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Elmshorner Bahnhofsmission : Oft „die Einzigen vor Ort“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Hilfeleistungen der Elmshorner Bahnhofsmission sind im Jahr 2013 stark angestiegen. „Ohne Spenden könnten wir diese Arbeit nicht leisten“, sagt Leiterin Wiebke Turat. Dabei haben sie noch nicht einmal fließendes Wasser.

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erstellt am 11.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Ein Blick auf die bisherige (und noch nicht ganz abgeschlossene) Jahresstatistik 2013 der Elmshorner Bahnhofsmission stimmt nachdenklich. Wurden im Vorjahr rund 10 000 Kontakte von Hilfesuchenden registriert, sind es zum gegenwärtigen Zeitpunkt für das laufende Jahr bereits 12 354.

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung in Elmshorn stellt in den Augen der Leiterin Wiebke Turat der neue Raum der Mission dar, der sich in der Eingangshalle des Bahnhofsgebäudes befindet. Seit April 2013 agieren Turat und ihr Team von dort aus und sind seither „einfach wesentlich präsenter“. Vorher befand sich die Mission im oberen Gebäudetrakt des Bahnhofs, was offensichtlich für viele Hilfesuchende eine mitunter unüberwindbare Hürde darstellte beziehungsweise die Hemmschwelle vor dem Eintritt erhöhte. Doch das sei jetzt völlig anders geworden. Der neue Raum, der früher unter anderem als Zeitschriften-Kiosk verwendet wurde, sei von außen gut einsehbar und auch barrierefrei zugänglich. Ein Umzug war erforderlich geworden, weil die bisherige Räumlichkeit aufgrund ihres maroden Zustands kein vernünftiges Arbeiten mehr zuließ. „Die Menschen sehen uns in der neuen Räumlichkeit sofort, und der Eintritt fällt ihnen daher offenbar wesentlich leichter“, so Turat.

Die Hilfesuchenden haben unterschiedliche Anliegen. So gibt es zuhauf Fragen zum Bahnverkehr, da häufig – wie beispielsweise als das Sturmtief Christian zu zahllosen Zugausfällen führte – nicht einmal erklärende Durchsagen auf den Bahnsteigen zu vernehmen waren. Aber auch konkrete Hilfestellungen sind gefragt, wenn beispielsweise jemanden das Gepäck entwendet wurde und das Weiterkommen dadurch erschwert war oder wenn ein Kind seine Mutter aus den Augen im Bahnhofsbereich verloren hat. Auch helfen die Teammitglieder beim Ein- und Aussteigen – vor allem Menschen mit Behinderungen samt Rollstuhl mittels eines Hublifts. Bei vielen anderen Nöten sind ihre Kenntnisse und das Knowhow gefragt. Das Weiterleiten an weitere Hilfesysteme sei daher ein elementares Aufgabenfeld der vorrangig ehrenamtlichen Mitglieder.

Derzeit gehören der Elmshorner Bahnhofsmission zwölf Personen an, darunter zwei Rollstuhlfahrerinnen. Aber der Bedarf an weiteren Menschen, die im „Sozialraum Bahnhof“ mitarbeiten, ist groß. „Wir würden uns freuen, wenn wir das Team auf 20 Personen aufstocken könnten“, erklärt Michael Martischus, der seit sechs Jahren dabei ist und sich als Rentner sehr über diese „sinnvolle Tätigkeit“ freut.

Aber nicht nur der Bedarf an weiteren Helfern ist groß, sondern auch an Geldmitteln. „Ohne Spenden könnten wir diese Arbeit nicht leisten“, betont Turat. Die Bahn stellt zwar die Räumlichkeiten zur Verfügung und übernimmt die Zahlung der Nebenkosten, aber derzeit verfügt die Elmshorner Bahnhofsmission noch nicht einmal über fließendes Wasser. Die Ehrenamtler müssen das Wasser von der Damentoilette holen. Deprimierend, wie das Fazit der aktuellen Statistik insgesamt: „Es gibt immer mehr Menschen mit psychischen Problemen und immer mehr Einsame, die zur Bahnhofsmission kommen, weil sie sonst niemanden haben“, erklärt Natalie Lux vom Diakonischen Werk Rantzau-Münsterdorf, das neben der Caritas die Mission unterstützt. Bei vielen Personen, vor allem allein stehenden Männern, sei es oft einfach nur der Wunsch – so Turat bestätigend – mal ein „normales Gespräch“ zu führen.

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