„Zeitung in der Kindertagesstätte“ : Mitarbeiter sind selbst im Trägerverein

Der 1995 errichtete Neubau an der Straße Hainholz.
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Der 1995 errichtete Neubau an der Straße Hainholz.

Nachwuchs im Bann der Zeitung.

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22. Februar 2011, 08:24 Uhr

Hochkonzentriert gingen die Mädchen und Jungen vom Kinderhaus Elmshorn gestern ans Werk, schnitten Bilder aus, legten Mappen an, bastelten Hüte. Sie gehören zu den Teilnehmern des sh:z-Projekts „Zeitung in der Kindertagesstätte“ – es soll dem Nachwuchs das Medium Zeitung vier Wochen lang spielerisch nahebringen. Es ist zugleich Auftakt einer neuen EN-Reihe.
In der Einrichtung "das Kinderhaus Elmshorn" ist manches anders. Das hängt mit seiner Geschichte zusammen. 1970 schlossen sich Eltern im Neubaugebiet von Hainholz zusammen, um selbst vor Ort eine Kindertagesstätte einzurichten. Dieser Geist, dass kein großer Träger, sondern ein kleiner, wendiger Verein die Einrichtung trägt, weht bis heute durch das Haus. "In unserer Rolle als ErzieherInnen verstehen wir uns nicht als fertig, sondern befinden uns in einem ständigen Lernprozess", heißt es denn auch im Profil des Kinderhauses.

Bemerkenswert ist etwa, dass viele Kinder noch nicht das dritte Lebensjahr erreicht haben, wenn sie dort aufgenommen werden. Im kommenden August trifft das auf 15 von 24 Mädchen und Jungen zu, die neu dazu kommen. "Die Eingewöhnungsphase liegt uns besonders am Herzen", betonen daher auch Leiterin Elke Theege und ihre Stellvertreterin Ramona Dahley-Schneider. "Wir machen das sehr sanft, um Vertrauen aufzubauen", erläutern sie. Schließlich bedeute dies für viele Kinder, sich das erste Mal von ihren Eltern zu trennen und neue Beziehungen einzugehen. Jedes Kind brauche dafür unterschiedlich lange. "Wir geben ihnen die Möglichkeit, in ihrer eigenen Zeit bei uns anzukommen", sagt Theege.

Vertrauen soll aufgebaut, Sicherheit gegeben werden. Und so setzt die Einrichtung auch nicht auf offene Gruppen mit vielen Wechseln, sondern auf feste Gruppenstrukturen. "Hier können sie verlässliche und belastbare Beziehungen aufbauen", erklären die Leiterinnen.

Die Entwicklung der Kinder wird begleitet, beobachtet und in Momentaufnahmen in Mappen festgehalten. Fotos, eigene Werke, kleine Spielgeschichten und Selbstporträts gehören dazu. In den Mappen kommen zudem Kinder, Eltern und Erzieher zu Wort.

Von angehenden Schulkindern wird ein Steckbrief im Kinderhaus ausgehängt, zu dem sie selbst etwas beitragen, beispielsweise durch gegenseitiges Wiegen oder Messen. "Die Kinder erfahren, dass sie etwas Besonderes sind. Das macht sie stolz", erläutert Theege. Die künftigen Schulkinder werden zudem darauf vorbereitet, was sie dort erwartet. Schule wird allgemein zum Thema; die Kinder können zudem zwischen Englisch, Kunst und Experimentieren als Vorbereitung wählen. Auch ein Besuch der Timm-Kröger-Schule gehört dazu.

Viele der 17 pädagogischen Mitarbeiter gehören schon seit langer Zeit zum Team. Bemerkenswert ist, dass alle Mitarbeiter zugleich Mitglieder des Trägervereins sind - und sich auch ehrenamtlich betätigen. Beispielsweise, wenn zusammen mit Eltern Räume neu gestrichen werden. Eine Köchin sorgt für die Verpflegung der Kinder, die sich ganztags in der Einrichtung aufhalten. Zudem gibt es zwei Praktikanten- und derzeit auch noch zwei Zivildienstplätze.

Die Mädchen und Jungen sind auf sechs Gruppen aufgeteilt: zwei Regelgruppen (3 - 6 Jahre), eine Kleinstkindergruppe (1,5 - 3 Jahre), eine Integrationsgruppe (3 - 6 Jahre) und zwei Familiengruppen (1 - 6 Jahre).

Wichtig ist dem Team, die Neugier der Kinder auf andere Kulturen zu wecken und zu vermitteln, gerade im Vielnationen-Quartier Hainholz. "Wir wollen den Kindern zeigen, welche Bereicherung andere Sprachen und Bräuche bedeuten", sagt Theege. So soll es beispielsweise mit Unterstützung von Eltern ab März Tage der Kulturen in der Kita geben.

Zur Ausstattung des Kinderhauses gehören ein Experimentier-Labor, ein Atelier für Kunstwerke und eine Spielo- und Bibliothek, in der sich Mädchen und Jungen nach einem Ausleihverfahren selbst Spiele oder Bücher holen können.

An dem Projekt "Zeitung in der Kindertagesstätte" beteiligt sich die Einrichtung zum zweiten Mal. Erzieherin Antje Dirks-Sibbert war im Vorjahr so begeistert, dass sie weitere Kolleginnen "infizierte". Vier Wochen lang bekommen Fünf- und Sechsjährige aus drei Gruppen jetzt täglich die EN ins Kinderhaus geliefert. Der erste Kontakt mit einem Medium, das sich im wörtlichsten Sinn noch begreifen lässt.

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