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Elmshorner Nachrichten

13. Dezember 2017 | 18:46 Uhr

Elmshorn : Nehmen Sie doch Platz - oder nicht

vom

Der Krückaupark zeigt sich in urbaner Vielfalt und wirkt an einigen Stellen heruntergekommen / Stadt will Abhilfe schaffen

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 07:24 Uhr

Elmshorn | Es ist sehr traurig. Nein, viel schlimmer. Eigentlich ist es eine Schande. Der Elmshorner Krückaupark verfällt zusehends - ja verwahrlost geradezu. Aber nur im westlichen Gebiet der Naturlandschaft. Im Osten hingegen gibt es viel Neues, Hübsches. Eine Perle neben der anderen. Ein Gang durch den Park ähnelt so einem Blick in den Spiegel einer modernen Gesellschaft. Altes verkommt - statt renovieren wird anscheinend nur neu investiert. Unsere Zeitung nahm sich einen Augenblick, die Wahrheit im Park zu erleben - zwischen Urwald und Moderne.

Stilvolle Sitzplätze im Osten, dort ist der Stadtpark picobello hergerichtet. Neues Gehweg-Pflaster. Edel lackierte Hölzer, die auf Vierkant-Stahl-Rahmen montiert sind. Sie stehen allein, isoliert von allem, frei von jeglichem schnöden Beiwerk. Kein Mülleimer verführt Gassi-Geher, Jogger oder Spaziergänger zu Hinterlassenschaften. Kein Busch stört die Idylle. Modern, frei im Wind, der prallen Sonne ausgesetzt, kein Schattenplätzchen. Schon beinahe Kunst im Park.

Nebenan im Westen der gefühlte Horror. Alt. Ungepflegt. Verkommen. Da ist ein Wall, an dem eine halbe Bank steht. Die Rückenlehne ist nicht mehr existent. Der Rest liegt verborgen zwischen Erde, Laub und Irgendwas. Der Platz neben dem Mülleimer ist gerammelt voll von Dreck. Die Hölzer der anderen Bänke um den See herum benötigen dringend eine Auffrischung. Grün statt Braun ist die vorherrschende Farbe. Algen, Mose und Flechten überziehen Sitzflächen und Lehnen. Mach mal Pause wird so anschließend zum Waschtag von Hosen und Röcken. Von Hemden und Blusen.

Unterschiedlicher kann eine Parklandschaft kaum sein. Einerseits prachtvoll und andererseits dem Verfall überlassen. Manch einer mag angesichts der Kontraste an eine künstlerische Installation denken. Doch so recht an eine absichtliche Komposition glauben, mag man nicht. Aber vielleicht steckt ja doch Absicht dahinter

Das naturbelassene Erscheinungsbild sei so gewollt, erklärt Elmshorns städtischer Landschaftsgärtnermeister Thomas Miller. Der Kontrast biete jedem Parkgänger sein Erlebnis. Dass nicht überall alles schier ist, dem stimmt Miller durchaus zu. Vielleicht müsse an der einen oder anderen Stelle nachgebessert werden, sagt er. Zur halb zerfallenen Bank am See sagt er: "Die kommt weg." Erst Einmal. Die anderen Jahrzehnte alten Bänke werden schnellst möglich aufpoliert, lautet sein Versprechen.

Und mehr noch: "Wenn sich Bürger bei uns melden, und sich über Missstände beklagen, schaffen wir schnellstens Abhilfe", sagt Miller. Auf Hinweise sind sie angewiesen, denn Miller und Kollegen können - und da kann man ihnen keinen Vorwurf machen - auf dem 2136 Hektar großem Stadtgebiet nicht zu jeder Zeit überall Parks und deren Parkbänke kontrollieren. Und weil ständig getauscht, repariert und abgebaut wird, mischt sich überall Neues mit Altem. Letztendlich erobert die Natur ihr Territorium doch zurück. Da könne man noch so viel ackern - das Erscheinungsbild des Parks sei so im stetigen Wandel.

Bevor Spaziergänger also das nächste Mal durch den Park gehen, sollten diese das Buch "Kunst versteht keine Sau . . . " in die Hand nehmen und ihre ganz persönliche Wahrnehmung schärfen. Denn dieses "Juwel" lässt Raum für Verweilen und Verwunderungen.

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