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Stadtverordnetenkollegium : Offener Machtkampf in Elmshorns CDU

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Ex-Fraktionschef der CDU, Andreas Hahn, attackiert seinen Nachfolger Christian Saborowski öffentlich im Elmshorner Stadtverordnetenkollegium.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 06:00 Uhr

In der Elmshorner CDU muss es lange gebrodelt haben. Im Sommer, als Christian Saborowski den langjährigen Fraktionschef Andreas Hahn in einer Kampfabstimmung ablöste, konnte man die Probleme erahnen. Jetzt aber sind sie offensichtlich. In aller Öffentlichkeit stellte Hahn während der Sitzung des Stadtverordnetenkollegiums am Donnerstagabend seinen Nachfolger bloß. Er übte scharfe Kritik an dessen Arbeitsweise. Es ist ein offener Machtkampf innerhalb der Fraktion entbrannt.

Hahn hatte seinen Angriff auf die Person Saborowski in seine 20-minütige Rede zum Haushalt verpackt. Er warf dem neuen Fraktionsvorsitzenden vor, zu Beginn der Amtszeit vollmundig versprochen zu haben, dass sich die CDU unter seiner Führung deutlich von anderen Parteien absetze und mehr Flagge zeige. „Aber jetzt sind alle Beschlüsse doch wieder einhellig getroffen worden“, sagte Hahn. Er forderte Saborowski auf, seine „skeptische Haltung“ gegenüber allem aufzugeben.

Angesprochen auf seinen öffentlichen Angriff auf Saborowski äußerte sich Hahn gestern auf Anfrage unserer Zeitung überrascht. „Ich will ihn nicht kippen“, sagte das CDU-Urgestein, das bis zum Sommer 32 Jahre lang den Fraktionsvorsitz inne hatte. Einen Satz später klang das schon wieder ganz anders. „Ich bin in meiner Position so frei, dass ich die Schwachpunkte benennen kann.“ Und Hahn legte nach. Man müsse sich auf einen Politikstil innerhalb der Fraktion verständigen. Entweder wohlüberlegte und abgewogene Entscheidungen zu treffen – oder, wie seit einigen Monaten üblich, einfach wild drauflos Anträge zu stellen ohne jedes Hintergrundwissen. „Diese Art ist eine Blamage gegenüber den anderen Parteien. Als CDU wollen wir ein ernstzunehmender und verlässlicher Partner sein“, so Hahn.

Saborowski selbst war konsterniert ob des öffentlichen Angriffs. Er wolle sich nicht zu der Sache äußern, dies müsse fraktionsintern geklärt werden. Eines sagte er aber doch: „Auf das Niveau von Herrn Hahn lasse ich mich nicht herab. Das ist unwürdig für Politik.“

Die Stimmung bei der Weihnachtsfeier der Partei gestern Abend dürfte Hahn mit seinem Auftritt verdorben haben. Auf den Tisch kommen wird der offen ausgetragene Konflikt auf jeden Fall bei der nächsten Fraktionssitzung am 7. Januar. Wie es danach in der CDU weitergeht, ist völlig offen. Bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden hatte sich Saborowski mit 8:4 Stimmen gegen Hahn durchgesetzt, eines von 13 Mitgliedern hatte dabei gefehlt. Für einen Ausschluss eines Fraktionsmitglieds reicht eine einfache Mehrheit. Der Sitz im Stadtrat ist davon nicht betroffen.

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