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Elmshorner Nachrichten

24. August 2017 | 01:53 Uhr

Elbmarschenhalle : Nordi Car Classic in Horst

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

So wird die Straße zum Laufsteg. 10.000 Besucher und viele Träume aus Chrom und Lack.

Horst | Der eine trägt Leder-Autofahrerhandschuhe, wenn er in seinen glänzenden Morgan mit Ledersitzen steigt, einen englischen, offenen Sportwagen. Der andere fährt in einem grauen Opel Rekord Kombi vor, der nach Alltagsbetrieb aussieht, und steigt in dreckigen Malerklamotten und Sandalen aus seinem Oldtimer. Beide eint die Leidenschaft für alte Autos, und die hat sie am Wochenende nach Horst geführt. Dort fand die Nordi Car Classic statt, eine jährliche Messe rund um alte Motorfahrzeuge.

Vor dem Eingang zur Elbmarschenhalle war ein Bereich mit Bauzäunen abgesperrt: Dort durfte nur rein, wer mit einem historischen Fahrzeug angereist war. Damit erweiterte der Veranstalter, das Agenturhaus aus Lübeck, die Ausstellung um viele Schätze, die gebührend bestaunt wurden. Ins Gespräch kam man schnell: „Das Licht ist noch an“, sagte ein Passant zum Fahrer, der gerade seinen Oldtimer eingeparkt hatte. „Danke“, antwortete der; „schönes Auto“, befand der Passant, und schon lief die Unterhaltung.

Vor der offenen Motorhaube eines Lancia standen drei Männer. Der mittlere zeigte auf einen Teil des Motors: „Hier sind die Kipphebel“, die beiden anderen guckten interessiert. Immer wieder blubberte ein amerikanischer Achtzylinder, wenn ein Ford Mustang, ein Mercury oder eine Corvette ein- oder ausparkte. Wer vorfuhr, hatte einen Auftritt, egal ob im Jaguar oder Borgward, im Käfer oder mit einer Ente.

 Zwei Besucher verlassen die Oldtimer-Messe in einem Ford Mustang Cabrio. (Foto: Roolfs)
Zwei Besucher verlassen die Oldtimer-Messe in einem Ford Mustang Cabrio. (Foto: Roolfs)
 

Dass die Lübecker Veranstalter mit Horst im Hamburger Einzugsgebiet einen guten Standort für ihre Herbst-Oldtimermesse gefunden haben, las Projektleiter Malvin Neugebauer daran ab, dass in diesem Jahr erstmals das Hamburger Porsche Zentrum mit einem Stand vertreten war. Die Besucherzahl für beide Tage schätzte Neugebauer am Sonnabend wie im Vorjahr auf „knapp unter 10.000“. Damit zeigte er sich „recht zufrieden“, zumal die Insolvenz des vormaligen Hallenbetreibers unter den Ausstellern für Verunsicherung gesorgt und auch Neugebauer selbst mit den Folgen zu kämpfen hatte: Bauzäune und Teppichfliesen waren als Insolvenzmasse zu Geld gemacht worden, die Messe-Veranstalter mussten kurzfristig für Ersatz sorgen.

Oldtimerhändler, verschiedene Clubs und Zubehörhändler: Insgesamt präsentierten sich in der Elbmarschenhalle 55 Aussteller. Fotograf Dieter Klein zeigte Fotos von malerischen amerikanischen Auto-Friedhöfen, es gab „chemische Schweißnähte“, Chrompolitur und Korrosionsschutz zu kaufen, Lederhosen und –jacken fürs stilvolle Outfit, Armbanduhren mit Tachoskala statt Stundenzahlen, ein Klapprad aus der ehemaligen DDR für 180 Euro, Modellautos und „original VW Currywurst“.

Manfred Bayer aus Kölln-Reisiek mit seinem selbst restaurierten Jaguar E Type. (Foto: Roolfs)
 

„Es ist eher so ein Altherrenhobby“, kommentierte Christian Grünz aus Elmshorn die Leidenschaft für alte Autos. Unter den Besuchern waren die Männer eindeutig in der Mehrheit, beim Fachsimpeln praktisch unter sich. Grünz war am Stand der Elmshorner Interessengemeinschaft für Young- und Oldtimer, dort präsentierten sich Liebhaber mit ihren Fahrzeugen. Grünz hatte seinen Saab 96 L dabei und schwärmte von der Solidarität der Schrauber: „Mensch, das hast du gut hingekriegt“, bei diesem Lob für eine gelungene Restaurierung spiele die Marke des Autos keine Rolle. Aber so liberal sahen das offenbar nicht alle Enthusiasten: Ein Mann huschte aus dem Bild, als ein Fotograf sich hinkniete, er wollte nicht „mit einem Engländer“ aufs Bild; damit meinte er den Jaguar E Type, den sein Besitzer Manfred Bayer in 2800 Stunden restauriert hat. 220 läuft er, wegen des amerikanischen Differenzials in der Hinterachse etwas langsamer, als die europäische Variante, erklärte Bayer: „Der muss auch mal getreten werden, dafür ist er da.“

Wer wollte, konnte gleich mit einem passenden Mobil in das Hobby einsteigen: Ein Ford A von 1929 stand für 15.500 Euro zum Verkauf, ein Ford Thunderbird für 13.500, ein BMW 323i für 15.000. Da standen Protzgefährte wie eine Corvette mit LEDs am Kühlergrill neben einem gut 40 Jahre alten Hanomag Henschel Pritschenwagen, bei dem der Lack und das Holz der Ladefläche aussahen, als wäre das Auto gerade vom Band gelaufen.

Das ganze Rätsel der Oldtimer-Leidenschaft brachte eine junge Frau auf den Punkt, als sie mit ihrem Begleiter zusah, wie zwei Männer in einem BMW 635 CSi abfuhren, und sie ihren Partner fragte: „Wieso fahren zwei so alte Herren einen sportgetunten Wagen?“

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erstellt am 26.Okt.2015 | 12:15 Uhr

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