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Bürgermeisterin Brigitte Fronzek : Nur noch das tun, was wirklich Spaß macht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach 18 Jahren als Bürgermeisterin verabschiedet sich Brigitte Fronzek heute in den Ruhestand. In der Anfangszeit hatte sie als Frau mit Vorurteilen zu kämpfen.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Heute ist offiziell der letzte Tag an dem Brigitte Fronzek Bürgermeisterin Elmshorns ist. 18 Jahre lang führte die Sozialdemokratin, als erste hauptamtliche Frau in dieser Position, die Stadt durch nicht immer leichte Zeiten. 1995 wurde sie von der SPD-Fraktion und der Fraktion „Die Grünen“ zur Bürgermeisterin gewählt. Damals war eine Frau als Verwaltungschefin noch etwas Besonderes. „Heutzutage sind Frauen in Führungspositionen besser gestellt. Sie sind in Regierung, Bundestag und in Landtagsfraktionen vertreten und werden nicht mehr so stark zurückgedrängt wie noch vor 20 Jahren. Aber: Es gibt immer noch gewisse Vorbehalte, vor allem gegen junge Frauen und Frauen mit kleinen Kindern.“ Zur Verdeutlichung nennt Fronzek die oft gestellte Frage an Frauen, wie sie Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bekommen. „Diese Frage würde man einem Mann nicht stellen.“

Brigitte Fronzek wurde 2001 und 2007 als Bürgermeisterin wiedergewählt. Zuerst bei drei Gegenkandidaten mit knapp 55 Prozent der Stimmen, dann bei zwei Gegenkandidaten mit gut 83 Prozent der Stimmen. Sie hat ihr Amt gern ausgeübt. Es sei vielseitig. Als Chefin von mehr als 450 Mitarbeitern und in Zusammenarbeit mit Externen habe man viel gemeinsam für die Stadt erreicht wie beispielsweise die Wiederbelebung des alten Hertie-Hauses oder die Hainholzsanierung. „Das war nur möglich, weil sich die Politik ein Stück weit untereinander einig war.“ Dass man in Elmshorn parteiübergreifend zum Wohle der Stadt an einem Strang ziehen könne, betont sie voller Respekt. Nur mit einer schnellen Verwaltung könne man Zuschüsse von Bund, Land oder EU erhalten, um damit Schulbausanierungen zu verwirklichen oder eines ihrer größten Projekte, die Klappbrücke über die Krückau, mit mehr als 50 Prozent Förderung durchzuführen.

Es gab natürlich auch Rückschläge in der beruflichen Laufbahn von Brigitte Fronzek. So wollte sie 2003 Landrätin im Kreis Pinneberg werden – und scheiterte in einer Direktwahl gegen Wolfgang Grimme (CDU). Auch das Amt der Ministerpräsidentin war 2010 Thema. Sie trat als einzige Frau gegen drei Männer an und unterlag. „Ich habe mir aufgrund meiner Erfahrungen als Bürgermeisterin und Anwältin zugetraut, Ministerpräsidentin zu werden“, bestätigt sie in einem Zeitungsinterview. „Mein Mann hat immer gesagt, dass ich nicht Ministerpräsidentin geworden bin, weil es mir nicht wichtig genug war.“

Dass politische Mitbewerber darauf warteten, dass sie eine falsche Entscheidung trifft, ist für Brigitte Fronzek nichts Besonderes, sei aber mental anstrengend. Nur gegen eine gute Idee zu sein, weil sie nicht von der eigenen Partei komme, findet sie kontraproduktiv. Sie wollte Wählerstimmen nie aus dem Konflikt zwischen anderen generieren, sondern durch persönlichen Stil und eigene Gedanken überzeugen. Das sei ihr über die 18 Jahre oft geglückt, doch scheidet sie mit dem Wissen aus dem Amt, dass es auch heute noch Gruppierungen gibt, die froh sind, dass nun wieder ein Mann Bürgermeister wird.

Brigitte Fronzek kennt durchaus das Gefühl von Selbstzweifeln. „Manchmal kann man ja erst im Nachhinein sagen, ob eine Entscheidung gut oder schlecht war.“ Die Kibek-Ansiedlung am Grauen Esel gehört für sie zu denen die „sicher richtig“ waren.

1968, frisch von einem einjährigen USA-Aufenthalt nach Hause zurückgekehrt, wollte sie dafür eintreten, dass es in ihrer Heimat nie so eine soziale Spaltung wie in den Staaten geben solle. „Wenn man Frieden will, darf Arm und Reich nicht auseinanderdriften.“ Deshalb trat sie mit 17 Jahren in die SPD ein. Ich bin eine überzeugte Anhängerin der repräsentativen Demokratie.“ Fronzek war immer bereit, demokratische Entscheidungen ihrer Partei mitzutragen, auch wenn man persönlich nicht alle gut finden würde. „Politik ist ein Mannschaftsspiel“, meint sie. Zwar müsse man, wenn man die Basis der eigenen Überzeugung in seiner Partei nicht mehr abgebildet sehe, gehen, „aber ich würde vorher immer versuchen, die Partei von meinen Vorstellungen zu überzeugen“. So blieb Fronzek ihr Leben lang in der SPD, auch wenn sie nicht hinter allen Entscheidungen wie den Notstandsgesetzen oder dem Nato-Doppelbeschluss stand. Hinter der 1993 beschlossenen Frauenquote dagegen steht sie uneingeschränkt, wenn auch zuerst unsicher wie sie funktionieren sollte. „Damals war ich politisch noch nicht aktiv und fragte meinen Mann: Wo wollen die denn so qualifizierte Frauen hernehmen?“ Dieser antwortete: „Ach, und meinst du die ganzen Männer sind es?“

„Vielleicht werde ich mal ein Buch über meine Zeit als Bürgermeisterin schreiben – nicht als Biografie, aber mit einem Augenzwinkern die eine oder andere Situation kommentieren“, meint die 61-Jährige. Vor allem möchte die Ruheständlerin sich jetzt um die Familie kümmern. Sohn Christopher (Jg. 1985) ist Diplomat und lebt mit Frau und dem 15 Monate alten Enkel Ole in Georgien. Auch Tochter Dorothee (Jg. 1988), die zurzeit in Australien ihren Master in „Social Work“ macht, wird sie besuchen.

Und dann sind da noch drei Personen, die Brigitte Fronzek sehr am Herzen liegen. Ihr noch berufstätiger Mann, der Arzt Thomas Fronzek, mit dem sie im Sommer auf Ostsee-Segeltouren gehen möchte. „Das wird der Himmel auf Erden sein – jedes Wochenende mit unserer ‚X‘-Yacht loskönnen, so wie wir wollen und Lust haben.“ Und dann sind da noch ihre Eltern, die es der Tochter seinerzeit erst durch „Babysitten“ ermöglichten, ganztägig berufstätig zu sein. „Wir werden dann irgendwo hinfahren, wo es schön ist, nett Kaffee trinken und es uns gut gehen lassen.“ Ich möchte als Ruheständlerin überhaupt nur noch das tun, was mir Freude macht.“

So wird sie heute sicher voller Vorfreude ihr Amtszimmer leergeräumt und für Nachfolger Volker Hatje freigegeben haben. Als letztes will sie ihre Eulen von der Fensterbank räumen – und zu den 200 weiteren zu Hause stellen.

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