Pferdezucht in sechster Generation

200 Jahre 'Holsteiner Stutenstamm 18 b 1' - Dr. Cord Thormählen lud zum Zuchtjubiläum nach Moorhusen ein.  Foto: Schwichtenberg
200 Jahre "Holsteiner Stutenstamm 18 b 1" - Dr. Cord Thormählen lud zum Zuchtjubiläum nach Moorhusen ein. Foto: Schwichtenberg

200 Jahre "Holsteiner Stutenstamm 18 b 1" in der Hand einer Moorhusener Züchterfamilie / Buch erschien über die Zucht

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Moorhusen | Der "Holsteiner Stutenstamm 18 b 1" ist seit 1813 im Besitz der Familie Thormählen. Bis heute haben auf dem Hof in Moorhusen sechs Züchtergenerationen Holsteiner Pferde gezogen. Dr. Cord Thormählen nahm den 200. Geburtstag dieses Stutenstammes zum Anlass, mit Freunden, Weggefährten und Geschäftsfreunden ein Zuchtjubiläum der besonderen Art zu feiern.

Er dankte all denen, die sich während der langen zeitlichen Wegstrecke Verdienste um das Holsteiner Pferd im Allgemeinen und den "Holsteiner Stutenstamm 18 b 1" im Besonderen erworben hatten. Und das waren seine Vorfahren. Ohne ihr Engagement hätte sich die Zucht auf dem Hof nicht so lange halten können. Daran beteiligt waren seit 1813 Claus Thormählen (1790-1874), Thies Thormählen (1824-1901), Martin Thormählen (1861-1942), Claus Thormählen (1885-1968) und Johann Hermann Claus Thormählen (1911-1988).

Bislang letzter Züchter innerhalb der traditionsreichen Familie ist der ehemalige Lehrer an der Höheren Landbauschule in Rendsburg, Dr. Cord Thormählen (66). Auch wenn seine Vorfahren nicht mehr leben: Teilnehmen an der Feier ließ Cord Thormählen sie dennoch - virtuell. Fünf Springständer, die alle einen Hut aufgesetzt bekamen und zusätzlich mit ihren Namen versehen waren, symbolisierten ihre Personen.

Ähnlich verfuhr Cord Thormählen mit 17 Stutengenerationen: Von der Stute Voss (geboren im Jahre 1813) bis hin zu Ode (1977) waren alle Tiere virtuell vertreten. Ihre Namen, aufgeschrieben auf Plakaten, trugen 17 Jungzüchter aus dem Körbezirk Steinburg unter dem Beifall der vielen Anwesenden auf den zum Hof gehörenden Springplatz. Drei Zuchtstuten, "die Hauptakteure", stellte der Gastgeber lebend vor: Es waren Fortüne, Ella dree und Dublette, mit denen Cord Thormählen die Zucht innerhalb des "Stutenstammes 18 b 1" fortsetzt.

Fortüne ist das einzige Stutfohlen von Ode: Mit ihr konnte Cord Thormählen den Stamm 18 b 1 überhaupt nur fortsetzen. Vier ihrer Kinder sind internationale Springpferde der Klasse S geworden - unter anderem Romulus: Angeritten von der Itzehoerin Evi Penzlin, ging das Pferd später im großen Sport unter Otto Becker, bevor der Mannschaftsolympiasieger 2009 Bundestrainer der deutschen Nationenpreisreiter wurde.

"Pures Glück" hat Fortüne im August des vergangenen Jahres gehabt: "Ich war in Dänemark im Urlaub und bekam dort einen Anruf, dass Fortüne von der Feuerwehr Neuendorf aus einem tiefen Graben gerettet worden sei. Die Stute sei aber so schwach, dass mit ihrem Tode zu rechnen sei. Dank ihrer Calando-Gene hat sie überlebt."

Die Breite seines Zuchtstutenbestandes sei mit Fortüne, Elladree und Dublette "sehr schmal". "Jede Generation ist nur durch eine einzige Stute vertreten. Meine Besonderheit ist die Tiefe des Stutenbestandes - nämlich insgesamt 20 Stutengenerationen."

Dass Cord Thormählen und seinen Vorfahren damit Außergewöhnliches gelungen ist, machten mehrere Redner deutlich. Alf Bartholomäus, Vorsitzender des Holsteiner-Körbezirks Steinburg, betonte: "Eine traditionsreiche Zuchtstätte gehört zu den Gründern der Holsteiner Zucht. Sie hat Großartiges geleistet." Dr. Jan Lüneburg, Vorsitzender des Holsteiner-Verbandes, stellte heraus: "20 Generationen: Das ist schon gewaltig. Und der Stamm 18 b 1 ist auch in den Niederlanden erfolgreich." Alois Franzmann, Züchter aus diesem deutschen Nachbarland, griff den Gedanken von Jan Lüneburg auf und sagte: "Es muss weitergehen."

Zu den Veranstaltungsgästen zählte auch Karl-Ernst Kruse-Soenke, Nachbar und Vorsitzender des Reitvereins Kollmar. "Hier sind 200 Jahre lang erfolgreich Pferde gezüchtet worden. Der Stamm 18 b 1 ist weltweit führend in der Springpferdezucht und stand teilweise auf Platz eins der Weltrangliste. Er ist nicht unbedingt ein Schaustamm, sondern ein Leistungsstamm."

Und hervorgebracht hat dieser Stamm unter anderem auch Jura (1932), aus der die ersten Springpferde des Stammes hervorgegangen sind: Orient und Jupiter. Und Orient ging unter Hans Günter Winkler und gewann 1954 den großen Preis von Aachen und 1955 die Weltmeisterschaft.

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