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Elmshorner Nachrichten

23. September 2017 | 06:03 Uhr

Müllproblem: Politiker sind ratlos

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Entsorgung Häufig türmt sich das Altglas vor den Containern – jetzt stand der Geschäftsführer der Gab Rede und Antwort

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Die Glascontainer quillen über, davor stapeln sich die leeren Alkoholflaschen auf dem Boden, in Pappkartons oder Plastiktüten. Glasscherben liegen auf den Geh- und Radwegen, dazwischen stehen kaputte Fernseher oder alte Matratzen. In Elmshorn ist das mittlerweile zum gewohnten Bild geworden, oft werden die Glascontainer viel zu spät geleert. Die Bürger beschweren sich bei der Stadt und den Politikern reicht es schon lange. Am Montagabend war deshalb Jens Ohde, Geschäftsführer des Umwelt Services der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (Gab), zu Gast im Ausschuss für kommunale Dienstleister und stand Rede und Antwort.

Ernüchternd war für die Politiker die Erkenntnis, dass sie kaum Einfluss auf eine Veränderung der Situation haben. Denn: Der einzige Vertrag, den die Stadt zum Thema Glas- und Altpapiercontainer geschlossen hat, betrifft die Bereitstellung der Stellplätze für die Container. Für die Bewirtschaftung ist die Gab zuständig, sie ist verpflichtet, die Containerplätze zu reinigen. Außerdem leert die Gab die Papiercontainer. Aber während in den vergangenen zwei Monaten fünf Beschwerden zu der Altpapier-Entsorgung bei der Gab eingegangen sind, gab es 30 zum Altglas. Und für die Entsorgung des Altglases ist das Duale System verantwortlich.

Das Duale System wiederum beauftragt Unternehmen mit der Einsammlung des Altglases. Seit vier Jahren ist das in Elmshorn „Franz Bötel & Söhne“ aus Wedel – ein Unternehmen, dem die Stadtverwaltung die Befähigung abspricht, diese Aufgabe zufriedenstellend zu erfüllen. Der Stadt sind in Bezug auf die Firma Bötel jedoch die Hände gebunden. Und auch die Gab kann nur wenig tun: „Wenn eine Beschwerde über die Leerung der Glascontainer bei uns auftaucht, fordern wir das Duale System auf, den aufgetretenen Mangel zu beseitigen“, erklärt Jens Ohde. Schließlich ist Bötel den Dualen Systemen gegenüber dazu verpflichtet, „bedarfsgemäß zu leeren“ – mindestens aber alle 14 Tage. Jedoch: Erst wenn Bötel drei Mahnungen hat verstreichen lassen, kann die Gab sogenannte Ersatzmaßnahmen fordern – „und in 95 Prozent der Fälle wird kurz davor geleert“, erklärt Ohde. Nur eben viel zu spät. „Der Frust bei allen Beteiligten ist immens“, sagte Bürgermeister Volker Hatje. „Aber formal-juristisch haben weder Stadt noch Gab Zugriff auf den Leistungserbringer.“

Die Gab hat in diesem Jahr einen Versuch zur Verbesserung der Situation gestartet und die Dualen Systeme aufgefordert, die Auftragsvergabe noch einmal unter dem Gesichtspunkt Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zu prüfen. „Aber die Dualen Systeme weigern sich, in diesem Punkt mit uns zu kooperieren“, sagt Ohde.

Was die Säuberung der Containerplätze betrifft, so reinigt die Gab laut Ohde die Plätze zweimal wöchentlich, wirft Glas und Papier in die Container und nimmt alles mit, „was kein Glas oder Papier ist“. Allerdings: Sperrmüll nimmt die Gab nach Erfahrung von Betriebshof-Leiter Thomas Kruse nicht mit. „Wir fahren nach jeder Säuberung durch die Gab die Containerstandorte noch einmal ab.“ Davon war Ohde wiederum überrascht, zu diesem Thema wollen sich die beiden noch einmal austauschen. Einem anderen Problem werden sie auf diese Weise jedoch nicht Herr werden: „Erfahrungsgemäß gibt es Standorte, die drei Stunden später schon wieder genauso saumäßig aussehen, wie vor unserer Reinigung“, sagte Ohde.

Jürgen Heesch (SPD) sieht deshalb das größte Problem auch bei den Bürgern, die die Containerplätze zumüllen. Neben den Containern darf nichts abgestellt werden – wer erwischt wird, muss eine Geldstrafe zahlen. Die Politiker diskutierten verschiedene Möglichkeiten, das Müll-Problem in den Griff zu bekommen. Die Anzahl der Container zu reduzieren und an zentraler Stelle zu bündeln oder Müllsündern aufzulauern, ist aber problematisch. Schließlich sollen die Container weiterhin auch für Nicht-Autofahrer erreichbar sein. Und Müllsünder zu fassen ist laut Bürgermeister Volker Hatje problematisch. „Die Täter müssen auf frischer Tat gefasst werden. Geben sie dann ihre Personalien nicht freiwillig heraus, muss die Polizei gerufen werden – und bis die da ist, sind die Leute längst über alle Berge.“ Eine andere Möglichkeit könnte die Aussetzung einer Belohnung für die Ergreifung von Müllsündern sein. Für den Ausschuss-Vorsitzenden Immo Neufeldt gibt es eigentlich nur eine Lösung für Elmshorns Müll-Problem: „Daumen drücken, dass Elmshorn in der nächsten Ausschreibung einen besseren Entsorger bekommt.“

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