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Elmshorner Nachrichten

12. Dezember 2017 | 07:45 Uhr

Fahrradklima in Elmshorn : Nicht gerade rosig

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Note 3,9 für Elmshorn bei bundesweitem Test. Landesweit Platz 11 unter 21 Kommunen. Nur ganz leichte Verbesserung seit 2012.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Es steht keine Vier mehr vor dem Komma. Elmshorn erhielt beim sechsten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) die Note 3,9 – gerade noch befriedigend. Bei der letzten Erhebung dieser Art im Jahre 2012 vergaben die Teilnehmer noch die Note 4,1. Insgesamt 186 Elmshorner beantworteten diesmal die 27 Fragen des ADFC, deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Damals gingen 328 ausgefüllte Bögen ein.

Fazit für Elmshorn: Im Vergleich zu den Ergebnissen von 2012 ergibt sich ein leicht verbessertes Bild. Eine solche positive Tendenz ist nur bei drei der insgesamt 21 bewerteten Städten und Gemeinden mit weniger als 50.000 Einwohnern in Schleswig-Holstein ablesbar.

Für Radfahrer an der Krückau scheint sich die Lage gerade in den vergangenen Jahren etwas zum Guten gewendet zu haben. Dies zeigt sich besonders bei einer der Fragen: In mehr als der Hälfte der ausgefüllten Bögen bestätigten die Teilnehmer, dass in jüngster Zeit etwas für den Radverkehr getan wurde – Note 3,4 in diesem Fall. Die Durchschnittsnote für die bundesweit 292 bewerteten Städte in der Größenordnung fiel mit 3,9 klar schlechter aus, und 2012 gab es bei diesem Thema für Elmshorn noch die Note 4.

Da der Test auf einem freiwilligen Aufruf beruht, muss die Aktion mit Skepsis betrachtet werden. Dennoch geben die ausgewerteten Antworten des vom Bundesverkehrsministerium geförderten und vom infas Institut für Sozialforschung unterstützten Tests Anhaltspunkte für die Politiker. Dieser Meinung ist auch der ADFC-Landeschef Heinz-Jürgen Heidemann aus Kellinghusen: „Der Fahrradklima-Test liefert zwar kein wissenschaftliches Ergebnis, aber ein verlässliches Stimmungsbild für die Situation vor Ort lässt sich ablesen.“

Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Rad erhielt von den Elmshornern die beste Note (2,2), die schlechteste gab es dafür, dass es keine öffentlichen Leihfahrräder wie zum Beispiel in Hamburg gibt (5,1). Auch die Oberflächenbeschaffenheit der Radwege wird stark kritisiert (4,9). Bei diesem Punkt ist die bundesweite Durchschnittsnote mit 3,7 immerhin mehr als eine Notenstufe besser.

Zu viele Fahrräder werden gestohlen

Gut finden die Elmshorner dagegen, dass so viele Menschen unterschiedlichen Alters in der Stadt mit dem Rad unterwegs sind (2,6) und man relativ zügig ans Ziel kommen kann (2,6). Bei allen sieben Fragen zum Themenkomplex Sicherheit schneidet Elmshorn überdurchschnittlich schlecht ab. Besonders drastisch ist der Unterschied zum Durchschnitt beim Fahrraddiebstahl. Der kommt nach Meinung der Elmshorner viel zu häufig vor. Die Note: 4,3 – im Bundesdurchschnitt gab es eine 3,5.

Schaut man auf die schlechtesten Noten im Fragebogen (4,5 und schlechter), ergeben sich als Rückschluss daraus folgende Wünsche: Öffentlich zugängliche Leihfahrräder, Herrichtung der Beläge bei Radwegen und Radstreifen, bessere Verkehrslenkung bei Baustellen, breitere Radwege, besser abgestimmte Ampelschaltungen und mehr Reinigungen sowie Winterdienste auf den Radwegen.

Elmshorn liegt mit der Gesamtnote 3,91 auf Rang elf unter den 21 teilgenommenen Städten und Gemeinden unter 50.000 Einwohner in Schleswig-Holstein. Also absoluter Durchschnitt. Bundesweit reicht das Ergebnis für Platz 195 von 292 Kommunen in der Größenordnung. Beste größere Stadt ist erneut Münster mit der Gesamtnote 2,5. Kiel liegt mit 3,54 auf Platz 6 und Hamburg erhielt die Note 4,28 – Platz 35 unter den 39 Großstädten im Test.

Im Kreis Pinneberg haben sich neben Elmshorn drei weitere Städte beteiligt: Quickborn erreichte mit 68 eingegangenen Fragebögen die Note 3,79 (Rang 5 in Schleswig-Holstein), Pinneberg bei 84 Bögen die Note 4,39 (Rang 21, also Schlusslicht im Land) und Wedel bei nur 51 Teilnehmern die Note 4,25 (Rang 18). Interessant: Die vor Elmshorn fünftgrößte Stadt Schleswig-Holsteins, Norderstedt, erhielt die Note 3,29 und damit den achten Platz unter allen 100 teilgenommenen deutschen Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Und: Norderstedt erreichte nach Schwerin und Iserlohn den dritten Platz als Stadt mit den größten Verbesserungen im Fahrradklima.

Großes Interesse beim Thema Radverkehr

Obwohl die Teilnehmerzahl in Elmshorn im Vergleich zum Test 2012 gesunken ist, scheint das Thema Radfahren die Menschen an der Krückau nach wie vor überdurchschnittlich stark zu interessieren. Der Grund: 186 ausgefüllte Fragebögen entsprechen 39 pro 10.000 Einwohner. In nur 144 der insgesamt 468 beteiligten Städten und Gemeinden in ganz Deutschland war die Resonanz auf den Fahrradklimatest größer als in Elmshorn.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist laut Auskunft der Organisation die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit. Der Test  wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Mehr als 100.000 Menschen hätten bei der sechsten Auflage im Herbst 2014 abgestimmt. Der Test bestand aus 27 Fragen. Die Teilnehmer bewerteten mit Noten von 1 bis 6 beispielsweise, ob Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob die Stadt in letzter Zeit viel für den Radverkehr getan hat, ob es häufig Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern gibt und ob man sich als Radfahrer sicher fühlt. Nur 16 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien ADFC-Mitglieder, so der Club.
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