Theater : Pamphlet gegen Männer im Elmshorner Stadttheater

„Dein Mann ist der beste Beweis, das du Humor hast“: Patricia (Saskia Vester, links) bekommt aufbauende Worte von ihrer Freundin Geraldine (Franziska Taub) mit auf den Weg.
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„Dein Mann ist der beste Beweis, das du Humor hast“: Patricia (Saskia Vester, links) bekommt aufbauende Worte von ihrer Freundin Geraldine (Franziska Taub) mit auf den Weg.

Das Fazit vom Stück „Was dem einen recht ist“ lässt nur einen Schluss zu: Frauen, wehrt euch!

shz.de von
26. Januar 2018, 13:00 Uhr

Elmshorn | Liebe Frauen, wir müssen reden. Über Männer. Denn ganz ehrlich: Warum tun wir uns den ganzen Scheiß eigentlich an? Da plagt man sich und ackert, nur um ihm ein gutes Gefühl zu geben. Wir lesen Artikel in Frauenzeitschriften, die uns erklären, wie man das Selbstwertgefühl von Männer stärken kann, wenn ihnen die Haaren ausfallen. Anscheinend sind Glatzen schlecht für’s Ego. Ja, wir schmieren ihm die Stulle für die Arbeit. Und ja, natürlich sind wir für ihr Wohlergehen zuständig, wie uns die Fernsehwerbung einer Apothekenzeitschrift gerne weismachen will. Der gute Mann kann ja nicht selber auf sich aufpassen. 

Wollen wir uns das gefallen lassen? Sollten Männer sich nicht um ihren eigenen Scheiß kümmern? Warum sind wir für ihr Wohlbefinden zuständig – selbst dann, wenn der Mann ein Kotzbrocken ist?

Komödie der Münchner Tournee

„Was dem einen recht ist“ heißt das Theaterstück, das hoffentlich manch eine Dame auf diese Gedanken bringt. Die Komödie hat nun in Elmshorn die Gruppe der Münchener Tournee unter der Regie von Pascal Breuer auf die Bühne des Stadttheaters gebracht. Saskia Vester spielt die Rolle der Chirurgengattin Patricia – die, und man betet seit der ersten Szene dafür, gut daran täte, ihrem Mann Paul ins Gesicht zu spucken. Dieser, gerade 60 geworden, beschließt nämlich: „Ich fange ein neues Leben an. Und das, Patricia, ohne dich.“ Kurzerhand wird seine Ehefrau ersetzt durch eine Krankenschwester – 29 Jahre alt. Und Patricia? Die leidet. Verdammt noch mal, warum leiden wir Frauen wegen solcher Scheusale?

Das Stück behandelt die gesamte Bandbreite männlichen Arschlochtums. „Bitte hör auf, mir Schuldgefühle einzureden“, bittet Paul, gespielt von Norbert Heckner, seine Frau. Als wenn sie die Schuld an seinem jämmerlichen Charakter tragen würde. Obwohl – unschuldig ist Patricia nicht. Sondern seltsam gefangen in einem stereotypen Rollenbild, in dem Frauen vor allem eines zu tun haben: den anderen gefallen.

Das Stück ist arm an Überraschungen und auf weite Strecken vorhersehbar. Die Rollen bewegen sich in engen Grenzen gesellschaftlicher Klischees. Alte Ärzte, die mit jungen Krankenschwestern durchbrennen. Alte Frauen, die sich nicht mit jungen Männern verabreden wollen, denn „Was sollen die Leute denken?“ Damen, die sich zu dick finden und befürchten, für ihre Figur von Männern ausgelacht zu werden: Der Theaterabend trotzt vor gängigen und uninspirierten Schablonen. Aber – für jeden Zuschauer, der diese Ansammlung von Klischees durchblickt, für jeden Theaterbesucher, der sich am Ende fragt „Warum sind Männer/Frauen nur so?“ hat sich der Abend gelohnt. Denn ihnen wird nach dem Stück klar geworden sein, dass sie selbst nicht so leben müssen.

Nein liebe Frauen, wir sollten uns nicht dafür zuständig fühlen, ob unsere Männer sich wohlfühlen. Das kriegen die alleine hin. Also geht durch die Stadt, und lacht über jede Glatze, die euch über den Weg läuft. Denn Männer lachen auch über unsere Figur.

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