„Plattdeutsch muss erhalten bleiben“

Gerd Richert: „Solange ich lebe, ist die Speeldeel für mich eine Herzensangelegenheit“
Gerd Richert: „Solange ich lebe, ist die Speeldeel für mich eine Herzensangelegenheit“

Gerd Richert, Ehrenvorsitzender der Elmshorner Speeldeel, ist besorgt über die aktuellen Entwicklungen in seinem Verein

shz.de von
12. Juli 2018, 16:00 Uhr

Gerd Richert macht sich große Sorgen – um seine Elmshorner Speeldeel. 25 Jahre lang war er Chef der Plattdeutsch-Bühne. Der Haselauer hielt die Zügel fest in der Hand und war dabei nicht immer bequem. Vor vier Jahren hat er sein Amt an Reinhard Glantz abgegeben und ist jetzt Ehrenvorsitzender. Trotzdem mischt sich der 71-Jährige immer wieder ins Alltagsgeschäft des Vereins ein. Nicht allen Mitgliedern gefällt das, doch für Richert ist klar: „Solange ich lebe, ist die Speeldeel für mich eine Herzensangelegenheit“. Deshalb meldet er sich auch in der aktuellen Krise der Theatergruppe zu Wort.

„Als Reinhard Glantz mich anrief und verkündete, er sei zurückgetreten, hat mich das sehr mitgenommen“, sagt Richert. „Ich wusste, dass es Probleme gibt, aber dass er gleich hinschmeißt, ist für mich etwas enttäuschend“. Richert vermutet, dass sein Nachfolger die Arbeit als Vorsitzender „etwas unterschätzt“  habe.

Ohne Namen zu nennen, tadelt der Ehrenvorsitzende auch das Vorgehen der vereinsinternen Kritiker. „Einen Vorsitzenden so in die Enge zu treiben, dass er sein Amt aufgibt, das geht nicht, das ist schlechter Stil. So geht man nicht miteinander um. Ich bin tief enttäuscht.“

Der Zusammenhalt innerhalb des Vereins sei jetzt besonders wichtig, so Richert. „Niemand schreibt mehr plattdeutsche Stücke. Das Publikum wird immer älter. Uns weht der Wind ins Gesicht“, sagte er. Und weiter: „Wir haben Könner in unseren Reihen und sind gut genug, die Segel richtig zu stellen“. Um weiterhin bestehen zu können, sei es nötig gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Speeldeel die Menschen in der Region weiterhin mit niederdeutschem Schauspiel versorgen könne. „Die Vereinsmitglieder müssen sich zusammenraufen. Es hilft nicht, persönliche Differenzen öffentlich auszutragen“.

Für den Ehrenvorsitzenden ist klar: „Es geht um den Erhalt der plattdeutschen Sprache. Die liegt uns allen am Herzen, dafür müssen wir alles tun“. Die Elmshorner Speeldeel bestehe seit 82 Jahren und habe den Menschen in Elmshorn und Umgebung in dieser Zeit viel Freude bereitet. „Das soll so bleiben. Das sind wir unseren Vorgängern, die die Speeldeel aufgebaut haben, schuldig“.

Der Verein, so Gerd Richert, komme nicht darum herum, sich neuen Möglichkeiten zu öffnet. „Wir müssen noch mehr mit jungen Leuten arbeiten und auch dort hingehen, wo die Menschen sind. Zum Beispiel in Schulen oder Kliniken oder in die Lokale als Begleitung von kulinarischen Events. Es gibt viele Möglichkeiten abseits der Theaterbühne“.

Der Ehrenvorsitzende, der selbst mehr als 50 Jahre lang auf der Theaterbühne stand, appellierte an die Mitglieder der Elmshorner Speeldeel: „Die Herausforderungen der Zukunft sind nur gemeinsam zu meistern, alle müssen jetzt an einem Strang ziehen.“

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