Nach Unfall: Betrieb läuft weiter

Noch nicht bezifferbar ist der Gebäudeschaden nach dem Unfall. Janine Milz versorgte die Helfer während des Einsatzes mit Heißgetränken.
Noch nicht bezifferbar ist der Gebäudeschaden nach dem Unfall. Janine Milz versorgte die Helfer während des Einsatzes mit Heißgetränken.

Kleinbus rast in Neuendorfer Gaststätte / Landhaus „Matjens“ hat trotz des hohen Schadens weiterhin geöffnet

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05. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Den vergangenen Montag wird Jens Thiel aus Neuendorf so schnell nicht vergessen. Auf dem Weg nach Elmshorn, war ein 31-jähriger Glückstädter mit seinem Opel-Kleinbus im Bereich Kirchdorf beim Durchfahren einer Rechtskurve nach links von der Bundesstraße 431 abgekommen und in das Landhaus „Matjens“ gekracht. Weder wurde der Unfallfahrer verletzt und auch Thiel – er schläft sonst über der Einschlagstelle – war an diesem Montag schon früh auf den Beinen.

Der Gastronom war zu dem Zeitpunkt gerade auf dem Hamburger Fischmarkt. Er wollte frische Ware für sein Gasthaus einkaufen, als ihn der Anruf erreichte. Ein Auto sei in das Restaurant gekracht und habe das Mauerwerk erheblich beschädigt, teilte ihm die Polizei mit. Auf dem Weg zurück nach Neuendorf gingen dem 56-jährigen Gastronomen die schlimmsten Gedanken durch den Kopf. „Was erwartet mich zu Hause? Wir sind doch bis weit in den Oktober hinein ausgebucht. Muss ich womöglich all meinen Gästen absagen?“

Als Thiel an der Unfallstelle eintraf, wartete seine in Nähe des Gasthauses wohnende Restaurantfachfrau Janine Milz bereits auf ihren Chef. Überall war Blaulicht und Neuendorfs Wehrführer Michael Strutz informierte den 56-Jährigen darüber, dass man auf den angeforderten Fachberater des Technischen Hilfswerks aus Itzehoe warte. Ein Statiker begutachtete kurz darauf das rechts neben dem Eingang schwer beschädigte mehr als 500 Jahre alte, aber nicht unter Denkmalschutz stehende Haus und befand: So wie es sich jetzt darstellt, besteht zumindest für Teile des Gebäudes eine akute Einsturzgefahr.

Während Feuerwehrleute aus Neuendorf die Einsatzstelle sicherten, rückten kurz nach 7.30 Uhr Kräfte des Technischen Hilfswerks aus Pinneberg an. Sie sicherten den unfallbeschädigten Anbau mit Wohnbereich und Kellergeschoss durch ein massives Abstützsystem aus Holz.

Zur Mittagszeit war alles gesichert. „Die haben echt gute und professionelle Arbeit geleistet“, äußerte sich der Restaurantbetreiber gestern voller Anerkennung.

Auch wenn die Schadenshöhe derzeit noch nicht bezifferbar ist und sich darum jetzt Gutachter und Statiker kümmern werden, atmete Thiel erst einmal auf. „Das eigentliche Restaurant hat durch den Unfall nichts abbekommen, und wir können wie geplant öffnen“, stellte er zunächst erleichtert fest.

Doch dann holte ihn der Schrecken erneut ein und Diskussionen mit den Versicherungen über die Übernahme des Schadens taten ein Übriges. Der Gastronom erlitt eigenen Angaben zufolge Dienstag einen Kreislaufzusammenbruch, von dem er sich zum Glück gerade erholt. „Ich bin vom ersten Tag an verliebt in dieses Objekt. Deshalb hat es mich wohl so stark getroffen.“

Jens Thiel hat das Haus vor 26 Jahren übernommen. Es hat viel Geschichte, denn es wurde einst als Gefängnis, Pferdehof mit Deckstation sowie zentrale Viehwaage und Gaststätte genutzt. Das Haus ist aus der Gründerzeit. Weil der Gastronom Matjes mit eigener Rezeptur anbietet, mischte er den Namen der Spezialität mit seinem Vornamen und nannte sein Restaurant „Matjens“ Landhaus.

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