Neu: Die Radrutsche in den Verkehr

Hinein ins Vergnügen - oder doch lieber auf illegalen Wegen voran. Angesichts der Fahrradrutsche  in den fließenden Verkehr des Wedenkamps ist der Gewissenskonflikt nicht zu vermeiden.  Foto: Carsten Petersen
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Hinein ins Vergnügen - oder doch lieber auf illegalen Wegen voran. Angesichts der Fahrradrutsche in den fließenden Verkehr des Wedenkamps ist der Gewissenskonflikt nicht zu vermeiden. Foto: Carsten Petersen

Nach der Umgestaltung der Kreuzung Wedenkamp im Verlauf der geplanten Hafenspange stehen Radler plötzlich auf der Straße

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20. Mai 2011, 08:18 Uhr

Elmshorn | Die neue Kreuzung ist fast fertig, doch die Radfahrer wissen nicht wohin. Gemeint ist die Anbindung des neu gestalteten Wedenkamps an das Einkaufszentrum an der Deichstraße mit Edeka-Hayunga, Aldi und dem Dänischen Bettenlager. Wer dort seine Einkäufe erledigt hat und sich dann mit seinem Fahrrad auf den Weg in Richtung Wedenkampbrücke/Buttermarkt macht, landet . . . Ja, wo landet er? Mit Sicherheit in einem Gewissenskonflikt.

Es geht zunächst auf dem mit roten Steinen gepflasterten neuen Radweg bei Grün sicher über die Kreuzung. Doch dann, nach kaum 35 Metern, geht das Rot der Steine abrupt in ein Grauschwarz des Asphalts über. Für wenige Schritte begleitet den Radler zur linken Hand noch eine durchgezogene, dann gestrichelte Linie auf der Fahrbahn, doch die verengt sich zugleich und dann ist endgültig Schluss. Rad- und Kraftfahrzeugverkehr laufen ineinander. Gilt hier das Reißverschlussprinzip wie bei Baustellen auf der Autobahn?

Wie dem auch sei, der Radfahrer findet sich unvermittelt auf der Fahrbahn wieder und hat keine Chance, diese wieder fahrend zu verlassen.

Entweder er kreuzt als neuer Mitspieler auf der Straße sofort und für alle anderen Verkehrsteilnehmer wohl ziemlich überraschend die Fahrbahn und ordnet sich auf die Linksabbiegerspur in den Flamweg ein, um regelgerecht über die Schulstraße oder verbotener Weise auf dem linksseitigen, aber nicht für beide Richtungen ausgewiesenen, nicht benutzungspflichtigen Radweg weiter entlang des CCE zu radeln. Ein Weg, der allerdings an der Wedenkampbrücke zu einem benutzungspflichtigen, in beide Richtungen befahrbaren Radweg übergeht.

Oder aber der Radler biegt nach der Radfahrerrutsche in den fließenden Verkehr sofort verschreckt wieder nach rechts auf den Parkplatz zum Nordufer ab - und dann?

Vermutlich aber macht er das, was die meisten bereits seit der Kreuzung tun: Sie fahren illegal weiter auf dem Fußweg Richtung Buttermarkt. Sie kreuzen danach den Wedenkamp wahrscheinlich bei einer der beiden kommenden Fußgängerampeln, um so auf den linkseitigen Radweg zu kommen.

Doch was ist mit den Gesetzestreuen? Sie fahren unbeirrt auf der zweispurigen Durchgangsstraße weiter geradeaus Richtung Buttermarkt. Erst nach mehreren hundert Metern ist dann eine erneute Flucht auf das Südufer möglich - und dann?

Und eigentlich muss ab Beginn der Wedenkampbrücke der linke Radweg benutzt werden. Doch wie kommt man da hin ohne Fußgänger zu werden? Auch Radfahrer dürfen die durchgezogenen Linien auf der Wedenkamp-Fahrbahn vor der Straße Damm nicht überqueren.

Der sportliche Fahrer macht es anders: Er wechselt mit der Straßenverkehrsordnung in der Hand zwischen Fußgängerampel CCE und der Ampel Wedenkampbrücke mutig die zwei Fahrbahnen um sich zwischen Papierlastzug aus Glückstadt und dem Stadtbus auf dem Linksabbieger zur Schauenburgerstraße einzuordnen. Beim Abbiegen in die Schauenburgerstraße ist auf der Furt mit einem gekonnten Rechtsschlenker der rettende, aber wieder nicht benutzungspflichtige Radweg Vorm stegen zu erreichen. Der ist nur in der Gegenrichtung benutzungspflichtig - aber wer will denn im Ernst auf der Minifahrbahn Vormstegen noch als Radler mitmischen?

Für alle, die bei der nächsten Kreuzung (Wechselplatz) nach Osten oder Westen abbiegen wollen, ist das Abenteuer des Tages glücklich überstanden. Wer allerdings in Richtung Süden weiter radeln muss, hat in dem Spiel "Radfahren in Elmshorn" eine neue, spannende Ereigniskarte gezogen. Davon berichten die EN in einer der nächsten Ausgaben.

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