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Elmshorner Nachrichten

12. Dezember 2017 | 21:17 Uhr

Zirkusprojekt : Nachwuchs in der Manege

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die 381 Schüler der Grundschule Kaltenweide treten in dieser Woche täglich im Zirkuszelt auf dem Schulhof auf.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Elmshorn | 15 Kinder stehen in der großen Zirkusmanege und balancieren auf langen Stäben sich drehende Teller. Auf das Kommando von Zirkusdirektorin Gina Maatz legen sie sich hin oder balancieren den Teller auf ihren Fingern – und immer muss sich die bunte Scheibe weiterdrehen. Gar nicht so leicht – zumal die meisten Nachwuchs-Artisten dieses Kunststück erst vor einigen Stunden gelernt haben. „Es ist nicht schlimm, wenn mal etwas herunterfällt“, beruhigt Gina Maatz. „Dann hebt ihr es einfach wieder auf und macht weiter.“

Für die Schüler der Grundschule Kaltenweide ist diese Woche alles andere als gewöhnlich. Das fängt schon damit an, dass seit Sonntagabend ein großes Zirkuszelt mitten auf ihrem Schulhof steht. Im Unterricht lesen die Kinder in Deutsch Geschichten über Artisten, rechnen in Mathe Aufgaben mit Zirkustieren und Seiltänzerinnen und basteln in Kunst ihr eigenes Zirkuszelt. Der Höhepunkt ist für jeden aber wohl dieser eine Tag, an dem er selber zum Artisten wird. Zwischen Montag und Donnerstag darf täglich eine Gruppe von etwa 100 Schülern mit Gina Maatz und ihrem Ehemann Manuel trainieren. Die Erst- bis Viertklässler werden zu Clowns und Zauberern, Seiltänzern, Ponys, Artisten und Gewichthebern. Abends präsentieren sie das Gelernte dann in einer Zirkusshow ihren Eltern, Lehrern und anderen Zuschauern. Durch deren Eintrittsgelder finanziert sich das Projekt in erster Linie.

Die Zirkus-Projektwoche findet alle vier Jahre an der Grundschule Kaltenweide mit dem Zirkus Morelli statt. Auch dieses Mal sind alle 381 Kinder eingebunden. „Die Schüler haben daran unglaublich viel Spaß“, sagt Lehrerin Grudun Heitmann. „Jeder hat die Möglichkeit, seine Stärken zu entdecken – und der Auftritt vor Publikum gibt den Kindern richtig viel Selbstvertrauen.“ Selbst zurückhaltendere Schüler hätten am Ende ein Erfolgserlebnis. „Und diese Erfahrung hält auch noch lange nach.“ Heitmann zeigt bei einer anderen Nummer auf einen Schüler aus der ersten Klasse. „Er war erst etwas ängstlich, weil er als einziger zwischen den größeren Schülern auftreten sollte. Jetzt ist er mittendrin und voll dabei.“

Lehrerin Heitmann beobachtet, dass der Zirkus auch in Zeiten von Internet und Fernsehen noch eine große Faszination auf die Kinder ausübt. „Bei den Nummern im Zirkus halten sie den Atem an und fiebern mit. Im Fernsehen ist dagegen immer alles perfekt – das kann auch langweilig sein.“

Einen großen Teil zum Erfolg des Projekts tragen Manuel und Gina Maatz bei. Die beiden sind ausgebildete Artisten und bereits in siebter Generationen Mitglieder einer Zirkusfamilie. Die beiden verstehen es, die Kinder zu motivieren, sie gleichzeitig zu korrigieren und dabei bewundernswert ruhig zu bleiben. „So etwas muss einem aber auch Spaß machen, sonst ist man hier falsch“, sagt Manuel Maatz. „Es kann schließlich auch mal anstrengend sein, mit 100 Kindern gleichzeitig zu arbeiten.“

Das Ehepaar ist mittlerweile auf Schulprojekte spezialisiert. „Als kleiner Zirkus ist es auch schwierig, sonst zu überleben“, sagt Manuel Maatz. „Außerdem sind diese Projekte mittlerweile so gefragt, dass wir kaum für etwas anderes Zeit haben.“ Trotzdem: Bei der Gala-Show am Freitag werden nicht nur die besten Nummern der Woche in der Manege stehen, sondern auch Gina und Manuel Maatz werden ihr Können zeigen. Dafür trainieren die beiden – jeden Abend, wenn die Schüler das Zelt verlassen haben. Viel Freizeit gibt es bei einem solchen Leben nicht. Und auch die Kinder Letitia und Miguel sind immer mit dabei. „Letitia geht im Moment sogar hier in die zweite Klasse“, sagt Manuel Maatz. In der Manege haben die Tellerdreher mittlerweile ihre Nummer beendet. Von den Klassenkameraden gibt es begeisterten Applaus. Der wird den Nachwuchs-Artisten auch bei der großen Abendvorstellung im Zirkuszelt sicher sein.

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