Elmshorn : Nach dem Brand: „Brauchen dringend Wohnraum“

Das Hochhaus wird heute erstmals nach dem Brand geöffnet.
1 von 2
Das Hochhaus wird heute erstmals nach dem Brand geöffnet.

Brandopfer dürfen heute erstmals ihre Wohnungen betreten. Suche nach neuen Bleiben gestaltet sich schwierig.

shz.de von
26. Juni 2014, 16:00 Uhr

Nach dem Großbrand im Hochhaus an der Beethovenstraße sind kleine und große Familien, Senioren und Singles auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Die Suche gestaltet sich in der Stadt jedoch recht aufwendig. Es gibt zu wenig Wohnraum im unteren und mittleren Preissegment. Landrat Oliver Stolz hat deshalb alle Bürgermeister der umliegenden Gemeinden kontaktiert, den betroffenen Familien zu helfen. Auch das Job-Center ist aktiv. Die Einrichtung legt bei der Genehmigung neuen Wohnraumes ein gesundes Augenmaß an den Tag.

Vier Tage nach dem verheerendem Feuer im Musikerviertel dürfen die Betroffenen heute erstmals ihre Wohnungen betreten. Der Vermieter Deutsche Annington ermöglicht den Menschen, Wertsachen, Ausweispapiere oder wichtige Kleinigkeiten aus dem Haus zu holen. Da der Zugang über die Kellerräume erfolgen wird, können die Mieter nur Handgepäck mitnehmen. Großgeräte müssen zunächst im Haus verbleiben. An einem zweiten Termin sollen auch diese dann über das Treppenhaus abtransportiert werden können.

Derweil besteht jedoch im höchsten Maße Wohnungsnot. „Unser Problem ist zurzeit, den Betroffenen langfristig Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Es gibt zu wenig in Elmshorn“, erklärt Bürgermeister Volker Hatje. „Wir brauchen dringend Wohnraum.“ Vor allem im unteren und mittleren Preissegment sei die Stadt schlecht versorgt, so Stadtrat Dirk Moritz. Die Verwaltung steht deshalb in engem Kontakt mit den großen Immobilienunternehmen und Genossenschaften. Eines ist jedoch klar. Das Hochhaus wird in diesem Jahr nicht wieder beziehbar werden. Auch neuer Wohnraum wird erst mit Fertigstellung des Quartiers am ehemaligen Haus Elbmarsch am Sandberg im Jahre 2015 die Situation entzerren – rund 230 Wohnungen baut Unternehmer Theodor Semmelhaack dort. Später dann, etwa 2016, könnte die Siedlung um das ehemalige Kibek-Haus an der Reichenstraße ebenfalls für Wohnraum sorgen. Dort entstehen etwa 150 Wohnungen.

Aber es gibt ihn, den leerstehenden Wohnraum in Elmshorn. Zum Beispiel das alte Hochaus an der Konrad-Struve-Straße. Dieses Haus wurde aktuell im Auftrag der TAG Immobilien AG saniert. In dem einstigen „Schandfleck“ im Elmshorner Süden sind 42 Einzimmer-Wohnungen entstanden. Von diesen sind laut TAG-Sprecherin Dominique Mann erst „um und bei die Hälfte“ vermietet. Auf die weiteren Wohnungen, die zwischen 31 und 37 Quadratmeter groß sind, können sich Interessierte bei der TAG bewerben. Auch in anderen Elmshorner Objekten der TAG stünden Wohnungen leer. Vorwiegend im Quartier Hainholz.

Insgesamt brauchen die Familien des Brandhauses etwa 92 neue Wohnungen. Stadtrat Moritz zählt auf: 50 Einzelhaushalte, 25 Zweipersonen-Haushalte, acht Wohnungen für drei Personen, acht Bleiben für vier Personen sowie eine große Wohnung für eine fünf-köpfige Familie.

Auch das Job-Center zeigt Betroffenheit. Pressesprecher Jörg Kregel: „Wir können aktuell keine strengen Maßstäbe bei der Genehmigung von Mieten anlegen. Not geht vor Gebot.“ Seine Kollegen wollen ein gesundes Maß Bearbeitung der Anträge anlegen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen