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Kritik an Nabu in Bokholt-Hanredder : Nach verwilderten Rindern jetzt abgemagerte Pferde

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach dem Abschuss der Rinderherde im Kreis Pinneberg wurden jetzt abgemagerte Pferde entdeckt. Es ist der zweite Vorfall auf dem Areal des Elmshorner Naturschutzbunds in Bokholt-Hanredder.

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erstellt am 21.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Bokholt-Hanredder | Nach dem Abschuss einer Rinderherde im Kreis Pinneberg ruft ein neuer Fall die Tierschützer auf den Plan: Auf einer Koppel in Bokholt-Hanredder entdeckten Mitarbeiter von Ordnungsamt und Kreisveterinäramt am Donnerstag sieben völlig abgemagerte Pferde. Das Pikante: Die Weide gehört zu demselben Gelände des Naturschutzbundes (Nabu) Elmshorn, auf dem zwei Tage zuvor auch die Rinder getötet wurden. Der Verband steht jetzt ebenso wie das Ordnungsamt selbst und der Besitzer der 21 verwilderten Rinder am Pranger. „Wir haben am Montag den ersten Hinweis auf die Probleme mit den Rindern bekommen. Der Nabu aber wusste schon seit Monaten um die Zustände“, sagte Rainer Schattauer am Donnerstag. Der Leiter des Ordnungsamtes hatte am Dienstag den Abschuss der Herde angeordnet, weil aus seiner Sicht die Gefahr bestand, dass die ausgebüxten Tiere auf die A23 oder die L75 zwischen Elmshorn und Barmstedt laufen. Mit Blick auf den neuerlichen Vorfall mit den Pferden riet er dem Nabu, bei der Wahl der Pächter sorgfältiger zu sein.

Elmshorns Nabu-Chef Hans Helmut Dürnberg hat nach eigenen Worten mit dieser Attacke gerechnet. „Nach dem ganzen Dreck, der auf Herrn Schattauer eingeprasselt ist, war klar, dass er versucht, den Schwarzen Peter weiterzuschieben. Aber das ist unfair“, sagte Dürnberg.

Heftige Kritik an der Tötung gab es vom Vorsitzenden des Tierschutzbundes Schleswig-Holstein. „Das ist Wildwest in Schleswig-Holstein“, sagte Holger Sauerzweig-Strey. Der Abschuss der Rinder durch Jäger sei ein Unding. Inzwischen liegt auch eine  Anzeige gegen Schattauer wegen gravierender Verstöße gegen das deutsche Tierschutzgesetz vor. Die Überprüfung des Hofes des Rinderbesitzers in Bullenkuhlen durch das Veterinäramt hat am Donnerstag keine weiteren Verstöße ergeben. Die Ermittlungen zu den Vorfällen in Bokholt-Hanredder dauern an.

Entsetzen in der Bevölkerung

Die Welle der Entrüstung über den Abschuss der Rinderherde in Bokholt-Hanredder ist riesig. Während der Vorfall vom Dienstag nach dem Bericht bundesweit für Aufsehen sorgt, rückten auf dem Gelände des Naturschutzbundes (Nabu) Elmshorn erneut die Mitarbeiter von Ordnungsamt und Kreisveterinäramt an, nachdem sie einen Hinweis nach bekommen hatten, dass auf einer Koppel neben der Weide der getöteten Rinder die verwahrlosten Pferde leben sollen. Und sie wurden fündig: Sieben völlig abgemagerte Pferde stehen auf einer abgelegenen Weide.

Endlich Wasser: Kreisveterinärin Ina Früchtenicht greift ein und löscht den Durst der Pferde.
Endlich Wasser: Kreisveterinärin Ina Früchtenicht greift ein und löscht den Durst der Pferde. Foto: Schönstedt
 

„Die Ernährungssituation ist offensichtlich schon über einen längeren Zeitraum mangelhaft. Die Tiere sind sehr mager“, sagte Kreisveterinärin Ina Früchtenicht nach der Untersuchung der Tiere im Gespräch. Gemeinsam mit den Vertretern des Ordnungsamtes gab sie den Pferden Trinken und Fressen. Allerdings fehlte außer Futter und Wasser auch ein Unterstand. „Das hier ist kein Winterquartier. Es muss sich etwas ändern“, sagte Früchtenicht.

Üblicherweise werden derartige Kontrollen gemeinsam mit den Besitzern der Tiere gemacht. Doch die Halterin war zunächst nicht zu erreichen. Am Abend hatte Ordnungsamtsleiter Rainer Schattauer dann Erfolg. Er forderte die Halterin auf, umgehend die Verpflegung der Tiere zu verbessern. Außerdem forderte Früchtenicht, dass der Haustierarzt überprüft, ob es weitere Gründe außer der mangelhaften Ernährung für die Abmagerung der Tiere gibt. „Die Frau zeigte sich einsichtig. Wir werden die Pferde im Auge behalten“, sagte Schattauer am Abend.

Nabu soll seit Monaten von Problemen gewusst haben

Nicht nur Schattauer forderte angesichts der beiden Vorfälle mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Pächter, auch Kreisjägermeister Wolfgang Heins nahm den Nabu ins Visier. „Der eigentliche Skandal ist doch, dass der Nabu seit Monaten um die Probleme wusste, es aber nicht für nötig hielt, die Ordnungsbehörden einzuschalten“, sagte Heins. Er betonte, dass seinen Jäger-Kollegen der Abschuss sehr nahe gegangen sei. „Das fällt niemandem leicht. Das hat mit Jagd nichts zu tun. Wir sind lediglich zur Hilfe gerufen worden, weil wir über Erfahrung und die notwendigen Waffen verfügen, um die Tiere nicht unnötig zu quälen, sondern mit einem Schuss zu töten“, so Heins.

Elmshorns Nabu-Vorsitzender Hans Helmut Dürnberg weist die Kritik zurück: „Wir haben den Pferden auf unserem Gelände Unterschlupf gewährt, weil ihre bisherige Koppel viel zu klein war. Sie stehen dort erst seit Anfang der Woche.“ Das bezweifelt Schattauer: „Die Koppel sieht aus, als wäre sie länger in Gebrauch.“ Dürnberg weist auch die Kritik an der fehlenden Information der Behörden zurück. „Wir pflegen einen sehr guten Umgang mit unseren Pächtern und müssen nicht jedes Mal sofort das Ordnungsamt einschalten. Niemand konnte damit rechnen, dass die Situation mit den Rindern derart eskaliert“, sagte der Nabu-Chef. Er würde in Zukunft genauso handeln.

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