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Elmshorn : Neues Konzept: Kita als Haus für die ganze Familie

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Neues Konzept des Landes wird auch in drei Einrichtungen in Elmshorn umgesetzt. Grüne besuchten Kindergarten Turnstraße.

Elmshorn | Grau ist jede Theorie sagten sich offenbar die beiden Landtagsabgeordnetinnen der Grünen, Ines Strehlau und Anke Erdmann. Sie stellten sich die Frage: Was passiert eigentlich vor Ort bei der Einrichtung von Familienzentren und wollten sich ein Bild davon machen, wie das von der Landesregierung 2014 initiierte Konzept in der Praxis umgesetzt wird. Deshalb besuchten Strehlau als Grünen-Landtagsabgeordnete des Kreises Pinneberg sowie ihre Kollegin Erdmann, Vorsitzende des Bildungsauschusses im Land sowie Kita- und schulpolitische Sprechern der Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, die Elmshorner Kindertagesstätte (Kita) Turnstraße.

Die Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Nachbarschaft der Friedrich-Ebert-Schule ist erst seit einigen Wochen auf dem Weg, ein Familienzentrum zu werden – eines von 100 in Schleswig-Holstein, acht im Kreis Pinneberg und drei in Elmshorn. Jährlich wird jedes Zentrum vom Land mit gefördert, Mit jeweils 25.000 Euro, also insgesamt 2,5 Millionen Euro, fördert das Land dieses Jahr die ausgewählten Einrichtungen, zu denen in Elmshorn auch die Familienbildungsstätte und eine Kindertagesstätte der Lebenshilfe gehören.

Was ist eigentlich ein Familienzentrum? Einrichtungen – zumeist Kindertagesstätten – sollen über ihre vorrangige Aufgabe hinaus, zu einer Anlaufstelle für die ganze Familie werden, Eltern wie Kindern in vielfacher Hinsicht bei der Entwicklung Hilfe und Unterstützung bieten sowie Angebote zur Förderung eines positiven Familienumfeldes machen – und das alles direkt und ohne große Hürden sowie bürokratischen Aufwand.

Dabei können die Wege zum Ziel je nach Art und Ort der Einrichtung unterschiedlich sein, weil sie sich direkt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Familien ausrichten sollen. Schwerpunkte sind aber generell Bildungs- und Beratungsangebote. Dazu gehören auch Orientierungshilfen für verunsicherte Eltern und die Unterstützung von Familien mit Problemen aufgrund von Trennung und Scheidung oder auch von Flucht sowie Migration. Auch Sport und Kultur sowie Umwelt- und Gesundheitsthemen werden für eine positive Entwicklung der Kinder und Familien aufgegriffen.

Gesund: Kochkursus als Familienhilfe

Letzteres wird neben anderen Aspekten in der Kindertagesstätte Turnstraße mit als erstes in Angriff genommen. Wie die Leiterin der Einrichtung mit ihren 140 Kindern, Monika Bötticher, den Grünen-Politikerinnen schilderte, laufe demnächst ein Kochkursus für Eltern an, um praktisch zu zeigen, wie günstig, aber dennoch gesundes Essen auf den Tisch kommt. „Durch den gesellschaftlichen Wandel stehen Familien heute viel öfter mit ihren Problemen allein da“, meint Bötticher. Viele Eltern müssten beide arbeiten, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, andererseits fehlten die früheren Tipps und Hilfen aus den größeren Familien oder auch der Nachbarschaft zunehmend.

Der Weg zum Familienzentrum wird vom Land hauptsächlich durch Personalkosten unterstützt, denn für die Neuausrichtung und die Angebote brauchen die Einrichtungen neben der Fortbildung des Personals eine Koordinierungsstelle für die Angebote.

Dies erledigt in der Kita Turnstraße seit Anfang des Monats die Erzieherin Ute Münster. Sie kümmert sich unter anderem darum, dass die Turngruppen in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Schule in deren Halle stattfinen können, Ökoprojekte in Kooperation mit dem Abwasserzweckverband anlaufen und das neue multikulturelle Team der Kita arbeiten kann.

Die beiden Grünen-Politikerinnen zeigten sich nach ihrem Besuch in der Elmshorner Einrichtung davon überzeugt, dass die 25.000 Euro für die Halbtagsstelle der Koordinatorin unerlässlich und gut angelegtes Geld sei. Sie lobten das Engagement aller Beteiligten vor Ort und die Abgeordnete Strehlau auch den Kreis Pinneberg. Er habe sich bei der Einrichtung von Familienzentren „schnell auf den Weg gemacht“.

Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) sagt zum Thema Familienzentren: „Wir wollen qualitativ vorankommen – auch mit Angeboten, die nicht nur die Kinder im Fokus haben, sondern auch ihre Eltern und Familie insgesamt stärker in den Blick nehmen.“ Familien seien mit wachsenden und auch widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert. Eltern müssten höhere berufliche Anforderungen und ihre Familie vereinbaren. Sie hätten mehr Fragen und seien im Umgang mit der Erziehung unsicherer als früher. Es gehe deshalb vermehrt darum, Eltern auch in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken.
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erstellt am 18.Mär.2015 | 10:00 Uhr

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