Morgens auf dem Wochenmarkt

Immer erreichbar: Das Handy von Marktleiter Kai Krüger klingelt in den frühen Morgenstunden häufig. Katja Lietzke  hat die Waren am Obst- und Gemüsestand aufgebaut.  Foto: Mulert (2)
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Immer erreichbar: Das Handy von Marktleiter Kai Krüger klingelt in den frühen Morgenstunden häufig. Katja Lietzke hat die Waren am Obst- und Gemüsestand aufgebaut. Foto: Mulert (2)

"Von sechs bis sechs - Elmshorn bei Nacht": Die EN begleiten den Aufbau der Stände auf dem Buttermarkt

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06. April 2011, 08:20 Uhr

Elmshorn | Ein wirklicher Streit ist es nicht, aber die Stimmung ist schon etwas angespannt: Zwei Standbesitzer diskutieren über die Stellfläche ihrer meterlangen Wagen samt Anhänger. Der eine meint, ihm stehe noch ein weiterer halber Meter zu, dem widerspricht der andere. Kai Krüger wird dazugerufen. Der Marktleiter schlichtet, einer der beiden Männer gibt letztendlich nach und fährt seinen Verkaufsstand ein Stück nach vorne. "Die Fahrzeuge werden nicht kleiner und der Platz nicht größer", sagt Krüger.

Ruhe kehrt aber auf dem Buttermarkt nicht ein. Die Vorbereitungen auf die kommenden Stunden laufen auf Hochtouren: Heute kommt der Wochenmarkt. In etwa zwei Stunden kommen die ersten Besucher. Einige der mobilen Verkaufsstände stehen bereits auf dem Platz, die Betreiber bauen gerade auf. Es ist 5 Uhr morgens.

Zwei Mal in der Woche, jeden Mittwoch und Sonnabend, strömen Bürger aus Elmshorn und der Region ab dem frühen Morgen zum Wochenmarkt, um sich an den mehr als 60 Ständen mit frischem Obst, Gemüse, Käse und vielem mehr einzudecken. Das bunte Treiben ist seit Jahrzehnten eine feste Institution in der Stadt.

Der 41 Jahre alte Krüger ist bereits seit drei Stunden auf den Beinen. "Wenn Markt ist, sind es sehr lange und bewegungsintensive Tage". Er ist Ansprechpartner für Fragen und Probleme der Standbetreiber. Vor allem aber regelt er alles rund um den Markt, inklusive der gesamten Logistik.

Es ist kühl an diesem frühen Morgen. Krüger ist gut gelaunt und voller Elan. Er trägt eine Wollmütze, Windjacke und Jeans. Wirklich kalt ist ihm aber nicht mehr. Denn die niedrigen Temperaturen des Winters hat er ja schon hinter sich. Er ist abgehärtet. "Da ich immer bei jedem Wetter an der frischen Luft bin, werde ich selten krank." Im Winter muss er aber schon zu Hilfsmitteln greifen, um nicht völlig durchzufrieren: Fußwärmer sind dann Pflicht.

Krüger geht schnellen Schrittes von der Markthalle zum Probstendamm und entfernt die Poller an der Einfahrt zum Markt, dann die an der Schauenburger Straße. Dort werden gleich weitere Lieferanten auf den Platz fahren. Mehmet Akgül ist mit seinem Wagen bereits da und baut gerade seinen Früchte- und Gemüsestand auf. "Spätestens um 5 Uhr bin ich immer hier", sagt er. "Um 2 Uhr stehe ich auf, fahre dann zum Hamburger Großmarkt und dann geht es nach Elmshorn." Seit 25 Jahren ist der Familienbetrieb mittwochs und sonnabends zu Gast auf dem Wochenmarkt.

Die Zahl der Stände nimmt nach dem Winter wieder zu. Denn die Gärtner bieten nun wieder ihre Ware an. Ab April werden es insgesamt mehr als 70 sein, die die Auswahl auf dem Markt noch vergrößern werden. 17 weitere finden die Besucher in der Markthalle. Auch dort laufen die Vorbereitungen auf den Verkauf. Die Stände müssen dort nicht jedes Mal neu aufgebaut werden. Trotzdem herrscht auch hier schon reges Treiben.

