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Geringe Resonanz : Organisationen informierten die Bürger beim Tag der Elmshorner Geschichte

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Im Keller hatte das Stadtarchiv seine Türen fürs Publikum geöffnet.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Den Blechnapf trägt der Junge mit beiden Händen. Die Rechte hält zusätzlich einen Löffel, die Linke eine Scheibe dunkles Brot. Seine kurze Latzhose scheint aus Resten zusammengenäht, den Napf mit der Suppe hält er eng an die Brust gedrückt; ob wegen der Wärme oder als Schutz vor Verlust. Der Junge ist Elmshorner, seine Suppe wurde vom schwedischen Roten Kreuz finanziert. In den Nachkriegsjahren litten die Krückaustädter Not und waren auf Hilfe von außen angewiesen. Die „Schwedenspeisung“ hat der Elmshorner Fotograf Per Koopmann in beeindruckenden Bildern dokumentiert.

Der Junge mit dem Blechnapf dürfte heute Mitte siebzig sein; 1947 fotografierte Per Koopmann ihn auf dem Hof der „Blauen Schule“. Lebt er noch in Elmshorn oder seine Kinder oder Enkel? Geschichte ist nicht immer weit weg, viele historische Aspekte liegen gleich hinter der nächsten Ecke. Wie nah, davon konnten sich die Elmshorner am Sonntag beim fünften Tag der Elmshorner Geschichte überzeugen. Verschiedene Organisationen luden an mehreren Orten dazu ein, sich mit der näheren und weiteren Vergangenheit zu beschäftigen. Bedauerlicherweise nahmen recht wenige Besucher die Angebote wahr.

Koopmanns Schwarzweiß-Fotos von 1947 waren im Kranhaus ausgestellt. Der damals 19-jährige Fotograf erstellte nicht nur Zeitdokumente, ihm gelangen wunderbare Bilder. Gerd Schuldt hatte im Kranhaus die Nachmittagsschicht als Ansprechperson übernommen, die Besucher tröpfelten. „Sehr viele wollen auch wissen: ‚Was ist das Kranhaus‘“, berichtete Schuldt von seinen Gesprächen.

Weitere Stationen der Heimatgeschichte waren die Klostersande – dort wurden historische Filme und Fotos gezeigt – und das Industriemuseum, das in seine Dauerausstellung einlud. Jeweils mehrere Organisationen präsentierten sich in der Weißen Villa und im benachbarten Konrad-Struve-Haus der Ortsgeschichte. „Ein bisschen traurig“ zeigte sich Beate Maack-Krüger im Erdgeschoss der Weißen Villa. Dort kümmerte sie sich um die Ausstellung der Geschichtswerkstatt Hainholz und blieb fast allein: „Es ist kaum etwas los.“

Im Keller hatte das Stadtarchiv seine Türen fürs Publikum geöffnet. Arno Freudenhammer nahm das geringe Interesse gelassen: „Wir hatten Zeit für die Leute, die kamen.“ Freudenhammer kümmert sich im Stadtarchiv um den Bestand von 1,5 Millionen Fotos, von denen rund 200  000 als Dateien vorliegen. Er hatte auch die Koopmann-Ausstellung im Kranhaus konzipiert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingslage wollte er daran erinnern, dass 1949 in Elmshorn pro Einwohner gerade einmal sechs Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung standen und ein Drittel der Bevölkerung aus Flüchtlingen bestand.

Viele Besucher wollten im Stadtarchiv alte Ansichten ihrer Straßen oder Häuser angucken: „Die konnte ich gut bedienen.“ Und kaum erschien ein altes Bild auf dem Monitor, ging das Gespräch los: „Kennst du noch…“, „Erinnerst du dich...“ „Alte Fotos sehen, dann kommen Erinnerungen hoch“, sagte Freudenhammer. Nebenan war Enno Hasbargen vom Verein Spurensuche mit seinen sechs bis acht Besuchern vollauf zufrieden: „Das sind mehr als ich gedacht hatte.“ Spurensuche versucht, mit einer interaktiven Internetseite (spurensuche-kreis-pinneberg.de) vor allem Jugendliche für die Zeit der Nazi-Diktatur zu interessieren. Auf Karten von Städten sind Orte markiert, an denen Wichtiges geschah oder bedeutende Institutionen untergebracht waren. Die Initiatoren setzen auch dabei über Interesse durch Nähe. Zum Zwangsarbeiterlager Högplacken in der Plinkstraße 29 hat eine Schülerin kommentiert: „Ich wohne dort nur ein paar Straßen weiter und war, ehrlich gesagt, überrascht, dass es so nah von mir zu Hause etwas so Schlimmes gab“.

Im Konrad-Struve-Haus feierte am Sonntag die Vereinigung für Familienkunde ihren 65. Geburtstag mit einem Sektempfang. Anschließend kümmerten sich die Ahnenforscher um Gäste, die Namen und Daten aus ihrer Familiengeschichte suchten. „Wir konnten immer zumindest zum Teil helfen“, bilanzierte der Zweite Vorsitzende Jens Hachmann nachmittags. Den Zuspruch am Tag der Elmshorner Geschichte wertete er allerdings als „überschaubar“. Seine Vermutung: Am Sonntag fanden zu viele Veranstaltungen gleichzeitig statt, außerdem sei das Wetter zu gut gewesen: „In den Vorjahren war mehr los.“ Beim Heimatverein „Tru un fast“ sah es ähnlich aus: Engagierte Ehrenamtler warteten fast vergebens auf Interesse an ihrem Tun.

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