Elmshorn : Neues Leben zieht in alte Villa

Noch viel zu tun: Die Renovierung ist noch in vollem Gange.
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Noch viel zu tun: Die Renovierung ist noch in vollem Gange.

Immobiliengruppe kauft den 610-Quadratmeter-Bau für 700 000 Euro von den Regio-Kliniken

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23. November 2013, 16:00 Uhr

In eine der prominentesten Villen der Stadt kehrt das Leben zurück. Das Herrenhaus im Mühlendamm direkt gegenüber vom Steindammpark dient künftig der Fineline Immobiliengruppe als Firmensitz. Das Unternehmen hatte die Villa vor einem Jahr von den Regio-Kliniken gekauft (wir berichteten). Rund 700 000 Euro legte Fineline für das 610 Quadratmeter große Prachtstück auf den Tisch. Nach umfangreichen Sanierungen soll nun am 16. Dezember der neue Firmensitz an der Krückau bezogen werden. Bisher sind die 20 Mitarbeiter der Immobiliengruppe im Elmshorner Dienstleistungszentrum (EDZ) am Ramskamp untergebracht. „Wir freuen uns auf unser neues Domizil“, sagt Kai Engelbrecht, der das Unternehmen 1991 gemeinsam mit Uwe Christlieb gegründet hat.

Das Herrenhaus passt gut zu Fineline. Denn die Immobiliengruppe projektiert unter anderem auch die Modernisierung von Altbauten. „Häuser aus vergangenen Epochen stilgerecht zu erhalten und mit innovativer Technik auszustatten, ist eine unserer Leidenschaften. Als der Verkauf der Villa anstand, wollten wir zum Erhalt des alten Stadtbildes Elmshorns beitragen und die Villa als eines von mehreren angesehenen Stadthäusern schützen“, erläutert Engelbrecht. Die B&S Massivbau GmbH, ein Unternehmen der Finelinegruppe, renovierte die alte Stadtvilla mit den insgesamt 18 Zimmern, drei Küchen und vier WCs – so, dass am Mühlendamm künftig mit Immobilien gehandelt werden kann.

Eine völlig neue Nutzung des alten Gemäuers, das eine wechselvolle Geschichte unter anderem als Entbindungsstation und Kinderheim hinter sich hat. Errichtet wurde die Villa 1905 von Barthold Ferdinand Piening. Der zweite Sohn von Hinrich und Wilhelmine Piening hatte 1888 die veraltete Wassermühle am Mühlendamm von seinen Eltern erhalten. Er modernisierte den Betrieb und ließ das zweieinhalbgeschossige Herrenhaus schließlich gegenüber der Kornwassermühle errichten. „Die Baudetails wie der halbe Zwiebelturm und der Erkervorbau zeigen, dass der Baustil noch stark dem Historismus des 19. Jahrhunderts verhaftet ist“, sagt Engelbrecht. Der Architekt konstruierte die Fabrikantenvilla mit Teilfachwerk im Obergeschoss, großen Feldsteinen im Sockelbereich sowie mit Stuck in der Halle des Erdgeschosses.

Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Betriebsanlage zerstört. Die Villa aber blieb erhalten und bis 1941 in Familienbesitz. Die Stadt Elmshorn erwarb das Herrenhaus und richtete hier zunächst ein Kinderheim ein. Ab 1945 nutzte die Stadt das Gebäude als Frauen- und Entbindungsstation des Krankenhauses, da die Klinik in der Amandastraße bei einem Bombenangriff stark beschädigt wurde. Danach wurde in der Villa ein Jugendheim eingerichtet. 1978 zog das „Sozialtherapeutische Zentrum“ in das Haus, bevor es ab 2004 der Regio-Kliniken GmbH als Domizil diente.

Mitte Dezember wird nun also ein neuen Kapitel in der Geschichte der Villa am Mühlendamm aufgeschlagen.

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