Auch Torsten Martens ist schon seit einigen Stunden auf den Beinen. Der gelernte Schlachter arbeitet bei Geflügelhof Neumann, der einen Verkaufsstand in der Halle betreibt. Martens und seine zwei Kolleginnen ordnen Fleisch und Wurst in die Ablage. Dem 24-Jährigen gefällt die Arbeit auf dem Markt. "Es ist immer sehr abwechslungsreich. Der Kontakt zu den Kunden gefällt mir und auch mit den Marktkollegen ist es immer schön."

Krüger ist immer in Bewegung. Sein Handy klingelt. Ein Händler fragt, ob er heute spontan doch noch mit seinem Stand vorbeikommen kann. Kein Problem. Man kennt sich seit Jahren. "Wir sind hier alle wie eine große Familie", sagt er. Viele Stände gehören seit Jahren, gar Jahrzehnten, zum Erscheinungsbild des Marktes. Krüger kümmert sich nicht nur um die Logistik, sondern auch um die Stimmung untereinander. Die familiäre Atmosphäre überträgt sich auch auf die Besucher. "Junge und alte Menschen kommen her", so der zwei fache Familienvater. Die Tradition, in Elmshorn auf den Markt zu gehen, werde von Generation zu Generation weitergegeben. "An Heiligabend kommen Familien und holen früh morgens ihre bestellten Weihnachtsbraten ab." Auch die Kälte macht den Besuchern nichts. Selbst dann kämen sie regelmäßig, so Krüger. "Gerade der Sonnabend ist Kult."

Mittlerweile sind schon etwa ein Dutzend weiterer Verkaufsstellen auf dem Markt angekommen. Und alle paar Minuten kommen große und kleine Fahrzeuge angefahren und bringen ihre Stände in Stellung. Jeder weiß, wo sich sein Stellplatz befindet. Krüger ist mittendrin im Geschehen. Sein Handy klingelt alle paar Minuten. Wenn er nicht am Telefon ist, klärt er Fragen und Probleme der Aussteller. Der eine hat keinen Strom, der andere ist spät dran mit dem Aufbau.

Bei Kurt Krüger, weder verwandt noch verschwägert mit dem Marktleiter, läuft zeitlich alles nach Plan. Seit 5 Uhr ist er da, Obst und Gemüse liegen zum Teil bereits auf der meterlangen Ablage seines Standes. Der Händler bietet seit mehr als 30 Jahren seine Ware beim Elmshorner Wochenmarkt an. "Wir wohnen praktisch hier", sagt der 61-jährige Kurt Krüger. Ihm macht die Arbeit immer noch Freude. Aber die Zeiten werden immer schwieriger, sagt er. "Heutzutage sind die Supermärkte eine große Konkurrenz. Aber zum Glück sind uns die Elmshorner noch treu."

Das liegt wohl auch daran, dass sich das Angebot auf dem Wochenmarkt, bei aller Tradition, auch nach der Nachfrage richtet und sich ständig verändert. "Stände mit Bioprodukten kommen beispielsweise gut bei den Bürgern an", so Marktleiter Krüger. Aber auch Naturläden mit Produkten für den Babybedarf oder Spezialitätenangebote erfreuen sich großer Beliebtheit. "Die jungen Leute werden in das Erlebnis Wochenmarkt mit eingebunden." Für die Mischung aus Neuem und Bewährtem ist Krüger verantwortlich. Bewerbungen für neue Stände gehen direkt an ihn. Die Kunden reagieren meist positiv auf Änderungen, sagt er. Seine Erfahrung kommt ihm zugute. Seit 13 Jahren ist er schon Marktleiter.

Um 6 Uhr ist der Buttermarkt zu zwei Dritteln mit Verkaufsständen gefüllt. In einer Stunde werden dort die Besucher, wie an jedem Markttag, alleine, mit ihrer Familie oder Freunden zwischen den vielen Ständen umherschlendern und sich an den frischen Produkten und ihren Gerüchen erfreuen. Am Mittag ist dann Krügers langer Arbeitstag zu Ende.

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