgezahlt worden.

Anders bei dem aktuellen Überstundenberg: Rund 17 000 der 68 000 Stunden könnten ausgezahlt werden. Die anderen 51 000 Überstunden müssen laut Reimer abgebummelt werden. Die Frage ist nur: wann? Denn die Einsätze werden nicht weniger. Im Gegenteil. Ein gutes Beispiel, so der Gewerkschafter, sei die Kieler Woche im Juni gewesen. „Jeden Tag waren acht bis zwölf Streifenwagen von allen Direktionen des Landes in Kiel im Einsatz“, berichtet er. In früheren Zeiten war der Aufwand nicht annähernd so groß.

Die Auswirkungen waren im Kreis Pinneberg zu sehen: Bei der Demo vor dem Pinneberger Rathaus gegen den Einzug der AfD in den Kreistag kamen fast alle Polizisten, die für den ordnungsgemäßen Ablauf der Veranstaltung zuständig waren, aus Hamburg. „Unsere Kollegen waren bei der Kieler Woche“, so Kahlke.

Auch bei Veranstaltungen wie dem Hafenfest in Elmshorn ist die Polizei weitaus stärker vertreten als noch vor ein paar Jahren. „Der Aufwand wird immer höher“, sagt der Gewerkschafter.

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