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Elmshorner Nachrichten

18. Oktober 2017 | 10:09 Uhr

„Pferde waren sein Leben“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Bewegende Trauerfeier in der alten Reithalle: 600 Trauergäste nehmen Abschied von Vielseitigkeitslegende Herbert Blöcker

Die Zahl der Stunden, in denen Herbert Blöcker an dieser Stelle Reitern jeden Alters Tipps und Kniffe zum Umgang mit dem Pferd beigebracht hat, hat keiner zählen können. Es waren zu viele. Die alte Reithalle auf dem Gelände des Holsteiner Verbandes an der Westerstraße war seine zweite Heimat. Hier hat er auch seine Frau Rita in der berühmten Donnerstagsgruppe kennengelernt. Gestern nahmen an gleicher Stelle fast 600 Trauergäste Abschied von dem vor zwei Wochen im Alter von 71 Jahren verstorbenen Vielseitigkeitsreiter.

Es war ein würdevoller und sehr emotionaler Abschied, der vom Holsteiner Verband für den großartigen Reiter vorbereitet wurde. An der Stirnseite der Halle hingen drei Fahnen des Holsteiner Verbandes. Während der gesamten Trauerfeier flankierte eine Ehrenwache den Verstorbenen. Die erste übernahmen Markus Suchalla, Wulf Hinrich Hamann, Lars Bak Andersen, Thies Luther.

Jaqueline Siemsen, Jos Muffels, Stella Röttger, Klaus-Christian Thormählen, Sabine Renschler und Klaus Dibbern hielten im Wechsel die drei Standarten des Reit- und Fahrvereins Elmshorn und des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein. Sechs Kerzenleuchter tauchten die Szenerie in warmes Licht. Neben dem mit gelben und weißen Narzissen geschmückten Sarg stand ein Foto, das Blöcker auf seinem Erfolgspferd Feine Dame durch ein Kornfeld reitend zeigt. Blöcker ganz in Freizeitkleidung. Blöcker, der Mann von nebenan, die Legende ganz ohne irgendwelche Allüren.

Die Bodenständigkeit des Bauernsohns, der vor ziemlich genau 45 Jahren als 26-Jähriger zum Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes in die Reit- und Fahrschule Elmshorn kam, betonten alle Trauerredner. Und keiner, weder Breido Graf zu Rantzau als Vorsitzender der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Vorstandsmitglied des Holsteiner Verbandes, noch der ehemalige Vielseitigkeitsbundestrainer Martin Plewa, Gesche Röttger als Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Elmshorn noch Peter Rathmann vom Förder- und Wirtschaftskreis Holsteiner Masters, kamen umhin, bei ihren Worten stocken zu müssen. Pastor Ralf Greßmann blieb es vorbehalten, Blöckers Lebensweg nachzuzeichnen.


Kaum ein anderer Reiter war so oft bei Olympia


„Du bist ein ganz Großer in der deutschen Vielseitigkeitsszene gewesen“, unterstrich Graf zu Rantzau. Und über Blöckers Engagement beim Holsteiner Verband: „Du warst eigentlich immer an entscheidender, für alle sichtbarer Stelle tätig. Dein großes Pferdeverständnis, gepaart mit der riesigen Erfahrung, wurde von allen akzeptiert und vor allem auch genutzt.“

Zuvor hatte schon Martin Plewa die Erfolge des auch im vergleichsweise hohen Alter noch international aktiven Blöcker gewürdigt. „Kaum jemand hat so oft an Olympischen Spielen, Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften teilgenommen wie er und dabei so viele Medaillen gewonnen.“ Die bekanntesten sind zweifellos sein olympisches Einzelsilber von 1992 und Mannschaftsbronze ebenfalls in Barcelona. Passend dazu lief vor der Aussegnung die gleichnamige Hymne, gesungen von Freddie Mercury und Montserrat Caballé, vom Band.

Begleitet von Trompetenklängen wurde der Sarg mit Herbert Blöcker von seinen damaligen Mannschaftskameraden Matthias Baumann, Cord Mysegaes und Ralf Ehrenbrink sowie Hendrik von Paepcke (wie Blöcker Olympiateilnehmer von Atlanta 1996), Kai Rüder und Peter Thomsen aus der Halle getragen. Dort warteten bereits einige Reiter des RFV Elmshorn, die ein Spalier bildeten an dessen Kopf die Holsteiner Zuchthengste Baracuda und Larcon standen. Jagdhornbläser spielten einen letzten Gruß. Die eigentliche Beisetzung fand auf dem alten Elmshorner Friedhof an der Friedenshalle im engsten Familienkreis statt.

Vergessen sein wird Blöcker damit sicher nicht. Oder, um es mit Plewas Worten zu sagen: „Legenden sterben nicht, sie bleiben bei uns, wo immer wir zusammen sind.“

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