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Elmshorn : Neue Ausstellung mit Werken von Birgit Brab im Torhaus eröffnet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Spaziergang durch Radierungen. Die Ausstellung „Erinnern“ ist noch bis zum 14. Februar zu sehen.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 16:30 Uhr

Elmshorn | Wer den Namen Birgit Brab in eine Suchmaschine im Internet eingibt, bekommt vor allem Graphisches zu sehen: Linien, Flächen, Wellenformen zeigen ihre Bilder, oft im großen Format; oft Arbeiten, die ganze Räume für sich vereinnahmen können. Umso mehr staunt der Kunstfreund beim Eintritt in das Torhaus, wo Brab das diesjährige Ausstellungsprogramm des Kunstvereins Elmshorn eröffnet. Radierungen sind im Foyer zu sehen, wie erwartet abstrakt, unbelebt und reduziert. Doch ihnen sind kleinformatige Arbeiten zugeordnet, die das pure Leben zeigen: Zeichnungen von Kindern.

Brab hat für ihre Ausstellung den Namen „erinnern“ gewählt und gibt dem Betrachter damit einen Hinweis auf eine Lesart ihrer Kunst. So lassen sich ihre Arbeiten als Verbund sehen, deren Motive semantisch miteinander verknüpft werden können – aber nicht müssen. „Spaziergang“ nennt sie die Zuordnung der Radierungen mit den Zeichnungen, die zusammen eine Art Geschichte erzählen. Welche Geschichte erzählt wird, ist dabei aber nicht festgelegt. „Bei der nächsten Ausstellung könnte der Spaziergang ganz anders aussehen“, sagt die Künstlerin und erzählt, dass die Eingruppierung der Arbeiten nicht festgelegt ist.

Die Radierungen, deren Titel wie „Hochhaus“ oder „Kaufhaus“ Hinweise auf die Motive geben, zeigen graphische Muster, die unterschiedlichen Kompositionsregeln unterliegen. Diese Regeln, wie etwa das symmetrische, parallele oder zufällige Arrangement von Linien, hat die Künstlerin in dieser Serie selbst festgelegt.

Die Ausstellung „erinnern“ mit Werken von Birgit Brab ist im Torhaus, Probstendamm 7, bis zum 14. Februar zu sehen. Die Schau kann dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr sowie  sonnabends und sonntags jeweils von 11 bis 13 Uhr besucht werden.

Anders bei den Zeichnungen, deren Komposition von anderen festgelegt wurde. Brab zeichnet nämlich nach Fotografien aus ihrem privaten Fundus. Die Bilder entstanden in ihrer Jugendzeit. „Jeder kennt diese typischen Fotos, wo mal ein Kopf oder ein Arm fehlt. Es sind ja keine Profifotos“, erzählt Brab. Gerade durch diese Kompositionsnachlässigkeiten gewinnen die Zeichnungen aber an Authentizität. Das Kind, das nicht mittig arrangiert wurde, die Tischgesellschaft, die am unteren Bildrand klebt oder das Bild mit dem Auto, das viel mehr Raum als die beiden Kinder daneben einnimmt – all diese Motive könnten sich auch in den Fotoalben der Ausstellungsbesucher finden lassen. So erhalten die Zeichnungen eine Art Allgemeingültigkeit, die auch durch das Weglassen von raumdefinierenden Motiven gestärkt wird. Zusammen mit den graphischen Radierungen inszeniert Brab so gängige Sinnzusammenhänge, die vielen Betrachtern bekannt vorkommen könnten. Die Ausstellung zeigt somit nicht die explizite Erinnerung der Künstlerin Birgit Brab, sondern auch die Erinnerung des Betrachters selbst. Der Titel „erinnern“ kann auch als Aufforderung verstanden werden.

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