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Große Ehre : Pariser Ordensritter aus Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Chevalier de l`Ordre des Arts des Lettres“: Der Künstler Barlach Heuer wurde für seine Verdienste um die französische Kultur ausgezeichnet.

„Ritter des Ordens der Künste und der Literatur“ (Chevalier de l`Ordre des Arts des Lettres) - so darf sich seit einigen Tagen ein in Paris lebender Elmshorner nennen. Der 1930 an der Krückau geborene Künstler Barlach Heuer wurde von der Republik Frankreich für seine Verdienste um die französische Kultur geehrt. Verliehen wurde die renommierte Auszeichnung durch die Ministerin für Kultur und Kommunikation, Aurélie Filippetti, die zu einem Festakt im ehrwürdigen Gebäude des direkt am Jardin du Luxembourg gelegenen Senats gebeten hatte.

„Ich war völlig überrascht, als mich die Mitteilung erreichte“, so Barlach Heuer im Telefongespräch mit Elmshorner Freunden. „Ich dachte: ein Irrtum, ein geschmackloser Scherz? Ich wusste kaum, dass es so etwas gibt, zumal nicht für Ausländer.“


Bedeutsame Rolle als „Wiederentdecker“


Der französische Staat würdigt mit dem Orden in erster Linie Heuers bedeutsame Rolle als „Wiederentdecker“, Erforscher, Sammler, Autor und Mäzen des Jugendstils, hier vor allem der Glaskunst.

Der Elmshorner in Paris entdeckte sein Faible für die fragilen Kunstwerke Anfang der sechziger Jahre, etwa ein Jahrzehnt, nachdem der Sohn des Studienrates an der Bismarckschule, Alfred Heuer, der Enge seiner Heimat entflohen war, um in der französischen Metropole eine Existenz als Künstler aufzubauen. Fortan galt sein besonderes Interesse der Glaskunst, vor allem individuell gestalteten Vasen, Schalen, Krügen und Pokalen, die kunsthistorisch unter der Stilbezeichnung Art Déco zusammengefasst werden. Seine Glanzzeit hatte Art Déco zwischen 1910 und 1930 und war in ganz Europa zu finden.


Gläserne Schätze auf Flohmärkten


Aber der Geschmack der Menschen änderte sich, Jugendstil und Art Déco verloren bald an Reiz und gerieten spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg völlig ins Abseits, wurden als Kitsch aufgefasst und gerieten aus dem Blickfeld. Aber sie waren nicht ganz verschwunden. Der junge Barlach Heuer, angeregt durch eine Ausstellung im Pariser Museum für moderne Kunst und schon damals ausgestattet mit einem evidenten ästhetischen Sinn für Harmonie und Schönheit, machte sich auf die Suche, zunächst in der Metropole, später in ganz Frankreich.

Er durchstöberte kleine und kleinste Läden in nicht minder kleinen Vorstadt- und Seitenstraßen, besuchte Messen und Versteigerungen, ließ keinen der vielen Flohmärkte aus und wurde fündig. Mehr und mehr entdeckte er die gläsernen Schätze, noch preisgünstig, später sollten sie überaus wertvoll und begehrt werden. Im Laufe von Jahrzehnten trugen Heuer und seine Frau Laurence so eine kostbare, zunehmend auch öffentlich bekannter werdende Sammlung zusammen.


Anerkannter Fachmann für Glaskunst


Ganz nebenbei wurde der Elmshorner dabei zu einem allseits anerkannten Fachmann für Glaskunst und ist bis heute als Berater, Vermittler und Einkäufer für Sammler und Museen tätig. Er beschickt Ausstellungen mit seinen Exponaten und zeigt sich großzügig als Mäzen. Viele Stücke aus seiner Sammlung sind heute in Museen in Frankreich und Deutschland zu bewundern. Tausende von Besuchern sahen allein in diesem Jahr eine von Heuer konzipierte und bestückte Ausstellung, die in mehreren französischen Städten und in Schweden zu sehen war. Zurzeit bereitet er die siebente Ausstellung mit 300 Exponaten vor.

Für all diese Aktivitäten und seinen Einsatz wurde Barlach Heuer jetzt auch offizielle Anerkennung zuteil. Im ehrwürdigen Salon des Senats wurde dem Elmshorner in festlichem Rahmen der hohe französische Orden angeheftet. Unter den zahlreichen Gästen waren Heuers Söhne Tomas und Stefan sowie Politiker, Museumsdirektoren, Künstler und frühere Ordensträger.


Kultusministerin gratulierte


Eine der ersten Gratulantinnen war die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti. In seiner Dankesrede berichtete Heuer über seine norddeutsche Herkunft und sagte dann: „Besonders bin ich denen verbunden, die mit Toleranz, Verständnis und Vertrauen meine Intentionen und Passionen akzeptiert haben. Ich bin ein Kunst-Handwerker: Maler, Gravierer, Drucker – das sind die Mittel, um meiner Imagination Gestalt zu geben“.

Heuer erinnerte an seine früheren Begegnungen mit dem Jugendstil, „der in jener Epoche fast ausnahmslos als Höchstmaß von Geschmacklosigkeit galt.“

Ihm selbst erschien er bei seiner Wiederentdeckung „als der letzte Stil, der unser Leben mit Harmonie umgab, aber er war ebenso Fundament für alle moderne Kunst.“

 

 

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erstellt am 26.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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