Umweltverbände beklagen Baumfällungen : Naturschützer prangern Kahlschlag am Krückauwanderweg in Elmshorn an

Sie wollen die Natur schützen: Helmut Dürnberg (Nabu), Bent Schubert (Grüne Elmshorn) und Bernd Biggemann (BUND) am Krückauwanderweg.
Sie wollen die Natur schützen: Helmut Dürnberg (Nabu), Bent Schubert (Grüne Elmshorn) und Bernd Biggemann (BUND) am Krückauwanderweg.

Der Wasserverband hat die Bäume am Flussufer zurückgeschnitten, um Abflusshindernisse zu beseitigen.

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06. April 2018, 16:30 Uhr

Elmshorn | Fassungslos blicken Bernd Biggemann, Helmut Dürnberg und Bernt Schubert auf den Kahlschlag am Krückauwanderweg. Zwischen Fluss und Weg säumten hier bis vor kurzem noch dicht an dicht Weiden, Erlen und Ulmen das Ufer. Auf einer Länge von etwa 300 Metern, auf Höhe des Sportvereins Holsatia Elmshorn, sind fast alle Bäume gefällt worden. Jetzt stehen dort nur noch Baumstümpfe, daneben liegen Äste und Zweige.

Ufergehölz wird zurückgeschnitten

Verantwortlich für den Rückschnitt der Bäume ist der Wasser- und Bodenverband Krückau. Seine Aufgabe ist es, den Abfluss des Wassers in der Krückau zu gewährleisten. Deshalb lässt der Verband das Ufergehölz alle paar Jahre in Absprache mit dem Fachdienst Umwelt des Kreises Pinneberg zurückschneiden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass übermäßig viele Zweige, Blätter und Äste in die Krückau fallen, das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann und bei Hochwasser die umliegenden Felder und Siedlungen überschwemmt werden.

Für Biggemann und Dürnberg von den Naturschutzverbänden BUND und Nabu und Schubert von den Elmshorner Grünen ist der Wasser- und Bodenverband deutlich über das Ziel hinaus geschossen. Sie sprechen von „Umweltfrevel“ und einem „groben Verstoß gegen das Landeswassergesetz“. „Der Wasserverband hat den Gehölzsaum, dessen Entwicklung vor etwa 30 Jahren durch Baumpflanzungen des Nabu eingeleitet worden war, nahezu komplett beseitigt“, erklärt Biggeman (BUND). Außerdem habe es der Wasserverband nicht für nötig gehalten, die Naturschutzverbände über die Maßnahme vorab zu informieren.

Streit ist schon älter

Bereits vor vier Jahren hatten die Umweltverbände und der Wasser- und Bodenverband über den Rückschnitt der Uferbepflanzung an der Krückau gestritten. Damals hatte der Wasserverband die Naturschützer im Vorhinein zu einem Ortstermin eingeladen, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Eine Einigung wurde zwar nicht erreicht, dennoch wurde der Rückschnitt damals aus Sicht von Helmut Dürnberg (Nabu) relativ behutsam durchgeführt. Davon könne jetzt keine Rede mehr sein.

Die Naturschützer wollen die Bäume am Ufer der Krückau erhalten und damit nach und nach die Fehler ausbügeln, die ihrer Ansicht nach zuletzt 1938 mit der Begradigung und Befestigung der Krückau gemacht wurden. „Früher gab es hier zwei Dutzend Fischarten, Fischotter und eine große Vielfalt an Vögeln“, sagt Dürnberg. Nachdem damals die Bäume auf beiden Uferseiten entfernt und das Flussbett ausgebaggert worden sei, hätten zahlreiche Tiere ihre Heimat verloren. Es gebe nur noch zwei bis drei Fischarten, viele Vögel siedelten sich erst nach und nach wieder an. Die Verschlickung des Elmshorner Hafenbeckens sei eine direkte Folge der Begradigung und der Entfernung des Kieses auf dem Grund der Krückau. Jetzt gehe es darum, den Fluss zu renaturieren, wie es auch das Landeswassergesetz vorsieht. Schubert (Grüne): „Und ein naturnaher Gehölzsaum ist Bestandteil eines Wasserlebensraums.“ Die Naturschützer wollen sich in der Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft wenden.

Keine Maßnahmen vom Kreis

Im Fachdienst Umwelt des Kreises Pinneberg sieht man die Angelegenheit deutlich entspannter. „Der Rückschnitt war mit uns abgesprochen“, erklärt Kreissprecher Oliver Carstens. „Allerdings ist der Wasser- und Bodenverband in einem Teilbereich der betroffenen Fläche über das Ziel hinaus geschossen. Dort wurde mehr entnommen, als mit uns vereinbart.“ Maßnahmen werde man dennoch nicht verhängen. Der Kreis sieht sich in der Mitte eines Spannungsfelds zwischen Naturschutz- und Wasserverbänden. „Der Wasserverband kommt seinen gesetzlichen Aufgaben nach, andererseits handelt es sich um einen sensiblen Lebensraum, der geschützt werden muss“, erklärt Carstens. Er verweist aber auch darauf, dass die Lage schlimmer aussähe, als sie tatsächlich sei. „Die Natur regeneriert sich schnell.“ Der Wasser- und Bodenverband Krückau war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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