Online-Händler ab Sommer als IHK-Ausbildungsberuf

Der Verkaufsanteil, der über Online-Kanäle erzielt wird, steigt seit Jahren Jetzt bekommt die Branche ihren eigenen Kaufmannsberuf.
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Der Verkaufsanteil, der über Online-Kanäle erzielt wird, steigt seit Jahren Jetzt bekommt die Branche ihren eigenen Kaufmannsberuf.

Gastbeitrag: Die IHK führt neuen Ausbildungsberuf zum Kaufmann für E-Commerce ein / Ausbildungsstart ist im August 2018

shz.de von
06. Juni 2018, 00:00 Uhr

Während der Umsatz des deutschen Einzelhandels im ersten Halbjahr 2017 real um 3,1 Prozent wuchs, legten die Händler im Internet um neun Prozent zu. Deswegen die Ladentür zulassen und Kunden nur noch online bedienen? Auf keinen Fall. Aber bei der Auswahl der richtigen Vertriebswege spielen viele Faktoren eine Rolle.

Zum Beispiel kommt es darauf an, was für ein Produkt angeboten wird. Ist die Ware stark standardisiert, kann man sie gut online anbieten. Habe ich Produkte, die erklärt werden müssen, schätzen viele Kunden eine persönliche Beratung vor Ort.

Aber auch die Zielgruppe des Unternehmens spielt eine Rolle. Bediene ich vor allem junge Menschen, die sich täglich in sozialen Netzwerken bewegen? Dann kann es durchaus Sinn machen, das Ladengeschäft um einen Instagram-Kanal oder eine Facebook-Seite mit Verlinkungen zum Online-Shop zu ergänzen. Unterm Strich sollte man herausfinden, was das besondere seines Geschäfts ist. Ist es beispielsweise die erstklassige Beratung, ist das der Faktor, den man am deutlichsten herausstellen sollte. Und zwar auf allen Wegen: Im Laden, in der Kommunikation und im Onlinehandel. Und hat man ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber seiner Konkurrenz, wird man immer am Markt bestehen. Egal ob online oder offline.

Als eine der ersten Branchen bekamen die Buchhandlungen die Konkurrenz aus dem Web zu spüren. „Wir sind schon seit 1998 mit unseren Handel online“, erinnert sich Wolfgang Erichsen von der E und N Erichsen und Niehrenheim Buchhandlung.


Buchhändler im Fokus der Online-Konkurenz

„Allerdings bin ich kein Onlinehändler und will auch keiner werden“, stellt Erichsen klar. „Wir haben durch unseren Onlineshop quasi nur unsere Öffnungszeiten verlängert. Wenn nun jemand nachts um drei ein Buch bestellen will, kann er das auch bei uns.“ Das Kerngeschäft bleibt für E&N eindeutig der stationäre Handel. „Keine Beratung gibt es auch bei Amazon“, so Erichsen augenzwinkernd.

Auch wenn der Onlineshop nur eine Ergänzung zum Kerngeschäft ist, ist es wichtig, dass die Mitarbeiter die nötige Kompetenz haben. Um sie zu stärken hat die IHK einen neuen Ausbildungsberuf ins Leben gerufen. Der neue Ausbildungsberuf Kaufmann für E-Commerce wird zum 1. August erstmalig stattfinden. Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen online anbieten, können ihren Nachwuchs in diesem Bereich zukünftig selbst ausbilden. Dabei ist der neue Beruf sowohl für den Einzelhandel als auch für den Großhandel konzipiert.

Auch das Kieler Unternehmen Ocean-Basis GmbH wird dann ihren ersten Auszubildenden bekommen. „Bisher haben wir noch nicht ausgebildet, aber der neue Beruf passt perfekt zu unseren Unternehmen“, erklärt Michael Hamann. Seit drei Jahren ist er für den Onlinehandel zuständig. „Zu unseren Vertriebskanälen gehört mehr als der Shop auf unserer Seite. Alle Prozesse im Hintergrund laufen automatisch ab, nur so kann das Unternehmen skalieren. Per Hand sind Verkauf und Logistik irgendwann nicht mehr zu leisten. Deswegen ist es auch sinnvoll, dass wir das Wissen in der Firma aufbauen und dass es dann auch bei uns bleibt“, erklärt Hamann. „Ich bin gespannt, wie die Berufsschulen das Thema umsetzen. Aber das wichtigste ist, dass mit der neuen Ausbildung ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde.“

Weitere Infos gibt es auf der Seite www.ihk-schleswig-holstein.de


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