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Elmshorner Nachrichten

18. August 2017 | 05:55 Uhr

Elmshorn : Nabu attackiert Stadt und Politik

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Streitpunkt Kleintierbrücke am Gerlingweg. Die Naturschützer sprechen nach Abriss von Skandal und fordern Ersatzbau.

Elmshorn | Die marode Kleintierbrücke am Gerlingweg – nach dem Abriss gibt es jetzt mächtig Ärger. Die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) Elmshorn sind stinksauer. Der Vorsitzende Hans Helmut Dürnberg erhebt schwere Vorwürfe gegen Stadt und Politik. Die Stadt habe es versäumt, die Holzkonstruktion ausreichend zu pflegen.

„Soll man von einem Skandal sprechen oder von einem bedauerlichen Versagen der zuständigen Behörden“, fragt Dürnberg. Jeder Hausbesitzer wisse, dass Holzkonstruktionen vor Witterungseinflüssen besonders gut geschützt werden müssten. „Dies ist jedoch zu keinem Zeitpunkt, zumindest nicht mit der erforderlichen Sorgfalt und Qualität seitens der Stadt in Angriff genommen worden“, betont Dürnberg.

Nach Ansicht des Nabu-Vorsitzenden habe es die Verwaltung billigend in Kauf genommen, dass die in vielen ehrenamtlichen Stunden erbaute Brücke verrottet. „Die Tatsache, dass die Stadt als Eigentümerin es sehenden Auges zulässt, dass ein beispielhaftes Projekt bürgerschaftlichen Engagements innerhalb von nur neun Jahren derart verkommt, stößt bei uns schon recht bitter auf“, so Dürnberg. Unter Federführung des Nabu hatten das Technische Hilfswerk (THW) Elmshorn, regionale Firmen, sowie zahlreiche Elmshorner Bürger die Kleintierbrücke laut Dürnberg in vielen tausend Arbeitsstunden ehrenamtlich gebaut. Finanziert hatte sich das Projekt aus Mitteln der Bingo-Umweltlotterie, einer Spende der Sparkasse Elmshorn und Eigenmitteln des Nabu. „Nach Fertigstellung und Prüfung haben wir die Brücke vertrauensvoll in die Pflege der Stadt Elmshorn übergeben“, berichtet Dürnberg. Ihr wäre damals von Experten eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten bescheinigt worden. Die Stadt aber habe die Pflege in „unverantwortlicher Weise“ versäumt.

Der Nabu fordert einen Ersatzbau. Es sei eine gravierende Fehleinschätzung der Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, dass die Brücke nicht gebraucht würde. „Die Brücke war Wanderweg, Abenteuerspielplatz und Teil eines ökologisch bedeutenden Biotopverbunds vom nördlichen Stadtrand bis an den Rand der Innenstadt“, erläutert Dürnberg. Sie sei vor allem wichtig gewesen für den Austausch von Tierpopulationen von der Eidechse bis zum Reh. „So wurde eine genetische Isolation vermieden und das Aussterberisiko vermindert.“

Die Stadt hatte die Brücke Ende Juli nach Beschluss der Politik abreißen lassen. Es musste gehandelt werden, da das Bauwerk einzustürzen drohte. Ob es einen Neubau geben wird, ist noch ungewiss. Sicher ist aber, dass den Politikern die dafür veranschlagten Kosten von 300 000 Euro viel zu viel sind. Das wurde in den Beratungen vor der Abriss-Entscheidung deutlich.

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erstellt am 06.Sep.2014 | 14:00 Uhr

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