Gebäude in Elmshorn : Planungsgruppe „Augen auf VormStegen“ kämpft um alte Verladestation

Setzen sich für den Erhalt der Verladestation ein: Walter Sauermilch (Architekt), Peter Kruse („Engagierte Stadt“) und Thomas Wehrmann (Architekt,v.l.).
Setzen sich für den Erhalt der Verladestation ein: Walter Sauermilch (Architekt), Peter Kruse („Engagierte Stadt“) und Thomas Wehrmann (Architekt,v.l.).

Engagierte Elmshorner Bürger schlagen Alarm und schreiben einen offenen Brief an Bürgermeister Volker Hatje.

shz.de von
18. Juli 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Engagierte Elmshorner Bürger schlagen Alarm. Die offene Planungsgruppe „Augen auf VormStegen“ bangt um den Erhalt der alten Verladestation an der Ecke Schauenburger Straße/Vormstegen. Das Gebäude verfällt und das Gelände um das Haus wird zurzeit als Baustellenlager für den Stadtumbau genutzt. Die Planungsgruppe, zu der Architekten und Ingenieure gehören, sieht den Bau auch deshalb in Gefahr, weil er aus ihrer Sicht im Baubetrieb nicht genügend geschützt ist. In einem offenen Brief an Bürgermeister Volker Hatje zählt die Gruppe die Station zum „bedeutenden baulich historischen Gedächtnis der Stadt“.

Komplexe Neugestaltung

Das Bauwerk, das nach Einschätzung der Planungsgruppe nach 1908 entstanden ist, liegt im Bereich des Rahmenplanes für den Stadtumbau auf Vormstegen und ist damit Teil einer komplexen Neugestaltung. „Die Station ist im Plan der Stadt als erhaltenswert gekennzeichnet. Wir halten den Bau sogar für denkmalwürdig“, sagt Architekt Thomas Wehrmann von der offenen Planungsgruppe. Sein Mitstreiter Walter Sauermilch weißt darauf hin, dass das alte Gebäude mit Gleisanschluss eine wichtige Funktion bei der Zulieferung für die Lederindustrie in den Knechtschen Hallen hatte.

Das Foto aus dem Elmshorner Stadtarchiv (vermutlich aus den 1960er Jahren) zeigt Buttermarkt und Markthalle an einem Markttag. Unten rechts an den Gleisen ist das intakte Gebäude der Verladestation zu erkennen.
Stadtarchiv
Das Foto aus dem Elmshorner Stadtarchiv (vermutlich aus den 1960er Jahren) zeigt Buttermarkt und Markthalle an einem Markttag. Unten rechts an den Gleisen ist das intakte Gebäude der Verladestation zu erkennen.
 

In ihrem offenen Brief schreiben die Planer, das Haus habe „baumeisterliche Qualität“ und zeuge von der „Handwerkstechnik der Jahrhundertwende im Höhepunkt ihrer Entwicklung“. „Deshalb müssen wir darauf drängen, dass es erhalten bleibt. In diesem Zusammenhang hat die Stadt eine Vorbildfunktion“, sagt Architekt Sauermilch.

Was die engagierten Bürger besonders ärgert: Das Haus ist aus ihrer Sicht nicht vor den Bauarbeiten im Umfeld geschützt. Auf der Seite zum Buttermarkt sei ein Container so dicht am Gebäude abgestellt worden, dass bei der Abfuhr eine Beschädigung des Hauses kaum zu vermeiden sei. Auf der Südseite sei ein haushoher Berg aus Sand und Mutterboden aufgehäuft worden. Im Brief heißt es: „Wir sind uns sicher, dass diese viele Tonnen schwere einseitige Belastung nicht nur gegen alle Vorschriften und Üblichkeiten der Baustelleneinrichtung verstößt, sondern auch bei der Wiederentfernung des Bodens durch Veränderung des zurzeit hochbelasteten Bodens Schäden am Gebäude hinterlassen kann.“ Die Planungsgruppe fürchtet, dass das Gebäude irreparablen Schaden nehmen könnte. Die Gruppe spekuliert auch, dass nach einem Abriss eine Baugrube entstehen könnte, die das bereits verworfene Projekt Tiefgarage unter dem geplanten neuen Rathaus wiederbeleben könnte.

Abrissgefahr bestehe nicht

„Da sehe ich überhaupt keinen Zusammenhang“, sagt Stadtrat Dirk Moritz. Überhaupt: Die Stadt sei aktuell bestrebt, das Haus zu erhalten. Moritz: „Die Gefahr eines Abrisses besteht nicht“. Das Gebäude sei im Rahmenplan als erhaltenswert eingestuft. Versäumnisse der ausführenden Baufirmen sehe er nicht.

Moritz gibt allerdings zu Bedenken, dass der Rahmenplan in den vergangenen Jahren weiterentwickelt worden sei. So sollte zum Beispiel an der Schauenburger Straße, wo jetzt das neue Rathaus entstehen soll, ursprünglich ein Hotel hochgezogen werden.

Wie das alte Verladegebäude künftig genutzt werden könnte, sei eine Frage der Abwägung zwischen Kosten und Nutzen, so Moritz. Da sei die Politik gefragt. Positiv bewertet der Stadtrat das Engagement der Gruppe: „Wir sind für alle Anregungen offen“.

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