Neue Masche: Strickerei in der City

Auch das Hafenstraßenschild ist bunt verkleidet.
1 von 4
Auch das Hafenstraßenschild ist bunt verkleidet.

Das „Guerilla Knitting“ hat jetzt auch Elmshorn erreicht: An zahlreichen Pfählen in der City hängen bunte Woll-Werke.

shz.de von
25. Juni 2014, 13:00 Uhr

Elmshorn | Ist das Kunst, oder kann das weg? Diese Frage stellen sich seit kurzem viele Elmshorner, während sie durch die Innenstadt laufen. Der Grund ist das „Guerilla Knitting“, ein wachsender Trend aus Amerika. Dabei handelt es sich um eine moderne Art von Straßenkunst.

Städte werden durch bunte Strickereien an öffentlichen Gegenständen und Gebäuden von dort lebenden Menschen verschönert. In immer mehr Großstädten verbreitet sich dieser Trend. Und jetzt auch in Elmshorn. Ob am Buttermarkt, in der Königstraße oder am Hafen, immer mal wieder fallen die angezogenen Straßenschilder ins Auge. Aber was soll das? Woher kommt das? Und wer macht das?

Das spanische Wort „Guerilla“ bedeutet ursprünglich „kleiner Krieg“. Es bezeichnet eine bestimmte Art von Kriegsführung, bei der untypische Taktiken zur Zielerreichung führen. Das Guerilla Knitting ist eine Freiheitsbewegung, die ihren Ursprung 2005 in Houston in Texas hatte. Strickerinnen fingen an, nicht mehr Socken, Handschuhe oder Pullover zu stricken. Stattdessen stellten sie Verschönerungen für Türklinken her. Daraus entwickelte sich eine Bewegung, die sich vor allem in Amerika, Spanien und England verbreitete.

2010 kam dieser Trend auch nach Deutschland. Erste Strickereien entstanden in Frankfurt am Main. Auch im Zuge des Projektes Stuttgart 21 traten Woll-Künste der Projektgegnerinnen auf. Ursprünglich galt dieses Stricken als Mittel politischen Protests. Mittlerweile ist aber meistens nur noch die Verschönerung und Belebung der Innenstädte Sinn und Zweck des Trends.

Guerilla Knitting wird auch gestricktes Graffiti genannt. Genau wie bei den bekannten Graffitibildern wird ein öffentlicher Gegenstand dauerhaft verändert. Allerdings sind die Strickereien leichter zu entfernen, als die seit Jahren verbreiteten Graffitis.

Rechtlich bewegen sich die Stricker in einer Grauzone. Während Graffitisprüher wegen Vandalismus sogar ins Gefängnis kommen können, beschädigen die wilden Stricker nichts. Es wird niemand bestraft, der etwas Gestricktes an einen Pfahl hängt. Die Reaktionen der Mitmenschen sind außerdem sehr positiv. „Es ist eine sehr niedliche Idee“, sagt eine Passantin über die Strickereien in Elmshorn.

In größeren Städten werden sogar ganze Statuen eingestrickt. So zum Beispiel in Dresden, vor dem Militärhistorischen Museum. Hier steht ein Panzer mit Strickkleid. In Elmshorn geht der Trend noch nicht ganz so weit. Wer für die bunten Wollknäule an den Pfählen der City verantwortlich ist, war nicht herauszufinden. Es bleibt aber abzuwarten, was an der Au noch gestrickt wird.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen